Matthias Weik und Marc Friedrich / 1. März 2018


Warum Italien das mächtigste Land Europas ist

Deutschland ist momentan mit sich selbst beschäftigt und Headlines berichten über das mühselige Zimmern einer GroKo inklusive Postengerangel. Dabei gibt es Wichtigeres zu berichten. So etwa über die EU und insbesondere zum Finanzstatus Italiens. Hier sind die Probleme keinesfalls kleiner sondern deutlich größer geworden. Eine Betrachtung von Matthias Weik und Marc Friedrich.

Steht nun der Italexit bevor? (Foto: gutzemberg/Clipealer.de)

Bereits seit Jahren beschreiben wir den maroden Zustand Italiens und leider gibt es bis dato nichts Positives zu berichten – ganz im Gegenteil. In Italien wächst der Unmut unvermindert. 74 Prozent der Italiener halten die Lage in ihrem Land für schlecht. Der Missmut der Bevölkerung hat gegenüber dem Staat und seinen politischen Eliten besorgniserregende Höchststände erreicht. 72 Prozent misstrauen den Behörden, 78 Prozent der Justiz und der Regierung und 83 Prozent haben große Vorbehalte gegenüber den Parteien.

Hohe Arbeitslosigkeit und niedrige Pro-Kopf-Einkommen

Am 4. März sind Wahlen in Italien und wir müssen davon ausgehen, dass die EU- und eurokritischen Parteien die großen Gewinner der Wahl werden. Sollte die ganze Situation eskalieren, so könnte sogar ein Austritt Italiens, der sogenannte Italexit, auf der Agenda stehen. Knapp 46 Prozent der Italiener sind davon überzeugt, dass es Italien außerhalb der EU besser gehen wird und nirgendwo in der Eurozone ist der Euro so unpopulär, wie in Italien. All dies ist verständlich in Anbetracht dessen, dass die verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen der Italiener heute real erheblich niedriger sind als zu Lirazeiten.

Zweifellos ist Italien mit seinen verkrusteten Verwaltungsstrukturen und seinem mangelnden Willen für tiefgreifende Reformen, einer der Hauptverlierer innerhalb der Eurozone. So beträgt etwa die Arbeitslosenrate Italiens 10,8 Prozent. Unter den Jugendlichen sind sogar über 32 Prozent ohne Job und Perspektiven. Folglich verlassen immer mehr junge und gebildete Menschen das Land. Für ein Land mit einer ohnehin geringen Akademikerquote ist dies ein Supergau und die Zahlen sind verheerend für die drittgrößte Wirtschaft der Eurozone. Die staatliche Gesamtverschuldung betrug zuletzt 133 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nur Griechenland steht mit 179 Prozent Verschuldung noch schlechter da.

Vertragsbrüche haben in Brüssel Tradition

Laut Maastricht-Vertrag sind höchstens 60 Prozent erlaubt. Dies aber interessiert heute in Brüssel anscheinend niemanden mehr. Dort sind Vertragsbrüche Tradition, auch wenn diese Verträge von denselben Ländern gebrochen werden, die sie ursprünglich erstellt haben. Die Target 2 Verbindlichkeiten der italienischen Zentralbank (Banca d’italia) steigen unvermindert. Allein im Dezember 2017 ging es mit 3,1 Mrd. Euro auf nunmehr über 439 Mrd. Euro und damit auf eine neue Rekordverbindlichkeit nach oben. Der folgende Chart zeigt die verheerenden Konsequenzen des Euros für Italien auf und ist ein Beweis dafür, dass die komplette Währungsunion aus dem Ruder gelaufen ist.

Die Kreditfähigkeit des Landes erodiert seit 2010 kontinuierlich. Laut dem Centrum für Europäische Politik (cep) könnte das Staatsdefizit Italiens ins Uferlose wachsen. Matthias Kullas, Mitautor einer neuen Studie der Freiburger Denkfabrik, erläutert:

„Italien ist das größte Sorgenkind der Euro-Zone. Es besteht die Gefahr, dass das Land zum zweiten Griechenland wird“.

Italiens Unternehmen investieren viel zu wenig, da diese offensichtlich weder ausreichendes Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Italien an sich haben, noch an einen Aufschwung des Landes glauben. Wir gehen sogar ein Schritt weiter: Italien kann das Zünglein an der Waage sein wenn es um die Zukunft der EU und des Euros geht. Als drittstärkste Volkswirtschaft in der Eurozone hat Italien das Potential, den Euro und schlussendlich die EU zum Einsturz zu bringen.

