Dr. Alexander Krüger / 14. November 2018


Deutscher BIP-Rückgang darf nicht aufregen

Der BIP-Rückgang im dritten Quartal 2018 ist nicht mehr als ein Ausrutscher. Ursachen sind unter anderem Produktionsverluste in der Autoindustrie, die zurzeit aber bereits aufgeholt werden. Die fetten Wachstumsjahre sind dennoch vorüber, da neue Wachstumsimpulse für 2019 fehlen. Ein Kommentar von Dr. Alexander Krüger.

Konjunktur

Experten prognostizieren einen Einbruch der derzeit guten Konjunkturlage.

(Foto: loraks/Clipdealer.de)

Auf den Nimbus des Konjunkturaufschwungs hat sich ein Schatten gelegt: Das BIP in Deutschland ist im dritten Quartal 2018 um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal geschrumpft. Nach 13 Quartalen mit meist kräftigen Zuwächsen ist dies nun erstmals wieder ein leichter Rückgang. Für diesen sind der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zufolge der private Konsum und der Außenhandel (weniger Exporte, mehr Importe) verantwortlich. Positive Wachstumsimpulse gingen dagegen von Ausrüstungs- und Bauinvestitionen sowie öffentlichen Konsumausgaben aus.

Wichtige Konjunkturdaten enttäuschen

Da viele wichtige Konjunkturdaten im dritten Quartal enttäuschten, überrascht der Wachstumsrückgang nicht. Mit dem global schwelenden Handelskonflikt hat dies aus unserer Sicht nur wenig zu tun. Dies zeigt sich besonders bei der Industrieproduktion: Diese litt unter der Produktionsdrosselung in der Autoindustrie, da die Umstellung auf das neue Emissionstestverfahren Schwierigkeiten bereitete. Ersten Hinweisen zufolge hat die Produktion jüngst schon wieder angezogen. Wir sind daher zuversichtlich, dass es sich bei der Wachstumsschwäche im dritten Quartal nur um einen Ausrutscher handelt. Für das laufende Quartal erwarten wir eine zunehmende Wirtschaftsleistung, die die Potenzialrate von fast 0,4 % etwas übertrifft.

Abseits des Sondereffekts durch die Autoindustrie sind die konjunkturellen Rahmenbedingungen unseres Erachtens weiter günstig. Die Weltwirtschaft wird fortan vor¬aussichtlich zwar etwas Dynamik verlieren und der Rohölpreis die Realeinkommen vorerst noch schmälern. Seitens der Geldpolitik bleibt die Unterstützung aber groß. Zudem sehen wir die Überhitzungsgefahr als gering an, da sich die hohe Auslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten weiterhin nicht in stark anziehende Preise und Löhne übertragen dürfte. Der globale Handelsstreit bleibt die Hauptbedrohung für den Konjunkturaufschwung, auch wenn er bis dato kaum geschadet hat.

Konjunkturpessimismus dennoch nicht angebracht

Da Kapazitäten derzeit gut ausgelastet sind und neue Wachstumsimpulse fehlen, wird die diesjährige Wachstumsdynamik im nächsten Jahr kaum zunehmen. Trotz der bereits langen Aufschwungsdauer erwarten wir aber, dass das im Durchschnitt des kommenden Jahres erhalten bleibt. Damit würde die Potenzialrate leicht unterschritten. Den deutlichen Rückgang unserer Wachstumsprognose von 1,6 % auf 1,1 % erklärt dies aber nur zu einem geringen Teil. Hauptverantwortlich hierfür ist die gegenüber 2018 mit rund 0,4 Prozentpunkten nur noch halb so hohe Ausgangsbasis. Ein Konjunkturpessimismus lässt sich daraus nicht ableiten.

Verweise: