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Wirtschaft

Euroraum verharrt in milder Rezession

Das EWU-BIP ist im dritten Quartal 2012 erneut leicht gegenüber dem Vorquartal gesunken. Trotz der belastenden EWU-Staatsschuldenkrise ist ein Wachstumsabsturz bisher aber ausgeblieben. Für das vierte Quartal erwarten wir ein nochmals leichtes Minus und eine allmähliche BIP-Stabilisierung für 2013.

Dr. Alexander Krüger

Milde Rezession - In seiner ersten Schätzung und verglichen mit dem Vorquartal hat Eurostat gestern einen EWU-BIP-Rückgang von 0,1% für das dritte Quartal 2012 gemeldet. Das BIP-Niveau des entsprechenden Vorjahresquartals wurde um 0,6% unterschritten. Die Ergebnisse der BIP-Komponenten werden am 6. Dezember veröffentlicht.

Die vom BIP-Ergebnis ausgehende gute Nachricht ist die, dass die wirtschaftliche Eintrübung seit dem dritten Quartal 2011 mit Blick auf die Schwere der Staatsschuldenkrisen mancher EWU-Länder weiter glimpflich verläuft. Seither bewegen sich die Vorquartalsraten zwischen -0,3% und 0,1%; die Euro-Wirtschaft kämpft also „lediglich“ mit rezessiven Tendenzen. Wahr ist aber auch, dass der letzte markante BIP-Zuwachs vom ersten Quartal 2011 schon eine Weile zurückliegt.

Die Wachstumskluft im Euroraum bleibt auch nach den heutigen BIP-Zahlen groß. Von den fünf größten Volkswirtschaften entwickelten sich Deutschland und Frankreich (je +0,2%) im dritten Quartal halbwegs robust. Dagegen haben Italien (-0,2%) und Spanien (-0,3%) ihre seit einigen Quartalen andauernde Rezession weiter vertieft. Immerhin nahm die Abwärtsgeschwindigkeit in Italien gegenüber den Vorquartalen deutlich ab. Ohne den kräftigen BIP-Rückgang in den Niederlanden (-1,1%) wäre das EWU-BIP im dritten Quartal nicht geschrumpft.

Die konjunkturellen Vorlaufindikatoren für die EWU deuten nicht auf eine baldige Wachstumswende hin. Für das laufende Quartal zeichnet sich ein weiterer leichter BIP-Rückgang ab, da Deutschland und Frankreich vorübergehend stärker in den Krisenstrudel geraten werden. Gleichzeitig dürften sich die mit anhaltend hohen Arbeitslosenquoten einhergehenden Anpassungsrezessionen in anderen Ländern fortsetzen. Unsere BIP-Prognose für 2012 liegt unverändert bei -0,3%.

Für 2013 rechnen wir weiterhin mit einer BIP-Stabilisierung. Aufgrund der vielfach anhaltenden Haushaltsdefizite dürfte die Staatsschuldenkrise zwar intensiv bleiben und die Wirtschaftstätigkeit weiter belasten. Die Bereitschaft der EZB zu Staatsanleihekäufen wird u. E. aber bestehende Sorgen vor einer Systemkrise noch verringern. Dies spricht für eine langsam einsetzende Stimmungsaufhellung im Sommerhalbjahr 2013. Unsere BIP-Prognose für 2013 beträgt 0,4%.

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