Ursula Pidun / 4. Mai 2015 / 12 Kommentare


„Das Grundübel der Bankenkrise ist unser falsch gestricktes Geldsystem“

Mit ihren Wirtschaftsbüchern "Der größte Raubzug der Geschichte und "Der Crash ist die Lösung", die inzwischen zu Bestsellern wurden, prangern die Ökonomen Matthias Weik und Marc Friedrich die Politik in der nicht enden wollenden Bankenkrise an. Europaweit suchen Experten seit Jahren nach Auswegen aus dem Dilemma. Bisher ohne nachhaltigen Erfolg. Woran das liegt? Wir haben nachgefragt.

Marc Friedrich, die sogenannte Bankenkrise wird zum Schrecken ohne Ende. Was läuft schief und warum gelingt es weder der Politik noch Finanzexperten, nachhaltige Lösungen zu finden?

Marc Friedrich (Foto: fw-vs.de)

Marc Friedrich (Foto: fw-vs.de)

Weil es im bestehenden System keine Lösung gibt. Würde es eine Lösung geben, hätte man uns diese schon längst medienwirksam präsentiert. Es ist ein mathematisches Problem und wir können die Mathematik, ein Naturgesetz, nicht überlisten. Diese Hybris hat man aber und versucht das Unmögliche seit 2008 und wundert sich, warum es nicht besser wird. Unser Finanzsystem hat eine mathematisch begrenzte Lebensdauer. Das Haltbarkeits-Datum hierfür ist mit der Krise 2008 abgelaufen und wird seitdem notdürftig und mit fragwürdigen Mitteln künstlich am Leben erhalten.

Also gibt es bisher tatsächlich keinerlei nachhaltige Ergebnisse?

Das Einzige Ergebnis ist Zeit. Teuer erkaufte Zeit. Die Probleme sind aber noch alle da und haben sich sogar verstärkt. Die Aktienmärkte haben sich zwar verdoppelt und verdreifacht. Aber hat sich die Beschäftigungsquote, die Industrieproduktion, die Gewinne der Unternehmen usw. ebenfalls verdoppelt und verdreifacht? NEIN! Lediglich die Problem und vor allem die Schulden haben sich vermehrfacht! Es ist kaum anzunehmen, dass die Bürger das überaus teure Spektakel der Bankenfinanzierungen noch über weitere Zeiträume klaglos hinnehmen.

Welche Maßnahmen müssten aus Ihrer Sicht auf politischer Ebene erfolgen, um endlich vorwärts zu kommen?

Das Grundübel ist unser falsch gestricktes Geldsystem. Hier müssen wir ansetzen um wirklich nachhaltig eine Besserung herbeizuführen. Unser jetziges ungedecktes Geldsystem führt immer zur Umverteilung von Vermögen von unten nach oben und endet immer in Ungerechtigkeit und im Desaster. Da die Politik Nutznießer des aktuellen Systems ist, wird sie nichts ändern. Wer sägt schon am Ast, auf dem er sitzt? Wenn die Politik endlich die Realität anerkennen würde, wäre der erste Schritt, das rein politisch motivierte und völlig gescheiterte Währungsexperiment Euro endlich ad acta zu legen, endlich die Menschen zu retten statt ständig die Märkte.

Was muss konkret in der Folge geschehen?

Der nächste Schritt ist ein Schuldenschnitt und -Erlass, denn nicht einmal wir als Exportweltmeister mit Rekordsteuereinnahmen schaffen es, in Rekordjahren auch nur einen Cent Schulden zurückzuzahlen. Wie können wir es dann von den Krisenländern verlangen? Dann brauchen wir ein einmaliges Aufbauprogramm für die Krisenregion a la Marshallplan, um wieder eine wettbewerbsfähige und wertschöpfende Industrie aufzubauen – gebunden an tiefgreifende Strukturreformen. Zu guter Letzt benötigen wir ein neues, gedecktes Geldsystem, dass allen Menschen dient und nicht nur einem Prozent.

Griechenland ist – auch dank medialer Unterstützung – inzwischen zum schwarzen Schaf der Europäischen Union „aufgestiegen“. Ist die spürbare Häme tatsächlich gerechtfertigt?

