Deutsches BIP: Kalte Dusche ja, Schwarzmalerei nein
Die deutsche Wirtschaft hat im ersten Quartal 2013 nicht in die Wachstumsspur zurückgefunden: Das BIP nahm lediglich um magere 0,1% zum Vorquartal zu. Für das laufende Quartal erwarten wir, dass sich die konjunkturellen Auftriebskräfte stärker durchsetzen werden. Unsere BIP-Prognose für 2013 haben wir auf 0,3% gesenkt.

In seiner ersten Schätzung für das erste Quartal 2013 hat das Statistische Bundesamt heute einen BIP-Anstieg von 0,1% zum Vorquartal berichtet. Das BIP-Niveau des Vorjahresquartals wurde dabei um 0,3% unterschritten. Hinsichtlich der BIP-Details, die am 24. Mai veröffentlicht werden, gab das Bundesamt bekannt, dass überwiegend der private Verbrauch positiv zum Wachstum beigetragen hat. Bei den Investitionen hat sich der negative Trend der letzten Quartale dagegen fortgesetzt. Ohne Impulse blieb der Außenhandel. Der für das vierte Quartal 2012 berichtete BIP-Rückgang wurde von -0,6% auf -0,7% revidiert.
Anders als ursprünglich von uns erwartet besteht die Wachstumsdelle des vierten Quartals somit nahezu unverändert fort. Das enttäuschende BIP-Ergebnis dürfte von mehreren Faktoren negativ beeinflusst worden sein. Zu nennen sind hier die von der EWU-Staatsschuldenkrise ausgehenden Negativnachrichten (u. a. Italien, Zypern), die kalte Witterung und die verhalten wachsende Weltwirtschaft. Zudem dürfte die aus Unternehmenssicht anhaltende Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft der EWU, die mit dem EZB-Staatsanleihe-Ankaufprogramm offenbar nicht zu beseitigen war, die Erholung der Ausrüstungsinvestitionen verhindert haben.
Für das zweite Quartal erwarten wir, dass sich die konjunkturellen Auftriebskräfte stärker durchsetzen werden. Hierfür sprechen die wohl einsetzenden Nachholeffekte im Bausektor und von den Unternehmen nicht mehr länger aufschiebbare Erhaltungs- und Modernisierungsinvestitionen. Die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und die anhaltenden Niedrigzinsen sorgen zudem für ein günstig bleibendes Wachstumsumfeld, im Zuge dessen sich der private Verbrauch (stabiler Arbeitsmarkt, steigende Einkommen) und der Außenhandel als Wachstumsstützen erweisen dürften.
Die bessere Auftragslage in der Industrie festigt die Aussicht auf eine höhere Wachstumsdynamik bereits. Aufgrund der BIP-Abwärtsrevision für das vierte Quartal 2012 und des schwächer als erwartet ausgefallenen BIP-Wachstums im ersten Quartal senken wir unsere BIP-Prognose für 2013 von 0,9% auf 0,3%. Sie beinhaltet, dass das BIP im weiteren Jahresverlauf mit soliden Raten expandieren wird. Aufgrund der ungelösten EWU-Staatsschuldenkrise überwiegen die konjunkturellen Abwärtsrisiken.
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