Brutzelwürstchen vor dem Katastrophen-Bericht
Werbung muss sein. Sonst könnten die meisten Medien nicht überleben. Soweit so halbwegs schlüssig. Wenn vor dem Katastrophenbericht allerdings die Champagnerkorken knallen und Brutzelwürstchen den Appetit anregen, wird es auch hartgesottenen Entertainment-Freaks gelegentlich mulmig.

Journalismus und redaktionelle Tätigkeiten dienen mehr und mehr dem Entertainment. Nur weg von der klassischen Information der Leser und hin zu einer immer subtiler wirkenden Unterhaltungs-Show quer Beet in allen Gazetten. In Zeiten multimedialer Glückseligkeit muss der Permanent-Kick der Leser – sorry der Medienkonsumenten – befriedigt sein. Ganz klar! Noch immer bevorzugte Methode, um die klammen Kassen jener zu füllen, die für eine ultimative Dauerberieselung zuständig sind, ist die gute alte Werbeschaltung. Drum werden auch kompromisslos keine Alternativen angedacht.
Wenn Werbung komplett die Sicht versperrt
Werbung im Web lockt häufig dezent am rechten oder linken Navigationsrand und bedrängt den Konsumenten kaum merklich. Dann wieder schwebt unverhofft ein Werbeschleicher in ungeheuren Ausmaßen von rechts nach links oder umgekehrt unaufhaltsam über das gesamte Display. Dem unterhaltungshungrigen Leser versperrt es komplett die Sicht. Das rettende "schließen"-Kreuzchen am oberen Rand zeigt sich konsistent gegen jeden beherzten Zugriff. Soweit so schauerlich. Entertainment sieht eigentlich ganz anders aus.
Es geht noch perfider
Es geht noch perfider. Katastrophenmeldungen ziehen Leser besonders an. Als Videopräsentation wird es hübsch lebendig. Mit vorgeschalteter Werbung mindestens absurd. Abgefackelte Innenräume gerade abgestürzter Flugzeuge, blutige Bürgerkriegsszenarien womöglich mit Verletzten und Toten werden mittels Brutzelwürstchen & Co „appetitanregend“ eingeleitet. Champagnerkorken knallen vor schrecklichen Szenen verunglückter Rennwagen und der Duft eines besonders angesagten Eau de Toilette umweht Zugkatastrophen und Szenen des tragischen Entsetzens. Werbung muss halt sein. Sonst könnten die meisten Medien wohl kaum überleben?
Verweise:
Der gelackte Lebenslauf