Teils, teils. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. So auch bei Griechenland. Das Land wurde jahrzehntelang miserabel gemanagt und hatte/hat ein klares Eliteproblem. Viele Probleme sind hausgemacht. Die Mediendresche ist aber vor allem durch die Boulevard Zeitung Nr. 1 unerträglich und auf einem fragwürdigen und erbärmlichen Niveau angelangt. Das ist nicht zielführend, sondern nur noch Hetze und rein populistisch aus Profitgründen. Hier möchte ich die Sendung des ZDF „Die Anstalt“ vom März 2015 allen Lesern wärmstens empfehlen.

Die griechische Bevölkerung leidet noch immer große Not, der konjunkturelle Motor springt nicht an und die Jugendarbeitslosigkeit zwingt eine ganze Generation in die Knie. Ein Europa der Zukunft sieht anders aus?

Absolut. Es ist eine Schande! Wir verbrennen eine komplette Generation in Europa für ein gescheitertes Währungsexperiment. MatthiasWeik und ich sind überzeugte Europäer und überzeugte Demokraten, aber was hier gerade geschieht dient weder Europa noch der Demokratie – ganz im Gegenteil. Beides steht auf dem Spiel! Antidemokratische und extremistische Parteien von links bis rechts haben einen starken Zulauf. Genau davor haben wir im Buch gewarnt. Unser System neigt dazu, wirtschaftliche Ungerechtigkeit zu begünstigen und immer mehr Vermögen bei immer weniger Menschen zu konzentrieren. Man muss nur rausschauen: Die Welt ist voller Warnungen. Wer die Realität nicht anerkennt, wird bitter dafür zahlen müssen. Wir befürchten, dass dies leider in einem riesigen Desaster enden und in die Geschichtsbücher eingehen wird, als eine dunkle Stunde Europas und der Welt.

Hat dann das von der „Troika“ bzw. den „Institutionen“ geforderte und drastisch durchgezogene Spardiktat für Griechenland und andere EU-Länder den Namen „Krisenrezept“ überhaupt verdient?

Nein! Wenn in der Medizin ein Medikament nicht wirkt und sogar gefährliche Nebenwirkungen hat, wird es normalerweise abgesetzt und vom Markt genommen. Nicht bei der dogmatischen Rettungspolitik des Euros und der Märkte. Ganz im Gegenteil. Die Krise wird nicht gelöst, sondern lediglich andauernd teuer in die Zukunft verschoben. Dann bricht sie wieder auf und alle rennen hektisch von Krisengipfel zu Krisengipfel ohne wirkliche Ergebnisse zu erzielen – wie zuletzt im Fall Griechenland gesehen. Schon seit 2007 hat die Rettungsmedizin nicht gewirkt und sogar den Zustand der Patienten verschlimmert. Wir haben Rekordarbeitslosenzahlen und Rekordverschuldung der Krisenländer. Trotzdem wird mit aller Macht an der Medizin festgehalten – bis der Patient wohl stirbt.

Wenn Sie einen Erste-Hilfe-Plan mit fünf Punkten entwickeln sollten, um Europa finanztechnisch möglichst schnell auf solidere Beine zu stellen, wie sehen Ihre Empfehlungen dann aus?

  • Euro abschaffen
  • Schulden streichen
  • Ungedecktes Geldsystem abschaffen und souveräne Währungen einführen
  • Staaten/Politik verbieten, Schulden zu machen
  • Für Politiker und Manager Haftungsklauseln installieren

 

 
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* Die beiden Ökonomen, Querdenker und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 zusammen den Bestseller „Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. Seit April 2014 gibt es eine aktualisierte und überarbeitete Taschenbuchausgabe. Mit ihrem zweiten Buch, „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“, haben sie es bis auf Rang 2 der Spiegel Bestsellerliste geschafft sowie auf Rang 1 im Manager Magazin und Handelsblatt. Das Buch ist seit 11 Monaten auf allen relevanten Bestsellerlisten vertreten und war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2014. In ihm haben sie u.a. die EZB Leitzinssenkung und Minuszinsen für die Banken, die Absenkung des Garantiezins bei den Lebensversicherungen sowie den Ausgang der EU-Wahl richtig prognostiziert. Auch das Scheitern des Euros und einen Absturz an den Börsen haben sie darin prognostiziert. Am 14. November 2014 ist das Hörbuch zu „Der Crash ist die Lösung“ erschienen. Weitere Informationen über die Autoren finden Sie jetzt auch bei Facebook. Wer die Bestsellerautoren live erleben möchte, findet hier die Termine ihrer Vorträge.



