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Wirtschaft

EZB weiter ohne Ausstiegsambition

Von der aktuell zurückliegenden EZB-Ratssitzung gehen wichtige Signale aus: 1. Sinkende Leitzinsen bleiben möglich, 2. die Wertpapierkäufe werden wie geplant ab April gesenkt, 3. Wachstums- und Inflationsprojektionen wurden erhöht. Rhetorik und Kurs der EZB dürften sich demnächst kaum ändern. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Dr. Alexander Krüger

Die Kerninfaltionsrate verharrt weiterhin auf niedrigem Niveu (Foto: ECB European Central Bank)

Die EZB ist trotz der im Februar auf 2 % gestiegenen Inflationsrate auf ihrer Ratssitzung heute ruhig geblieben. Zentrale Passagen ihres Statements sind im Vergleich zu Januar unverändert geblieben und die Forward Guidance beibehalten worden. Danach wird weiter in Aussicht gestellt, dass die Leitzinsen „weit“ über das Ende der Wertpapierkäufe „auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden“.

Das bedeutet, dass sie auch noch sinken können. Die EZB hielt zudem daran fest, das monatliche Wertpapierkaufvolumen von 80 auf 60 Mrd. € zu senken. Hinsichtlich der Kaufdauer zielt sie weiter auf Dezember 2017 ab. Ist eine „nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung“ nicht zu erkennen, können sie fortgesetzt werden. Darüber hinaus hat die EZB ihr recht optimistisches Wachstumsbild beibehalten. Für das reale BIP erwartet sie für 2017/18 Zuwächse von 1,8 % und 1,7 %, nach 1,7 %/1,6 % zuvor. Für 2019 liegt die Projektion weiter bei 1,6 %. Aus EZB-Sicht bestehen weiter Abwärtsrisiken. Ihre Inflationsprojektion hat die EZB angehoben.

Für 2017/18 erwartet die Notenbank einen Anstieg um 1,7 % bzw. 1,6 % (vorher: 1,3 %, 1,5 %), für 2019 unverändert einen von 1,7 %. EZB-Präsident Mario Draghi erklärte auf der Pressekonferenz, dass die Kerninflationsrate vorerst niedrig bleiben werde. Die höhere Inflationsprojektion der EZB ist unseres Erachtens nachvollziehbar, geht sie doch auf die zuletzt stärker als erwartet ausgefallenen Basiseffekte vom Rohölpreis zurück. Dass die Notenbank ihre Wertpapierkäufe deshalb schon 2017 nochmals senkt, erwarten wir aber weiterhin nicht. Die EZB wird vielmehr noch abwarten und erst später urteilen, ob die Inflationsentwicklung nachhaltig korrigiert hat. Dies dürfte sie erst auf der Ratssitzung im September feststellen, da wir erwarten, dass die Inflationsrate bereits im März sinken und im weiteren Jahresverlauf um 1,5 % liegen wird.

EZB verfällt nicht in Hektik

Das 2-%-Preisziel wäre im September zwar weiter nicht erreicht, eine Korrektur der Inflationsrate ausgehend von 0 % im Frühjahr 2016 wäre unseres Erachtens aber erfolgt. Den aktuellen Inflationsverlauf sehen wir daher als frühen Hinweis auf eine weitere Kaufreduktion im Januar 2018 an. In Hektik dürfte die EZB jedenfalls nicht verfallen: Die wohl niedrig bleibende Kerninflationsrate erlaubt, eine eventuell überschießende Gesamtinflationsrate zu tolerieren. Alles in allem wird die EZB ihre Wertpapierkäufe aber wohl vor allem deshalb senken, um einen Bruch der 33-%-Grenze für maximal erwerbbare Staatstitel eines Landes zu vermeiden.

  • Verweis: Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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