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Wirtschaft

Höhere Inflationsrate beunruhigt EZB nicht

Die EZB hat wichtige Weichen im Dezember gestellt, sie befand sich heute nicht in Zugzwang. Hinsichtlich der zuletzt stark gestiegenen Inflationsrate überwog Gelassenheit statt Hektik. Wir erwarten, dass der Leitzins und die angekündigten Kaufvolumina 2017 nicht mehr geändert werden. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Dr. Alexander Krüger

EZB
Die EZB signalisiert mit ihren aktuellen Entscheidungen Gelassenheit statt Hektik.
(Foto: ECB European Central Bank)

 
Auf seiner heutigen Sitzung hat der EZB-Rat die geldpolitischen Entscheidungen von Dezember bestätigt. Die Ratsmitglieder beabsichtigen weiterhin, ihre monatlichen Wertpapierkäufe ab April von 80 auf 60 Mrd. € zu senken und diese bis Dezember beizubehalten. Sofern eine „nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung“ bis Ende 2017 nicht erkennbar wird, sind weitergehende Wertpapierkäufe möglich. Der EZB-Rat geht unverändert davon aus, dass die Leitzinsen „weit“ über das Ende der Wertpapierkäufe „auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden“.

Inflationsausblick höher als erwartet

Auf der Pressekonferenz konstatierte EZB-Präsident Mario Draghi, dass der Inflationsausblick in der ersten Jahreshälfte 2017 voraussichtlich höher als von der EZB bislang erwartet ausfallen werde. Anzeichen für einen überzeugenden Aufwärtstrend bei der Kerninflationsrate seien gleichwohl nicht zu erkennen. Der Übergang zu einem Tapering ist im Rat zudem (erneut) nicht diskutiert worden, so Draghi. Die Verlautbarungen der EZB überraschen nicht. Im Dezember hatte sie wichtige Weichen gestellt, sie befand sich heute daher nicht in Zugzwang. Hieran wird sich wohl mindestens bis zum Sommer wenig ändern. Auf Basis der dann vorliegenden Daten dürfte sie neu überdenken, wie sie mit den Wertpapierkäufen weiter umgeht.

Reduktion der Wertpapierkäufe in 2018

Wir erwarten, dass die geldpolitischen Weichen 2017 nicht mehr verändert werden. Das bedeutet: Das aktuelle Leitzinsniveau und die angekündigten Kaufvolumina werden beibehalten. Im September dürfte die EZB dann ankündigen, dass sie Anfang 2018 eine weitere Reduktion der monatlichen Wertpapierkäufe um 20 Mrd. € vornehmen wird. Als Treiber hierfür sehen wir jedoch nicht die Inflationsrate an, die in unserer Prognose im zweiten Halbjahr auf 1,5 % klettern und dort nahezu verharren wird. Sie dürfte nur als Vorwand benutzt werden, um die nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung festzustellen. Tatsächlich vermeidet die Notenbank mit einer Kaufreduzierung Engpässe am Staatsanleihemarkt und eine Konfrontation mit der bei 33 % liegenden Grenze für maximal erwerbbare Staatstitel eines Landes.

Auf dem Weg zur geldpolitischen Normalisierung befindet sich die EZB also nicht. Da die EWU-Staatsschuldenkrise nicht gelöst ist und der Bedarf an niedrigen Refinanzierungszinsen (und finanzieller Repression) deshalb auch nach 2018 bestehen bleiben dürfte, werden Käufer für EWU-Staatsanleihen auch dann noch gebraucht.

  • Verweis: Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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