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Politik

Klarmachen zum Abtakeln? Piraten in Klausur

Die meisten Medien sind von der verlorenen Bundestagswahl 2013 der Piraten so gut wie überzeugt. Nicht einmal Edward Snowdon diene als Steilvorlage für diese Partei, heißt es. Dabei "tobe" in Deutschland erstmals "die erste große Internetdebatte seit Jahren". Tatsächlich?

Roland Hermanns

Hierzulande tobt alles Mögliche, nur kein wirklich ernstzunehmender Diskurs zu den wohl größten Aufweichungsmaßnahmen des Datenschutzes aller Zeiten. Die meisten Deutschen nehmen staatlich angeordnete Schnüffelprogramme in Hinblick auf mehr Sicherheit durchaus in Kauf, suggerieren Umfragen. Insofern können sich die Piraten in der Tat lässig zurücklehnen. Sie werden wohl weniger dringend gebraucht, als es tatsächlich vonnöten wäre.

Dann doch lieber andere Parteien?

Dann doch lieber Parteien, deren Verantwortliche seit etlichen Jahren Finanzkrisen nicht überwinden, stumm vor der zunehmender Verarmung ganzer Mittelschichten stehen und zum Nachweis ihrer Daseinsberechtigung den Bürgern pausenlos neue Gesetze und Verordnungen über den Kopf stülpen. Gerade so, als hätten wir nicht schon genug davon und Abertausende endlich abgebaut werden müssten. Was ist dagegen schon das bisschen Daten-Debakel und eine Partei, deren Existenzberechtigung vielen gar nicht klar wird.

Zukunftsdebatten sind anstrengend

Zukunftsdebatten sind für so manche gewohnheitstreue Deutsche ohnedies anstrengend und verwirrend zugleich. Warum nach vorne schauen, wenn es sich mit der so unaufgeregten Kanzlerin doch so prima in seichteren Gewässern dahinsegeln und sentimental in die Vergangenheit zurückversetzen lässt? Man weiß, was man bekommt und muss sich nicht vor Überraschungen fürchten. Für die Piraten wird es zu dieser Bundestagswahl wohl tatsächlich nicht zum überragenden Sieges-Gau gereichen. Es herrscht Flaute, die Segel stehen auf Halbmast. Das aber liegt wohl weniger an den Programmen sondern an den Piraten selbst, die derzeit ohne Kompass fahren. Die Partei ist noch jung, die Organisation unkoordiniert und die Fähigkeit der medialen Vermarktung deutlich verbesserungswürdig.

Der Lauteste ist nur bedingt der Klügste

Das Programm hingegen zeigt sich durchaus beachtenswert, gesellschafts-autark und stark nach vorne gerichtet. Zukunft und gesellschaftliche Umbrüche muss man allerdings auch wollen und Parteiprogramme lesen. Insofern sind auch die Bürger gefragt. Zudem: Nicht immer sind jene, die sich permanent bemerkbar machen, die beste Wahl. Es ist schon viel Wahres an den Worten des deutschen Schriftstellers Heinz Körner, der einmal sagte:

„Wie oft hatte ich mich schon gefragt, warum sie nur so klug daherreden. Wenn sie so vieles wissen, warum handeln sie nicht danach?“

Wenn die Piraten derzeit also etwas abgetakelt wirken, so muss das nicht gleich als Kapitulation gewertet werden. Sie streichen in Zeiten des Wahlsturms einfach nur die Segel und befinden sich in Klausur. Irgendwann werden sie die Türen zur Welt und damit zum Wahlvolk schon wieder öffnen. Dann heißt es wieder: „Klarmachen zum ändern“! Höchste Zeit dazu wird es allemal.

Fotorechte: mainpiraten

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