Dr. Alexander Krüger


Fed und EZB: Leitzinssenkung in Sicht

Fed und EZB stehen vor einer neuen geldpolitischen Lockerungsrunde. Die Fed dürfte den Leitzins im Juli senken, die EZB wohl erst im September. Am strukturell niedrigen Preisdruck wird dies wohl kaum etwas ändern. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

EZB

Leitzinssenkunken und eine noch lockerere Geldzinspolitik sind in Sicht.

(Foto: Photodune.com)

 
Nach den überraschenden verbalen Kehrtwenden von Fed und EZB Anfang 2019 sieht es zurzeit immer mehr danach aus, dass beide Notenbanken im dritten Quartal 2019 Taten folgen lassen werden. Dies geht unseres Erachtens aus den Verlautbarungen von Notenbankvertretern insbesondere in der vergangenen Woche hervor. Unseren geldpolitischen Ausblick haben wir daher für beide Notenbanken adjustiert.

Leitzinssenkung in Sichtweite

Bei der Fed rechnen wir nun mit einer Leitzinssenkung um 25 Basispunkte für den 31. Juli. Maßgeblich hierfür sind Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell vor dem US-Kongress, in denen er die an den Finanzmärkten bestehenden Zinssenkungserwartungen nicht entkräftete. Powell betonte, dass die Unsicherheit über den Konjunkturausblick unter anderem wegen der Handelskonflikte gestiegen und der Inflationsdruck zu niedrig sei. Die Fed sei deshalb zum Handeln bereit. Da wir erwarten, dass die US-Konjunktur weiter an Fahrt verlieren wird, dürfte die Fed ihr Zinspulver aber nicht übereilt verschießen und der Leitzins bis Mitte 2020 „nur“ auf 1,75 % fallen. Neue Wertpapierkäufe erscheinen aktuell nicht dringlich, sie dürften bei einer unerwartet kräftigen Konjunkturabkühlung aber rasch in den Blick rücken.

Noch lockerer geldpolitischer Kurs

Auch seitens der EZB scheinen die Würfel hinsichtlich neuer expansiver Maßnahmen gefallen zu sein. So unterstreicht das Protokoll zur Ratssitzung im Juni die Bereitschaft zu einem noch lockereren geldpolitischen Kurs. Diesbezüglich lassen insbesondere auch die Äußerungen des neuen EZB-Chefvolkswirts Philip Lane aufhorchen, der Negativzinsen als effektiven Weg bezeichnete, um die niedrige Inflationsrate zum EZB-Preisziel von knapp unter 2,0 % zu heben. Ebenso wie EZB-Chef Mario Draghi betonte er die Handlungsbereitschaft der Notenbank. Auch wenn diese bereits auf der Ratssitzung am 25. Juli zum Tragen kommen kann, halten wir die September-Sitzung für wahrscheinlicher, um den Einlagesatz um 10 Basispunkte zu senken und die Forward Guidance unbegrenzt zu verlängern. Dann nämlich dürfte die EZB ihre viel zu optimistische BIP-Projektion von 1,6 % für 2020 deutlich senken. Neue Wertpapierkäufe wird die EZB vorerst wohl zurückhalten. Rechtliche Hürden sind hier aber wohl weniger das Problem als das kaufbare Material.

Spätzyklisches Konjunkturumfeld

Die Verlautbarungen von Fed und EZB kommen zu einer Zeit, in der sich beide in einem ordentlichen spätzyklischen Konjunkturumfeld befinden, das eine geldpolitische Lockerung nicht erfordert. Es überrascht zudem, dass die schon seit Langem gesunkenen Inflations-erwartungen nun plötzlich im Notenbankfokus stehen. Insbesondere hinsichtlich der Fed scheint es eher, als beuge sie sich dem von US-Präsi¬dent Donald Trump ausgelösten politischen Druck. Auch halten wir es für fraglich, dass Fed und EZB den strukturell niedrigen Preisdruck (u. a. Globalisierung, moderater Lohndruck, Digitalisierung) ernsthaft bekämpfen können. Von der Lockerungsrunde profitieren daher wohl vor allem Kreditnehmer – und hier verschuldete Staaten.

 

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