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Wirtschaft

EZB spricht nicht über Helikoptergeld

Die EZB hat heute wenig Neues mitgeteilt. In Abhängigkeit von der Inflationsentwicklung hält sie sich für weitere expansive Maßnahmen vielmehr alle Türen offen. Über das Helikoptergeld hat die EZB nicht gesprochen. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Dr. Alexander Krüger

Der EZB-Rat hat seine geldpolitische Ausrichtung heute beibehalten. Nach der Vielzahl der im März beschlossenen Maßnahmen (Leitzinssenkung, höhere und erweiterte Wertpapierkäufe, neue Tender)‎ überraschte dies ebenso wenig wie die unveränderte Beurteilung des fundamentalen Umfeldes. Die EZB konzentriere sich auf die Umsetzung der Maßnahmen, so ihr Präsident Draghi auf der Pressekonferenz. In deren Anschluss wurden die Details für die Unternehmensanleihekäufe mitgeteilt.

In bester Basta-Manier

Mit Blick auf eine höhere Wachstums- und Inflationsrate hatte Draghi das Helikoptergeld auf der Pressekonferenz im März als ein „interessantes Konzept"‎ bezeichnet. In bester Basta-Manier gab er sich auf diesbezügliche Fragen von Journalisten heute betont gelassen. Im Rat sei darüber nicht diskutiert worden, so Draghi. Wir interpretieren dies als vorläufige, nicht aber als generelle Absage an das Helikoptergeld. Sollten die Wachstums- und Inflationserwartungen der EZB merklich enttäuscht werden, kann das Thema, wie andere auch, auf die Agenda rücken.
Sorgen bezüglich einer Verknappung beim Staatsanleiheangebot und des Einbezugs von Aktien in das Wertpapierkaufprogramm wiegelte Draghi ab. Die aktuelle Datenlage stützt ihn. Für den Fall einer Datenverschlechterung steht die Tür hierfür u. E. aber offen. Der Forward Guidance zufolge ist dies auch für tiefere Leitzinsen so.

Vermutlich weitere Leitzinssenkung im Herbst

Wir sind weiter der Ansicht, dass die EZB die Leitzinsen im Herbst noch einmal senken wird. In unserer Prognose steigt die Inflationsrate bis dahin zwar. Allerdings dürfte sie im Herbst kaum über 0,5% hinausgehen. Da die Rate dann aber bereits zwei Jahre bei bzw. knapp über null gelegen hätte (deutlich unter dem Preisstabilitätsziel von nahe, aber knapp unter 2%), dürfte die EZB bestrebt sein, ihren Anstieg zu festigen bzw. zu beschleunigen. Dies wäre auch ihrem aus unserer Sicht ebenfalls bestehenden Ziel, der Sicherung der Tragfähigkeit der (Staats-)Schulden, zuträglich.

Stand heute endet das Kaufprogramm im März 2017. Unabhängig davon, ob sich unsere Erwartung einer vollumfänglichen Verlängerung erfüllt: Mit einem abrupten Ende rechnen wir nicht. So oder so dürfte die EZB ihr Kaufvolumen nur sehr behutsam reduzieren, um Überreaktionen der Finanzmärkte zu verhindern. Denn die Abhängigkeit von Staatshaushalten und Wirtschaft vom billigen Geld ist hoch. Meint es die EZB mit März 2017 aber ernst, müsste sie 2016 eine Exit-Idee lancieren.

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