EZB gibt Lockerungsneigung auf
Die EZB beabsichtigt seit heute nicht mehr, ihre Wertpapierkäufe im Bedarfsfall auszuweiten. Unseres Erachtens ist dies ein weiterer Schritt auf ihrem 2016 begonnenen Ausstiegsweg. Die EZB dürfte ihre Rhetorik im April weiter anpassen und das Enddatum der Käufe im Juni benennen.

Auf ihrer Ratssitzung hat die EZB ihre Rhetorik heute etwas geändert. Die Notenbank ist nun nicht mehr bereit, den Umfang ihres Wertpapierkaufprogramms künftig gegebenenfalls auszuweiten. EZB-Präsident Mario Draghi bezeichnete dies auf der Pressekonferenz als rückwärtsgerichtete Maßnahme. Mehr als ihre geldpolitische Lockerungsneigung hat die EZB aber nicht aufgegeben: So hielt sie insbesondere daran fest, dass sich die Dauer ihrer Käufe nach dem Erreichen ihres Preisziels richtet. Ein Enddatum für die Wertpapierkäufe benannte sie folglich nicht und betonte, dass umfangreiche geldpolitische Stimuli weiterhin notwendig seien.
Leitzinsausblick vage gefasst
Auch die Forward Guidance bezüglich der Leitzinsen wurde von der EZB beibehalten. Danach geht die Notenbank davon aus, dass die Leitzinsen „für längere Zeit und „weit“ über den Zeithorizont des Kaufprogramms hinaus auf „ihrem aktuellen Niveau“ bleiben werden. Was hinter den Termini „längere“ und „weit“ konkret steht, blieb erneut offen. Damit ist der Leitzinsausblick weiter vage gefasst. Nahezu unverändert blieben die Projektionen: Für das BIP-Wachstum ist die EZB optimistisch gestimmt, für 2018/19/20 wird mit Zuwächsen von 2,4 % (vorher 2,3), 1,9 %, 1,7 % gerechnet. Zudem geht sie davon aus, ihr Preisziel von knapp unter 2,0 % in dieser Zeit zu verfehlen. Ihre Inflationsprojektionen betragen 1,4 %, 1,4 % (1,5) und 1,7 %.
Der leichte rhetorische Schwenk der EZB überrascht nicht. Da die Notenbank 2018 Gefahr läuft, die rechtlich bindende Höchstgrenze von 33 % für erwerbbare Staatstitel eines Landes zu erreichen, ist sie zum Kaufausstieg gezwungen. Diesen hat sie heute weiter vorbereitet. Scharfe Finanzmarktreaktionen dürfte dies nicht hervorrufen, da die Notenbank behutsam vorgeht. Zudem sind die Marktakteure aus unserer Sicht ohnehin mehrheitlich auf absehbar endende Wertpapierkäufe eingestellt.
Weiter Richtung Ausstieg
Der feste Euro und die vorerst niedrig bleibende Inflationsrate spielen der EZB beim Kaufausstieg nicht in die Karten. Mit Blick auf die 33-%-Grenze erwarten wir aber, dass die Forward Guidance auf der nächsten Ratssitzung im April dennoch weiter in Richtung Ausstieg angepasst wird. Im Juni dürfte die Notenbank dann erklären, ihre Käufe ab Oktober nochmals zu senken und Ende Dezember letztmals Wertpapiere zu erwerben. Mit einer Konkretisierung ihres Leitzinsausblicks wird die EZB vorerst wohl weiter zuwarten. Seine Bedeutung dürfte ab der Jahresmitte aber zunehmen.
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