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Wirtschaft

EWU-BIP: Für den Moment ist Vieles gut

Eurostat hat aktuell den kräftigen Anstieg des EWU-BIP Anfang 2016 bestätigt. Aufgrund positiver Sondereffekte resultiert daraus aber nicht mehr Konjunkturzuversicht. Die EZB dürfte daher noch mehr Gas geben. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Dr. Alexander Krüger

Eurostat hat heute die zweite Schnellschätzung für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Euroraum im ersten Quartal 2016 veröffentlicht. Die Erstschätzung von +0,6% gegenüber dem Vorquartal wurde auf +0,5% revidiert. Da dies durch Zahlenrundungen erfolgt ist, ergibt sich daraus konjunkturell nichts Neues.

Guter Start der Wirtschaft in das Jahr 2016

Es bleibt dabei: Die Wirtschaft ist gut ins Jahr 2016 gestartet. Dies spiegeln auch die Ländereinzelwerte wider. Bei den großen Ländern nahm die Wirtschaftsleistung in Spanien erneut besonders kräftig zu (+0,8%). Hohe Zuwächse lieferten auch Deutschland (+0,7%), Frankreich und die Niederlande (je +0,5%). In Österreich betrug der BIP-Anstieg 0,6% und in Italien immerhin noch 0,3%. Licht und Schatten gab es bei einigen Sorgenkindern: Positiv war die Entwicklung in Zypern (+0,9%) und Finnland (+0,4%), enttäuschend in Portugal (+0,1%) und Griechenland (-0,4%).

Das BIP-Wachstum im ersten Quartal hat unsere Erwartungen leicht übertroffen. Neuen Konjunkturoptimismus leiten wir daraus aber nicht ab. Von den konjunkturellen Frühindikatoren geht zwar weiter ein Wachstumssignal aus. Zur Wachstumswahrheit gehört jedoch auch, dass die Wirtschaftsleistung stark von positiven Sondereffekten (milde Witterung, Osterferien früher als 2015) profitiert hat. Diese Impulse entfallen im laufenden Quartal, die Wachstumsrate dürfte daher merklich zurückfallen. Gleichwohl: Die Wachstumsernte für 2016 ist durch das erste Quartal größtenteils bereits eingefahren. Aufgrund der guten Entwicklung in Spanien heben wir unsere 2016er BIP-Prognose für den Euroraum von 1,3% auf 1,4% an. Der Euroraum hat sein BIP-Niveau von 2008 wieder erreicht. Zu verdanken ist dies den Schwergewichten Deutschland und Frankreich, die ihr damaliges Niveau klar übertreffen, aber auch Österreich, Belgien und Irland. Dagegen wird der Aufholprozess u. a. in Italien, Spanien, Finnland und Portugal mitunter noch lange anhalten.

Geldpolitischer Handlungsdruck für mehr Wachstum

Für 2016 erwartet auch die EZB einen BIP-Anstieg von 1,4%. Stürzt der Himmel nicht ein, kann diesbezüglich zwar nicht mehr viel schief gehen. In der Vergangenheit hatte sich die EZB mit ähnlich hohen Raten aber unzufrieden gezeigt. Wachstumsseitig dürfte sie daher noch geldpolitischen Handlungsdruck verspüren. Für 2016 erwarten wir daher unverändert eine Leitzinssenkung und eine Verlängerung der bisher von der EZB bis März 2017 datierten Wertpapierkäufe. Die massive geldpolitische Unterstützung wird also anhalten. Dies riskiert weitere Verkrustungen in der Wirtschaftsstruktur, die wiederum neuen Lockerungsdruck für die EZB bedeuten.

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