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Politik

Peer Steinbrück (SPD) und das leidige Kanzlergehalt

Das alte Jahr geht, Absurditäten in der Politik bleiben. Die jüngste Diskussion des designierten Kanzlerkandiaten Peer Steinbrück (SPD) um eine vermeintlich zu niedrige Kanzler-Gage spricht Bände und wirft vor allem eine Frage auf. Will der Kandidat überhaupt Kanzler werden?

Marlen Albertini

Ausgeprägt diplomatisches Verhalten ist Peer Steinbrücks Stärke wohl nicht. Das hat der designierte Kanzlerkandidat hinlänglich in der Diskussion um Steuersünder bewiesen. Einst wollte er "die siebte Kavallerie in Fort Yuma" in Richtung Schweiz ausreiten lassen. Die Pflege gut nachbarschaftlicher Beziehungen sieht anders aus. Nun schwingt der Sozialdemokrat mit den lockeren Sprüchen zu weitaus Größerem auf. Eigentlich will er Kanzler werden, oder etwa nicht? Bis dato sah es zumindest so aus- Auch Endlos-Diskussionen um hohe Vergütungen zu Vorträgen in Wirtschaft und Politik konnten an den ambitionierten Plänen des Sozialdemokraten bisher nicht rütteln.

Altkanzler kann vom Kanzlergehalt leben

Aktuell kommt ein weiterer Stolperstein ins Rennen. Er hat das Potenzial, Steinbrücks Chancen auf einen Einzug ins Kanzleramt zu kippen. Gut neun Monate vor der Bundestagswahl bringt der Kandidat für das hohe Amt eine vorsorgliche Gehaltsdebatte für Kanzler aufs Trapez. Das ist nicht nur weitgehend undiplomatisch und lässt die Frage nach geeigneten Beratern zu, die sich derzeit wohl gut versteckt halten. Sogar Genossen aus den eigenen Reihen stößt die neue Debatte bitter auf. So kommentierte Alt-Kanzler Gerhard Schröder höchstpersönlich das aktuelle Steinbrücksche Statement mit den Worten, er habe von dem Kanzlergehalt immer leben können. "Und wem die Bezahlung als Politiker zu gering ist, der kann sich ja um einen anderen Beruf bemühen", bringt es der Ex-Kanzler überraschend pragmatisch auf den Punkt.

Steinbrück und der Sparkassendirektor

"Nahezu jeder Sparkassendirektor verdient mehr", beklagt Steinbrück hingegen medienwirksam. Er vergisst allerdings zu erwähnen, dass solches Personal im Versagensfall durchaus haften muss. Für Politiker gibt es derartige Konsequenzen auch in schwerwiegenden Fällen noch immer nicht. Überhaupt kommt Steinbrücks Aussage recht salopp und herablassend daher. Gerade so, als hätten Sparkassendirektoren nicht jede Menge Verantwortung bis hin zu lebensbedrohlichen Risiken im Falle von Überfällen zu tragen. Angesichts der Tatsache, dass aus jedem kleinsten Arbeitstreffen führender Politiker inzwischen zunehmend großspurige Gipfeltreffen mit endlosen Nachtsitzungen werden, die durch die dann präsentierten Ergebnisse kaum zu rechtfertigen sind, könnte ein sinnvolles Zeitmanagement zudem viel Luft aus den Pausbacken nehmen.

Bescheiden im Nobelskiort St. Moritz

Kanzlerin Merkel, die sich bis vorgestern im Nobelskiort St. Moritz beim Skilauf erholte, konnte angesichts Steinbrücks neuer Debatten die Berghänge beruhigt hinuntersausen. Mitbewerber, die solche Diskussionen führen, kicken sich selbst ins Aus. Insofern ist der Wahlkampf im Prinzip schon gelaufen. Doch auch finanziell hängt die Kanzlerin kaum durch. Sie erhält derzeit 16.684 Euro Gehalt plus eine Abgeordnetendiät von 3.969 Euro zuzüglich 4.045 Euro Aufwandsentschädigungen als Kanzlerin. Die Altersversorgung ist üppig, der Ruhm beachtlich und die sich aus der Kanzlerschaft ergebenden späteren Berufschancen sind exorbitant. Auch steigt das Kanzlerinnengehalt zum Januar 2013 um weitere 1,2 Prozent, die Diät wird zusätzlich automatisch aufgestockt.

Während sich Kanzlerin Merkel bescheiden und kommentarlos in die vermeintliche Unterbezahlung fügt, rüttelt Peer Steinbrück weiter kräftig am Gehaltsgehege. Will er mit einer monetären Vergleichsanalyse zu DAX-Vorständen tatsächlich Kanzler werden, um den Menschen und dem Land in Demut zu dienen? Überzeugend wirkt eine solche Bewerbung nicht.

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