12 Kommentare zu "„Das Grundübel der Bankenkrise ist unser falsch gestricktes Geldsystem“"

  1. ThomasM.99 4. Mai 2015 at 08:23

    Der gute Mann liegt mit seiner deutlichen Sprache goldrichtig!

    Danke für dieses Interview!

    Antworten
  2. malocher 4. Mai 2015 at 09:29

    Das Grundübel der Bankenkrise………..

    Das ist soweit richtig.Das fatale dabei ist nur das Länder die
    sich diesem System entziehen wollten mit Krieg überzogen wurden.

    Antworten
  3. j.br. 4. Mai 2015 at 09:46

    Hallo,
    sehr gute aufarbeitung/darstellung.
    anregung: unbedingt die menschen mit einfachsten mitteln und darstellungen aufklären über das schuldgeldsystem. das geld darf rechlich nicht den banken gehören, sondern ausschließlich dem volke!!!!!
    als zweites ist aufklärung zu betreiben, dass die bürger und wähler seit jahrzehnten falsch wählen, denn diese gewählten verbrecher sind für unsere katastrophale zukungft verantwortlich.

    Antworten
  4. Kurti 4. Mai 2015 at 10:46

    Da hat der gute Mann sehr recht – auch der fünf Punkte Plan ist richtig – aber an Platz 1 muss erst mal stehen „Verbot von ungedeckter Geldschöpfung durch Privatbanken – auch Leveraging oder Hebelung genannt. 2. Verbot des Zinseszinz (Streichung des Artikel Zwei des Paragraphen 248 BGB) Den beide Gründe unterliegen diesem exponentiellen mathematischen System das hier in den Untergang führt…

    Antworten
  5. Catweazel 4. Mai 2015 at 11:14

    Hallo, die beiden Autoren haben die Schwachstellen sehr offen beschrieben. Wer wie ich sich seit 20 Jahren mit dem Geldsystem befasst, dem war es schon lange klar, das es ein Ablaufdatum gibt. Das große Problem unserer heutigen Gesellschaft ist, daß sie eine Nanny Gesellschaft ist, die jedwede Änderung als Gefahr sieht und zu neuen Denkweisen kaum fähig ist. Das ganze gepaart mit einer nicht vorhandenen Eigenschaft Vorgänge über einen langen Zeitraum (also 10 und mehr Jahr) kausal in einen Zusammenhang zubringen.So können über einen langen zeitraum immer Inkompetentere „“Führungspsychopathen““ das Desaster verfestigen. Kaum einer hat heute den Gedanken der Freiwirtschaft nach Silvio Gesell auf dem Schirm (leider) sondern es wird ausschließlich der Neoliberalismus gelehrt. Albert Einstein sagte so schön, die Probleme von heute sind nicht mit den Gedanken die zu ihnen führten zu lösen. Das heisst, wir müssen Willens sein das bisherige System total umzukrempeln, solange diese Einsicht nicht besteht, fahren wir weiter mit vollem Tempo Richtung Betonwand.
    Empfehlung INWO.de Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

    Antworten
  6. Michael Pohanka 4. Mai 2015 at 11:49

    Der Artikel ist super und die Leserbriefschreiber ebenfalls !
    Es gehörte allgemein verboten, unumkehrbare Entwicklungen zuzulassen: neben Zinseszinssystem: EURO, wo kein Austritt vorgesehen ist; Todesstrafe ist auch unumkehrbar; Religionen, wo kein Austritt mehr möglich ist (Islam); Zerstörung der Regenwälder….

    Antworten
  7. Güni 4. Mai 2015 at 12:31

    Der Kapitalismus als System gehört verboten. Eine Echte Demokratie sollte errichtet werden. Alle macht geht vom Volke aus, das Volk, die Mehrheit ist der Souverän.

