Dr. Alexander Krüger / 13. Dezember 2018


Grad der EZB-Krisenpolitik sinkt erneut

Die EZB hat heute den Deckel auf ihre ultra-lockere Geldpolitik gesetzt. Nachdem das Ende der Netto-Wertpapierkäufe nun besiegelt ist und Anlass für Liquiditätssorgen dennoch nicht besteht, richtet sich der Blick fortan auf den Zeitpunkt der Leitzinswende. Trotz aufziehender Wolken am Konjunkturhimmel behalten wir diese für September 2019 im Visier. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

EZB stellt Netto-Wertpapierkäufe zum Jahresende ein. (Foto: matthi / Clipdealer.de)

Die EZB hat heute beschlossen, ihre Netto-Wertpapierkäufe zum Jahresende einzustellen. Angesichts der robusten Konjunktur und der über 2,0 % gestiegenen Inflationsrate war dies überfällig. Zudem bekräftigte die EZB, Wertpapierfälligkeiten und –erträge vollständig zu reinvestieren. Dies soll auch länger nach Leitzinserhöhungsbeginn so erfolgen und grundsätzlich mit dem Kapitalschlüssel übereinstimmen. Unter dem Strich wird die üppige Liquiditätsausstattung im Euroraum also noch lange anhalten. Im Geldpolitischen Ausblick bekräftigte die EZB, dass Leitzinsen „mindestens über den Sommer 2019 (…) auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden“.

Wachstumsrisiken „weitgehend ausgewogen“

Ihre Wachstumsprojektion für 2018/19 hat die EZB von 2,0/1,8 % auf 1,9/1,7 % gesenkt. Mit 1,7 % behielt sie den 2020er-Ausblick bei und erwartet für 2021 einen Zuwachs um 1,5 %. Die Wachstumsrisiken wurden erneut als „weitgehend ausgewogen“ beurteilt. Alles in allem bleibt die EZB damit konjunkturoptimistisch. Auf der Pressekonferenz gab sich Präsident Draghi alle Mühe, Gegenteiliges zu unterdrücken. Wenig tat sich bei den Inflationsprojektionen (2018: +0,1 %-Punkte auf 1,8 %; 2019: -0,1 auf 1,6 %; 2020: 1,7%, unverändert; 2021, neu: 1,8 %).

Nachdem das Ende der Netto-Wertpapierkäufe besiegelt ist, Anlass für Liquiditätssorgen aber nicht besteht, richtet sich der Blick nun auf den Zeitpunkt der Leitzinswende. Hier hat die Ratssitzung unsere Erwartung nicht geändert, dass der Einlagesatz im September 2019 um 15 Basispunkte auf –0,25 % und alle Leitzinsen im Dezember um 25 Basispunkte erhöht werden. Die hohe Verschuldung von Staaten und Unternehmen steht einem normalen Leitzinserhöhungszyklus entgegen.

Es kommt die Zinserhöhungszeit

Hinsichtlich des Zinserhöhungsauftakts sehen wir aber Konflikte im EZB-Rat auf-ziehen. Mit 1,4 % liegt unsere BIP-Prognose für 2019 klar unter der EZB-Projektion von 1,7 %. Der Rat dürfte seine Wachstumsprojektion also noch weiter senken. Dies aber könnte den Blick der Ratsmitglieder für das hohe Aufschwungsalter sowie Konjunkturrisiken schärfen und Sorgen vor einem Abwürgen der Konjunktur befeuern, wodurch die Leitzinswende eventuell später erfolgte. Da die Konjunktur 2020 aber eher schwächer dastehen dürfte, rückte das Ende der extremen Krisenpolitik dann in noch weitere Ferne. Ganz oben auf unserem Wunschzettel für Weihnachten steht daher: Macht zu die Tür, und nicht mehr weit, es kommt die Zins-Erhöhungszeit!

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