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Wirtschaft

Der nächste Wachstumskracher im Euroraum

Der EWU-Konjunkturaufschwung hat im dritten Quartal 2017 in unverminderter Stärke angehalten. Auch dank des EZB-Zinsdopings hat er alle Mitgliedstaaten erfasst. Trotz der guten Konjunktur dürfte die EZB den Ausstieg aus ihren Wertpapierkäufen aber nicht beschleunigen.

Dr. Alexander Krüger

Auch die zweite Schnellschätzung für das dritte Quartal 2017 hat ergeben, dass der BIP-Zuwachs im Euroraum 0,6 % gegenüber dem Vorquartal betragen hat. Damit liegt die Rate im 13. Folgequartal über der Potenzialrate von reichlich ¼ %. Einmal mehr zeigt sich, dass der Aufschwung auf einer breiten Länderbasis steht. Nicht nur leuchten die bisherigen Wachstumsstars (u. a. GER, NLD, ESP) weiter. Anders als in den Vorjahren sind auch die Nachzügler in Fahrt geblieben. Dies gilt beispielsweise für Frankreich (+0,5 %), das wegen seines hohen Anteils am EWU-BIP besonders ins Auge fällt, sowie für Finnland (+1,1 %) und Portugal (+0,5 %). Auch in Italien hat sich die Wirtschaftsaktivität verstärkt (+0,5 %), und das griechische BIP scheint immerhin etwas zu wachsen. Das BIP-Niveau beider Länder ist aber noch (sehr) tief.

Zinsdoping hält Weltwirtschaft auf Trab

Alles in allem profitieren die Länder davon, dass die EZB die Finanzierungsbedingungen mit ihrem Zinsdoping niedrig hält und die Weltwirtschaft auf Trab ist. Daran dürfte sich vorerst nichts ändern. Die Unterauslastung am Arbeitsmarkt wird sich daher aus unserer Sicht weiter verringern und das BIP-Wachstum 2018 zusammen mit dem investitionsseitig bestehenden Nachholbedarf weiter befeuern. Mit einem sichtbarer abnehmenden BIP-Zuwachs rechnen wir für das Winterhalbjahr nicht mehr. Da das BIP-Wachstum im abgelaufenen Quartal zudem etwas besser als erwartet ausgefallen ist, dürfte der 2017er-BIP-Anstieg 2,3 % betragen.

Der kräftige BIP-Anstieg darf nicht zu politischer Selbstzufriedenheit führen: Die Staatsschuldenkrise ist nicht gelöst, sie wird durch das manipulierte tiefe Zinsniveau und das hohe nominale BIP-Wachstum lediglich in Schach gehalten. Diese Gemengelage kann aber kaum noch besser werden bzw. ewig währen. Umso dringlicher ist es, die wirtschaftliche Fitness der Länder mit Reformen zu steigern und Vorbereitungen für den demografischen Wandel zu treffen. Dieses Feld ist bisher nicht bestellt. Ohne eine gemeinsame Linie, die auch den Umgang mit der Zuwanderung regelt, schafft eine EWU-Vertiefung in anderen Bereichen wohl lediglich neue Bürokratie.

Schuldenkrise nach wie vor ungelöst

Durch das BIP-Ergebnis wird sich die EZB in ihrem „wachsenden Vertrauen“ wohl bestätigt sehen, dass sich die Inflationsrate von aktuell 1,4 % allmählich dem Preisziel von knapp unter 2 % nähern wird. Einen beschleunigten Ausstieg aus dem Kaufprogramm erwarten wir durch den Konjunkturaufschwung aber nicht. Dagegen spricht die ungelöste Staatsschuldenkrise. Vielmehr dürfte die EZB ihre Wertpapierkäufe ab Januar wie angekündigt senken und im Dezember 2018 beenden.

  • Verweis: Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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