Neue Hoffnung auf ein EWU-Rezessionsende
Das Wirtschaftsvertrauen im Euroraum ist im Juni merklich gestiegen. Dies stützt unsere Erwartung, dass das BIP im laufenden Quartal nicht mehr schrumpfen wird. Für die zweite Jahreshälfte 2013 halten wir ein Mini-Wachstum für wahrscheinlich. Trifft unsere Einschätzung zu, dürfte die EZB die Leitzinsen nicht mehr senken. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.
Das EWU-Wirtschaftsvertrauen hat im Juni einen kräftigen Satz nach oben gemacht: Der entsprechende Index stieg um 1,8 auf 91,3 Punkte an. Einen höheren monatlichen Zuwachs hatte es zuletzt vor fast drei Jahren gegeben. Ausgehend von seinem Tief im Oktober 2010 ist der Index zwar nunmehr um 5,9 Punkte gestiegen, im historischen Kontext ist sein Niveau aber noch niedrig.
Maßgeblich für den Indexanstieg war ein deutlicher Anstieg des Verbrauchervertrauens (+3,1 Punkte), das mit 40% den höchsten Anteil am Wirtschaftsvertrauen hat. Aufgehellt haben sich auch die anderen Unterkomponenten (Baugewerbe +1,4, Einzelhandel +2,3, Industrievertrauen +1,8); ihr Gewicht liegt bei je 20%.
Die Klimaaufhellung zeigte sich in nahezu allen EWU-Mitgliedstaaten. Positiv zu werten ist vor allem, dass sich der Aufwärtstrend in Portugal und Spanien fortgesetzt hat; in Griechenland legte er immerhin auf erhöhtem Niveau eine Pause ein. Dies nährt die Hoffnung auf eine bald geringere Intensität bzw. ein Ende der Anpassungsrezessionen in diesen Ländern. Sorgen bereitet das noch niedrige italienische Wirtschaftsvertrauen. An der Erkenntnis starker Stimmungsunterschiede zwischen den Ländern haben die heutigen Zahlen nichts geändert.
Das verbesserte Wirtschaftsvertrauen geht mit zuletzt ebenfalls gestiegenen Einkaufsmanagerindizes einher. Von einem Stimmungsdurchbruch kann mit Blick auf die noch niedrigen Indexniveaus zwar keine Rede sein. Die Entwicklung stützt aber unsere seit langem vertretene Sicht, dass es im Sommerhalbjahr 2013 zu einer BIP-Stabilisierung kommen wird. Wir erwarten daher weiterhin, dass das BIP im laufenden Quartal erstmals seit dem dritten Quartal 2011 nicht mehr schrumpfen wird. Angetrieben von der Industrie ist derzeit sogar ein Miniwachstum möglich. Dieses dürfte dann in der zweiten Jahreshälfte "zum Standard" werden. Unsere BIP-Prognose für 2013 beträgt weiter -0,5%.
Aus Sicht der EZB dürfte das gestiegene Wirtschaftsvertrauen den zinspolitischen Handlungsbedarf senken. Für die Ratssitzung am 4. Juli erwarten wir unveränderte Leitzinsen. Trifft unsere BIP-Prognose zu, dürfte sich die EZB in den Folgemonaten allein auf ihre unkonventionellen Maßnahmen konzentrieren.
- Interview mit Dr. Alexander Krüger:
"Die Einteignung findet bereits statt"
