Dr. Alexander Krüger / 15. Mai 2019


Flottes Wachstumstempo wird nicht halten

Nach der Pause im zweiten Halbjahr 2018 ist das deutsche BIP zu Jahresbeginn spürbar gewachsen. Das flotte Tempo dürfte sich nicht halten, zu einer Rezession besteht aber genügend Abstand. Ernste Abwärtsgefahren gehen vom US-Handelsstreit mit China sowie von US-Autozöllen aus. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Foto: tanyar30/Clipdealer.de)

Das Auslandsgeschäft wird durch den Handelsstreit zwischen China

und den USA belastet.(Foto: tanyar30/Clipdealer.de)

Das deutsche BIP ist im ersten Quartal 2019 um 0,4 % gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Es ist durch kräftige private Konsumausgaben angetrieben worden. Auch wurde deutlich mehr investiert, vor allem in Bauten. Die Wirtschaftstätigkeit belastet hat hingegen der Staat, „gemischte Signale“ kamen vom Außenhandel. Nach der konjunkturellen Durststrecke im zweiten Halbjahr 2018 liegt das BIP nun über dem hohen Niveau des zweiten Quartals 2018. Geholfen hat hierbei auch die Furcht vor einem harten Brexit, die Vorratskäufe aus Großbritannien befeuert hat.

Anstieg der Wirtschaftsleistung im Laufe des Jahres

Unserer Ansicht nach wird die Wirtschaftsleistung im Jahresverlauf weiter zunehmen. So ist die Arbeitslosenzahl unverändert niedrig und Unternehmen investieren, wenn auch nicht im Hurrastil. Ein spürbarer Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Kapazitätsauslastung, der in eine Unterauslastung mündet, befindet sich daher nicht in der Pipeline. Darauf deuten auch die Stimmungsindikatoren hin, die insbesondere einen weiter stabil wachsenden Bau- und Dienstleistungssektor erwarten lassen. Sorge bereitet uns das Verarbeitende Gewerbe, da der Autosektor eine echte Wende zum Besseren weiter vermissen lässt. Trotz des Stimmungsabsturzes handelt es sich hier aus unserer Sicht aber „nur“ um eine ausgeprägte Schwächephase.

Trotz des wohl anstehenden weiteren BIP-Wachstums erwarten wir unverändert, dass es im spätzyklischen Umfeld an Treibern fehlen wird, die für neuen Schub sorgen könnten. Fortan dürfte die konjunkturelle Grunddynamik daher der niedrigeren von 2018 entsprechen. Konjunkturelle Ausreißer nach oben und unten werden in dieser Phase wahrscheinlicher, sie sollten nicht überbewertet werden.

Auslandsgeschäft durch Handelsstreit belastet

Unsere BIP-Prognose von 0,7 % für 2019 bestätigen wir, sie wird von der Binnenwirtschaft getragen. Angesichts der von uns für China und die USA erwarteten Konjunkturabkühlungen dürfte das Auslandsgeschäft hingegen belastet werden. Hier haben sich die Abwärtsrisiken zuletzt deutlich erhöht: Es drohen indirekte Beeinträchtigungen vom sich zurzeit zuspitzenden Handelsstreit zwischen den USA und China sowie direkte von bereits in Kürze möglichen US-Autozöllen für die EU.

Wie sich die Konflikte weiter entwickeln werden, ist wegen der Unberechenbarkeit der Akteure kaum abschätzbar. In jedem Fall aber schüren sie Unsicherheit, die der Stimmung schadet. Für die Investitionsneigung sind dies ungute Vorgaben. Allein durch etwaige US-Autozölle stehen für die stark exportabhängige deutsche Wirtschaft zudem etwa 0,2 Prozentpunkte beim jährlichen BIP-Wachstum auf dem Spiel.

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