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Wirtschaft

EZB bringt sich bereits neu in Stellung

Die EZB hat ihre Wachstums- und Inflationsprojektionen heute deutlich gesenkt. Zusammen mit ihrer geänderten Rhetorik deutet sie damit an, dass sie ihr Wertpapier-Kaufprogramm wohl noch ausweiten wird. Dies stützt unsere diesbezüglich für 2016 bestehende Prognose. Daneben steht perspektivisch auch eine Senkung des Einlagesatzes auf der Agenda. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Dr. Alexander Krüger

Auf ihrer Ratssitzung hat die EZB die Leitzinsen heute unverändert beibehalten. Den Rahmen für ihr laufendes Wertpapier-Kaufprogramm änderte die Notenbank dahingehend, dass sie nunmehr 33% statt 25% einer Anleihe-Emission erwerben kann. An der vollständigen Umsetzung des Kaufprogramms hielt die EZB fest.

Inflationsausblick mit Abwärtsrisiken

Ihre Projektionen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und die Inflationsentwicklung hat die EZB merklich angepasst. Als Begründung nannte sie, dass bestehende Risiken eingetreten sind. Ihre BIP-Projektionen fallen nun niedriger aus: Für 2015 1,4% statt 1,5%, für 2016 1,7% statt 1,9% und für 2017 1,8% statt 2,0%. Die Notenbank rechnet zwar damit, dass die Konjunkturerholung anhalten, die Wachstumsdynamik aufgrund der Schwäche der Schwellenländer aber niedriger als bisher erwartet ausfallen wird. Überdies sieht sie Abwärtsrisiken. Auch die Inflationsprojektionen wurden gesenkt: Für 2015 von 0,3% auf 0,1%, für 2016 von 1,5% auf 1,1% und für 2017 von 1,8% auf 1,7%. Ausschlaggebend hierfür ist der Rohölpreis. Erstmals seit langem ist der Inflationsausblick mit Abwärtsrisiken versehen.

Mit der heutigen Ratssitzung hat sich die EZB stärker in Richtung eines höheren geldpolitischen Expansionsgrades bewegt. In dieser Hinsicht lässt vor allem der Inflationsausblick aufhorchen: Einen Anstieg der Inflationsrate auf das Preisziel von knapp unter 2% erwartet die EZB nunmehr noch weniger als vorher. Der Hinweis von EZB-Präsident Draghi auf der Pressekonferenz, dass es keine Grenzen bei den Möglichkeiten der Geldpolitik gäbe, unterstreicht zudem, dass die Notenbank offenbar bereit ist, mehr als bisher zu tun. Die Anhebung der Grenze für das Kaufvolumen einer Anleihe-Emission beugt einem Materialengpass schon jetzt vor.

Neue Wertpapierkäufe und Senkung des Einlagesatzes

Durch die Aussagen der EZB fühlen wir uns in unserer Erwartung bestätigt, dass die EZB ihr QE-Programm noch ausweiten wird. Denn eine nennenswerte Durchschlagskraft haben die bisherigen Maßnahmen nicht entwickelt. Die Kreditvergabe ist zwar angesprungen, dies war allerdings auch schon vor Kaufbeginn der Fall. Vor allem aber ist aus unserer Sicht die BIP-Projektion der EZB für 2016 noch immer zu optimistisch. Bei der EZB dürfte daher in den nächsten Monaten die Überzeugung wachsen, nicht genug zu tun. Perspektivisch (nicht unmittelbar) liegen damit neue Wertpapierkäufe und eine Senkung des Einlagesatzes auf dem Tisch.

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