Euro-Stärke sorgt für mutlose EZB
Signale, die auf eine baldige Drosselung der monatlichen Wertpapierkäufe hindeuten, hat der EZB-Rat aktuell wider Erwarten nicht gegeben. Unsicher ist, ob dies auf der Ratssitzung im Oktober nachgeholt wird. Es entsteht der Eindruck, als werde die Liquiditätsflut nach 2018 anhalten. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Eine Grundsatzentscheidung des EZB-Rats über die künftige geldpolitische Ausrichtung ist heute ausgeblieben. Auf Basis seiner wenig veränderten jahresdurchschnittlichen Projektionen, die weiter ein kräftiges BIP-Wachstum (2017: 2,2 %, vorher 1,9 %; 2018: 1,8 %; 2019: 1,7 %) und eine unter dem 2-%-Preisziel verharrende Inflationsrate (2017: 1,5 %; 2018: 1,2 %, vorher 1,3 %; 2019: 1,5 %, vorher 1,6 %) beinhalten, gibt es keine Signale, dass die Wertpapierkäufe bald zurückgefahren werden.
Feste Notierung ausschlaggebend
Die unveränderte Forward Guidance der EZB unterstreicht dies: Die Notenbank beabsichtigt, monatlich weiter Wertpapiere von 60 Mrd. € bis Dezember 2017 oder länger zu erwerben. Ihr Ziel bleibt eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung im Einklang mit dem „2-%“-Preisziel. Die EZB hält ebenso daran fest, das Kaufprogramm im Bedarfsfall auszuweiten. Die Leitzinsen sollen nach wie vor auch deutlich nach dem Wertpapierkaufende auf dem aktuellen Niveau verharren.
Ausschlaggebend für das EZB-Vorgehen dürfte die feste Notierung des Euro sein. Auf der Pressekonferenz erklärte Draghi, dass Wechselkursschwankungen die Quelle für Unsicherheit sind. Die EZB beabsichtige, diese mit Blick auf die Preisstabilität zu beobachten. Laut Draghi ist die Entwicklung des Euro für die niedrigere Inflationsprojektion für 2018 maßgeblich, der Euro wird nun auch als Konjunkturrisiko gesehen. Draghi erklärte zudem, der Rat habe über eine Anpassung des Wertpapierkaufprogramms (Dauer, Umfang) diskutiert, steht diesbezüglich aber am Anfang. Über die Knappheit bei Staatsanleihen sei nicht gesprochen worden, so der EZB-Chef. Es sei ein Komitee beauftragt worden, Ausstiegsoptionen zu erarbeiten. Sollte der Zeitpunkt kommen, sei die EZB in der Lage, die Flexibilität des Programms auszunutzen.
Kauft EZB künftig Aktien und Bankanleihen?
Aus unserer Sicht ist klar, dass der Euro die EZB verängstigt hat. Er vergrößert ihr Dilemma, die Wertpapierkäufe wegen der etwa Mitte 2018 erreichten 33-%-Grenze trotz deutlich verfehltem „2-%“-Preisziel zu beenden. Angesichts der Markterwartung vor der Ratssitzung dürfte die EZB nun aber für Verunsicherung gesorgt haben. Wir erwarten zwar, dass sie die Zukunft der Wertpapierkäufe im Oktober klären und ab Januar weniger Staatsanleihen kaufen wird. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist heute aber gesunken. Mit der von der EZB angedeuteten Möglichkeit von Umschichtungen im Kaufprogramm könnten die Käufe länger anhalten. Oder hält die Liquiditätsflut unvermindert an, indem die EZB künftig Aktien und Bankanleihen kauft?
Die Enteignung findet bereits statt
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