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Wirtschaft

Wachstumswende ist weiter nicht in Sicht

Der EWU-Wirtschaftsvertrauensindex hat seine Talfahrt im Oktober fortgesetzt. Eine Wachstumswende ist damit weiter nicht in Sicht. Ursache ist unter anderem die ungelöste Staatsschuldenkrise im Euroraum. Die EZB dürfte daher vorerst weiter einen Leitzinssenkungs-Bias innehaben.

Dr. Alexander Krüger

Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger; Fotorechte: A. Krüger
Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger; Fotorechte: A. Krüger

Das Wirtschaftsvertrauen im Euroraum ist im Oktober um 0,7 auf 84,5 Indexpunkte gesunken. Dies war der achte Rückgang in Folge. Der Index liegt derzeit 13,3 Punkte unter seinem langjährigen Durchschnitt und deutet, ebenso wie die Einkaufsmanagerindizes, auf eine schrumpfende Wirtschaftsleistung hin.

Die Unterkomponenten des Wirtschaftsvertrauens vermitteln ein gemischtes Bild. Das Vertrauen im Einzelhandel und bei den Verbrauchern nahm auf niedrigem Niveau leicht zu (+1,1 bzw. +0,3 Punkte). Dagegen waren das Bauklima (-1,3) sowie das Industrie- und Dienstleistungsvertrauen erneut rückläufig (-2,1 bzw. -0,2). Die Indizes liegen zum Teil weiter nur wenig über ihren 2009er Tiefständen.

Hinsichtlich der Länder-Einzelergebnisse zeigt sich, dass die Klimaeintrübung auf wirtschaftlich bisher solide Staaten weiter übergreift. Dies betrifft vor allem Deutschland (-1,4) und Frankreich (-1,8). Deren Vertrauensniveau notiert nun noch deutlicher unter langjährigen Durchschnitten. Dort ist es aber noch höher als in den kritischen Ländern Griechenland, Italien, Portugal und Spanien.

Die realen Daten haben sich von der schlechten Stimmung zuletzt etwas abgekoppelt. Trotz des noch offenen Ergebnisses für September zeichnet sich beim Einzelhandelsumsatz und bei der Industrieproduktion für das dritte Quartal 2012 ein Vorquartalszuwachs ab (Q2: -0,6% bzw. -0,1%). Dies lässt darauf schließen, dass das Q3-BIP leicht gewachsen ist (1. Schätzung am 15. November). Eine Wachstumswende steht aus unserer Sicht aber weiter aus, da die Haushaltskonsolidierung und die im Zusammenhang mit der EWU-Staatsschuldenkrise stehende Vertrauenskrise als Belastungsfaktoren für die Wirtschaftstätigkeit vorerst erhalten bleiben. Für das vierte Quartal erwarten wir daher einen moderaten BIP-Rückgang. Unsere BIP-Prognosen für 2012/13 liegen weiter bei -0,3% bzw. 0,5%.

Für die EZB geht vom Wirtschaftsvertrauen ein anhaltendes Warnsignal aus. Es zeigt an, dass eine BIP-Stabilisierung aussteht. Da eine Zunahme der Krisenintensität aufgrund der fehlenden finalen Lösung der EWU-Staatsschuldenkrise jederzeit möglich ist, dürfte die EZB die Wachstumsrisiken weiter als „abwärts gerichtet“ ansehen. Dies spricht für eine Beibehaltung ihres Leitzinssenkungs-Bias.

  • Dr. Alexander Krüger ist Chefvolkswirt im Bankhaus Lampe.
  • Interview mit Dr. Alexander Krüger: "Die Einteignung findet bereits statt"
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