Marlen Abertini / 6. Dezember 2018


„Bürgerliche Scharfmacher“ – Deutschlands neue rechte Mitte

Der Wind kommt in der Bundesrepublik mehr und mehr gefährlich von rechts. Selbst konservative Volksparteien übernehmen inzwischen Themen der Rechtspopulisten. Andreas Speit schärft den Blick für die neue rechtskonservativen Bewegung, die direkt aus der Mitte der Gesellschaft kommt. Unsere Buchempfehlung.

Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es wieder eine deutschlandweite rechte Bewegung, deren Mitglieder sich aus der Mitte der Gesellschaft rekrutieren. Eine Bewegung, die keineswegs nur Flüchtlinge zu ihren Gegnern erklärt hat. Sie stellt das ganze politische System infrage. Ihr geht es um eine grundsätzliche Veränderung des bundesrepublikanischen Modells.

Mit seiner Publikation „Bürgerliche Scharfmacher“ liefert Andreas Speit die derzeit umfassendste Darstellung der neuen rechtskonservativen und rechten Bewegungen in Deutschland. Eine Bewegung, deren Mitglieder sich aus der Mitte der Gesellschaft rekrutieren und keinesfalls nur Flüchtlinge zu ihren Gegnern erklärt haben.

Angriff auf unsere offene Gesellschaft

Mit ihrem anti-parlamentarisch, anti-demokratisch und anti-pluralistischen Credo geht es ihnen um eine grundsätzliche Veränderung des bundesrepublikanischen Modells. Speit porträtiert die wichtigsten Akteure und Organisationen der neuen Rechten, beschreibt ihre ideologischen Profile, Handlungsweisen und Strategien und benennt die im Hintergrund operierenden Netzwerke und Gruppierungen sowie ihr zentrales Ziel: der offenen Zivilgesellschaft ein Ende zu bereiten.

„Seit den ersten Abendspaziergängen von Pegida hat sich die Bundesrepublik verändert. Eine soziale Bewegung von rechts richtet das bundespolitische Koordinatensystem nachhaltig neu aus. Diese neuen Rechten sind längst eine Bewegung, sie haben eine kollektive Identität, trotz Differenzen und sind durch mobile Netzwerke miteinander verwoben.
 
Sie kommen nicht aus dem Nichts vom rechten Rand, sie kommen aus der Mitte der Gesellschaft. Das ist mit ein Grund dafür, dass sie das „Sag“ und „Wählbare“ weit nach rechts verschoben haben, und zwar nicht erst durch parteipolitisches Agieren, sondern auch durch publizistisches Wirken.“

Hinzu kommen die zunehmend nervösen politische Agitationen der etablierten und einst großen Volksparteien, die im Angesicht der Kernschmelzen an Wählerstimmen die Felle davonschwimmen sehen. Sie greifen immer häufiger und konzentrierter rechtskonservative Themen der rechten Bewegung auf und machen sie sich zu eigen. Hierzu Speit:

„Das Aufgreifen von Themen, die die AfD zu ihrer Sache gemacht hat, scheint für die anderen Parteien geboten. Ein Hinterherlaufen ihrer Positionen und Übernahme ihres Tenors legitimiert jedoch ihre Intentionen und Forderungen – pusht sie.“

Cover: Orell Füssli

Das Buch bietet eine große Gesamtdarstellung einer neuen politischen Bewegung, die das gesellschaftspolitische Klima Deutschlands in einer Weise verändert, wie man es noch vor Kurzem für unmöglich gehalten hätte. Es zeichnet ein Bild von den wichtigsten Akteure und Organisationen der Neuen Rechten, beschreibt ihre ideologischen Profile, Handlungsweisen und Strategien und benennt die im Hintergrund operierenden Netzwerke und Gruppierungen sowie ihre zentralen Ziele.

Infos zum Autor

Speit, Andreas (*1966) in Hamburg lebender deutscher freier Journalist und Buchautor. Der Sozialökonom hat sich auf die Themen Rechtsextremismus und Neonazismus spezialisiert und gehört zu den renommiertesten Experten auf diesem Gebiet. 2012 zeichnete ihn der Deutsche JournalistenVerband mit dem Sonderpreis »Rechtsextremismus im Spiegel der Medien« aus. Seine Bücher wurden in der Zeit, der Süddeutschen Zeitung und der FAZ rezensiert. Speit ist Referent u.a. bei Landeszentralen für politische Bildung sowie an der Medienakademie ARD/ZDF.