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Wirtschaft

EZB bereitet Showdown für März vor

Die EZB hat aktuell die Rhetorik verschärft: Die Rede ist von zu Jahresbeginn gestiegenen wirtschaftlichen Abwärtsrisiken, Volatilität bei Rohstoffpreisen und geopolitischen Risiken. In der Folge werde der Inflationsdruck wohl schwächer ausfallen als erwartet. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Dr. Alexander Krüger

Die EZB hat heute durchblicken lassen, dass der Inflationsdruck wohl geringer ausfallen wird als erwartet. Wir erwarten, dass sie ihre Inflationsprojektion für 2016 im März senken und ihren Expansionsgrad erhöhen wird. Die EZB hat das Heft des Handelns auf ihrer Ratssitzung heute nicht fester in die Hand genommen: ‎Trotz der seit November hartnäckig knapp über null verharrenden Inflationsrate und der auf niedrigem Niveau gesunkenen Inflationserwartungen hielt sie ihren bisherigen geldpolitischen Expansionsgrad aufrecht. Die Befürworter neuer expansiver Maßnahmen, zu denen erneut EZB-Präsident Draghi und EZB-Chefvolkswirt Praet gehört haben dürften, sind letztlich aber wohl nicht weniger geworden.

Rhetorik hat sich verschärft

In seiner Pressemitteilung erklärte der EZB-Rat, dass er die im Dezember beschlossenen Maßnahmen für angemessen hält. Seine Rhetorik hat er dennoch verschärft: Die Rede ist von zu Jahresbeginn gestiegenen wirtschaftlichen Abwärtsrisiken, Volatilität bei Rohstoffpreisen und geopolitischen Risiken. In der Folge werde der Inflationsdruck wohl schwächer ausfallen als erwartet. Anders als sonst üblich betonte die EZB, die Ausrichtung der Geldpolitik auf der Ratssitzung im März vor dem Hintergrund der dann (erstmals auch für 2018) anstehenden vierteljährlichen Projektionen zu überprüfen. Dies unterstreicht aus unserer Sicht ihre Handlungsbereitschaft.

So geht es weiter

Wie geht es weiter? Wir erwarten, dass die EZB ihre Inflationsprojektion von 1% für 2016‎ im März aufgrund des seit Dezember gesunkenen Rohölpreises um mindestens drei Zehntelprozentpunkte senken wird. Mit dem bis März zudem vorliegenden BIP-Ergebnis für das vierte Quartal 2015 dürfte sie erkennen, dass ihre Wachstumsprojektion von 1,7% für 2016 zu optimistisch ist. Das trübere fundamentale Umfeld wird den geldpolitischen Wohlfühl-Faktor der EZB daher wohl weiter senken. Hierauf hat sie bisher mit einem höheren geldpolitischen Expansionsgrad reagiert.

Psychologische Effekte im Vordergrund

Hält die EZB dieses Reaktionsmuster aufrecht, wovon wir ausgehen, dürfte sie eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik im März, spätestens aber im Laufe des zweiten Quartals beschließen. Der Umstand, dass mit Bundesbank-Präsident Weidmann im März ein großer Kritiker der Wertpapierkäufe nicht stimmberechtigt ist, spielt der Ratsmehrheit hier in die Karten. Für wahrscheinlich halten wir die Aufstockung der monatlichen Wertpapierkäufe um 10 Mrd. € und eine Senkung des Einlagesatzes um 10 Basispunkte.‎ Über den Status des kosmetischen Charakters dürften diese Maßnahmen aber nicht hinausgehen: Denn die Grenze, an der Geldpolitik substanziell noch etwas bewirken kann, ist unseres Erachtens erreicht; zudem hat die EZB auf die rohölpreisbedingt niedrige Inflationsrate keinen Einfluss. Damit stünden wohl eher die psychologischen Effekte einer weiteren Lockerung im Vordergrund.

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