    Antworten
  8. Reinhard Peda 4. Mai 2015 at 13:39

    Der ideale solvente Schuldner für eine Bank ist ein Schuldner, der immer in der Lage ist, seine Zinsen für den Kredit zu bezahlen, ohne sich zu Entschulden. Entschuldet sich ein Schuldner muss die Bank einen weiteren solventen Schuldner finden, ansonsten versiegt die Geldschöpfung.

    Dias jetzige Schuldgeldsystem ist aber nur ein Problem von vielen. Ein weiteres ist die zukünftige allgemeine Entwicklung der realen allgemeinen Massenkaufkraft, und weitere entwicklung bei den Besitzverhältnissen.

    Im folgenden Link beschrieben:

    http://georgtsapereaude.blogspot.de/2015/04/griechenland-co-und-andere-probleme.html

    Mein Gastbeitrag im nächsten Link geht noch mal auf die jetzige Schuldgeldschöpfung ein, beschreibt einige Abläufe bei Import / Export und beschreibt möglichen Lösungsweg:

    http://www.werler-protestwähler.de/?p=679

    Ob sich der Marc Friedrich mal mit mir in Verbindung setzt, zwecks Diskussion?

    Aber auch andere können mit mir Diskutieren.

    Mit freundlichen Grüßen, Reinhard Peda (Analyst)

    Antworten
  9. FlorianTas 4. Mai 2015 at 13:42

    TOP; TOP; TOP!!!

    Warum erscheint so ein pointiertes Interview nicht in den Leitmedien?????

    BITTE WEITER VERBREITEN!

    Antworten
  10. Ute 4. Mai 2015 at 19:18

    Das größte Problem ist doch, dass eine private Bankenorganisation mit Namen FED ist, dass „Herr über das Geld und die Geldschöpfung “ ist und natürlich der Zinseszins!

    Mit dem Zusammenbruch des Geldsystems, was man meiner Meinung auch bewußt erreichen will, wird die Abschaffung des Geldes in physischer Form folgen. Man wird dann vorerst per Kreditkarte bezahlen und später mit implantierten RFID-Chip, um so noch mehr Kontrolle über den Einzelnen zu haben, aber auch die Einziehung von Steuern direkt von Bankkonto.

    Ab 2018 soll es so weit sein. Darauf sollten wir den Fokus legen, denn noch ist Zeit, um zu reagieren und das Volk aufzuklären.

    Antworten
  11. Hans von Atzigen 4. Mai 2015 at 20:10

    Die Analyse der Beiden ist ohne jeden Zweifel voll richtig.
    Bezüglich Lösung liegen die Dinge sehr viel umfangreicher
    und sehr viel tiefgreifender.
    So einfach mit einer Reform des Geldwesens ist die Sache
    nicht zu stemmen, das ist eine schöne Illusion.
    Denn und das kapieren leider die wenigsten, die gefahrene Politik der letzten bis zu 50 Jahre hat in der Realwirtschaft massive Spuren hinterlassen.
    Diese Spuren sind NICHT so einfach aus der Welt zu schaffen.
    Die Forderung nach einem stabilen Geldwert ist natürlich voll
    richtig nur eben dafür ist es rund 50 Jahre zu spät.
    Woraus ergibt sich ein möglichst stabiler Geldwert?
    Dieser ergibt sich aus der Kernformel= Relation.
    Realproduktion- Geldmenge- Konsum. (letzteres unter Einbezug solider= real erwirtschafteter Kapitalbildung)
    Letztlich ist dies nur bestmöglich mit einer Koppelung der Geldmenge an das Reale resp. real mögliche Realwirtschaftsergebnis, bestmöglich erreichbar.
    Tja die Dinge sind nicht so einfach wie sich dies leider zu viele erträumen und wünschen.
    Freundliche Grüsse

    Antworten
  12. Leo 6. Mai 2015 at 16:42

    Sehr eindrucksvoller Artikel! Mittlerweile dürfte den meisten klar sein, dass die Politik nicht mal zu den allernötigsten Regulierungen fähig ist, geschweige denn zu einer weitergehenden Geldreform. Es ist wohl an der Zeit, nicht mehr nur darüber zu meckern, sondern selber was zu tun. In Berlin gibt es da eine gute Möglichkeit: http://www.spreebluete.de

    Antworten

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