Marlen Abertini


Ein Jahrzehnt nach der Großen Finanzkrise

Zehn Jahre nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers hat sich die wirtschaftliche Situation stabilisiert. Doch wir sind nicht zum Normalzustand zurückgekehrt, sondern befinden uns seit der Großen Finanzkrise in einem permanenten wirtschaftspolitischen Ausnahme-zustand, erläutert Autor Aymo Brunetti.

Eurokrise

Europa befindet sich noch immer im Krisenmodus. (Foto: mediagram/Clipdealer.de)

Zehn Jahre nach dem Beginn der Großen Depression in den 1930er Jahren brach er Zweite Weltkrieg aus. Zehn Jahre nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 beobachten wir eine langanhaltende wirtschaftliche Schönwetterlage. Wie sind diese unterschiedlichen Entwicklungen zu erklären, zumal Hintergründe und Ausmaß der beiden globalen Schocks große Ähnlichkeiten aufwiesen?

Die grundlegenden Konstruktionsfehler der Eurozone bestehen nach wie vor, auch wenn es bisher immerhin erste aber noch deutlich zu wenig weitgehende Schritte gab, um diese Situation zu korrigieren.

Zahlreiche Mitgliedsländer und mit ihnen die gesamte Eurozone selbst sind nach wie vor wenig krisenfest, könnten also durch eine deutliche Verschlechterung der Wirtschaftslage oder gar durch eine neuerliche Finanzkrise rasch in schwere Turbulenzen geraten,

schreibt Aymo Brunetti in seiner Publikation „Ausnahmezustand“ und liefert das analytische Rüstzeug, um zu verstehen, warum es diesmal anders war. Er zeigt aber auch deutlich auf, dass die außergewöhnlichen Maßnahmen zur Bekämpfung Krise bedeutende Ungleichgewichte geschaffen haben, die noch bei weitem nicht bereinigt sind.

Turbulentes Geschehen des letzen Jahrzehnts 

Wie weit haben wir das wirtschaftliche Jahrhundertereignis der Großen Finanzkrise inzwischen überwunden? Können wir bereits wieder von einem Normalzustand sprechen? Das vorliegende Buch erläutert – 10 Jahre nach ihrem Höhepunkt – die Essenz dieses globalen Schocks und seine vielfältigen, weitreichenden Nachwirkungen. Das Buch vermittelt auf knappem Raum einen klar und verständlich geschriebenen Analyserahmen, um das turbulente wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Geschehen des letzten Jahrzehnts besser verstehen und einordnen zu können.

So fasst Brunetti die zentralen Mechanismen der Großen Finanzkrise zusammen und erläutert anschaulich die Auswirkungen auf verschiedene Dimensionen der Wirtschaftspolitik. Daneben zeigt er auf, welche Maßnahmen Schlimmeres verhindert haben, welche Nebenwirkungen sie hatten und inwieweit wir den Ausnahmezustand inzwischen hinter uns lassen konnten.

Aymo Brunetti ist ordentlicher Professor am Departement Volkswirtschaftslehre der Universität Bern. Zudem ist er Vorsitzender des Beirates Zukunft Finanzplatz, der die Schweizer Regierung in Fragen der Finanzmarktregulierung berät.
 
Zuvor arbeitete er bis 2012 in er Schweizer Bundesverwaltung, wo er die Direktion für Wirtschaftspolitik im Staatssekretariat für Wirtschaft leitete. Er ist Autor von erfolgreichen Lehrmitteln zur Volkswirtschaftslehre und populärwissenschaftlichen Büchern.