Refinanzierung wie im Schlaraffenland

Dank der Europäischen Zentralbank (EZB) kann sich Italien bisher viel zu günstig am Kapitalmarkt finanzieren. Die EZB hält große Mengen an Staatsanleihen insbesondere aus Südeuropa. So hat die EZB bisher Staatsanleihen im Wert von knapp 2,5 Billionen Euro erworben. Einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zufolge handelt es sich dabei zunehmend um Anleihen von hoch verschuldeten Staaten wie Italien oder Spanien. Friedrich Heinemann vom ZEW erklärt hierzu: :

„Für Italien deuten die Ergebnisse auf ein wirkliches Risikoszenario hin. Italien ist mit knapp 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts besonders stark durch die Anleihekäufe begünstigt und damit in seiner Finanzierung auch besonders davon abhängig geworden“.

Dies ist unserer Ansicht nach nichts anderes als eine verbotene Staatsfinanzierung durch die Notenbanken. All das hat mit Kapitalismus und freier Marktwirtschaft nichts zu tun – es ist schlicht und einfach Planwirtschaft der Notenbanken und Planwirtschaft hat bekanntermaßen noch nie funktioniert.

Italien – too big to fail

Wir sind es daher auch nicht müde, zu wiederholen: Innerhalb der Eurozone wird Italien (ebensowenig wie Portugal, Griechenland…etc) niemals wieder volkswirtschaftlich auf die Beine kommen. Folglich wird die EZB unter der Ägide des Italieners Mario Draghi das Land weiter am Leben erhalten, denn Italien kann auf Grund seiner Größe nicht – wie in der Vergangenheit beispielsweise Griechenland oder Portugal – unter den EU-Rettungsschirm fallen. Italien ist schlicht und einfach: too big to fail. Auf Grund seines gigantischen Schuldenbergs in Höhe von 2,3 Billionen Euro kann Italien die anderen Euro-Länder mit seiner Reformverweigerung weiterhin vor sich hertreiben und die EZB auch zukünftig erfolgreich zwingen, ihre für Deutschland äußerst schädliche, lockere Geldpolitik beizubehalten. Denn Brüssel, Berlin, Paris sind sich vollkommen bewusst, dass eine Pleite Italiens das Ende des Euros und der EU wäre. Folglich wird Italien auch in Zukunft die Marschrichtung innerhalb der EU bestimmen.

Von der EZB am Leben erhalten

Bei der am kommenden Sonntag stattfindenden Wahl ist noch vollkommen offen, wer diese für sich entscheidet. Silvio Berlusconis Forza Italia verspricht Steuererleichterungen für alle. Familien, Unternehmen, Besserverdienende und Niedriglöhner sollen eine Einheitssteuer von 23 Prozent zahlen. Die Partito Democratico“ (PD) beabsichtigt die Einkommenssteuer für Familien zu senken und die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung prüft die Abschaffung von 400 Gesetzen, darunter auch jenes der Ausgabenkontrolle des Staates. Ob diese Maßnahmen Italien wieder auf die Beine bringen, ist äußerst fraglich. Wir gehen davon aus, dass dies nicht der Fall ist, Italien vielmehr weiterhin von der EZB am Leben erhalten und in der Folge der Sparer in Deutschland auch künftig weiter enteignet wird.

Mehr denn je ist es daher von elementarer Bedeutung, dass nunmehr die gravierenden Probleme gelöst werden, bevor sie sich zu einem finanziellen Tsunami entwickeln werden, der alle bisherigen Probleme innerhalb der EU sowie der globalen Finanzwelt wie einen milden Sommerregen erscheinen lassen. Dementsprechend ist es zielführend, Erspartes auf die Möglichkeit des obigen Szenarios vorzubereiten. Dies bedeutet insbesondere: Raus aus Staatsanleihen und rein in Sachwerte. Denn Sachwerte können bekanntlich nicht wertlos und im Gegensatz zum Euro auch nicht unendlich geschöpft werden. Denn sie stest limitiert.

Die Autoren
*Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 gemeinsam den Bestseller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. Im Jahr 2014 gelang ihnen mit „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“ ein weiterer Bestseller. Das Buch wurde im Jahresranking ebenfalls zum erfolgreichsten seiner Art. 2016 ist ihr dritter Bestseller „Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ erschienen. Im April 2017 ist ihr viertes Buch „Sonst knallt´s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“ das sie gemeinsam mit Götz Werner (Gründer des Unternehmens dm-drogerie markt) geschrieben haben, erschienen. Das Buch schaffte es auf Anhieb auf Platz 1 des manager magazins sowie in die Handelsblattbestsellerliste. 

One Response to Warum Italien das mächtigste Land Europas ist

  1. Rafael Will 18. April 2018 at 10:39

    Sehr guter Beitrag! Danke!

    Antworten