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Wirtschaft

EWU-BIP wächst weiter ohne Mumm

Mit 0,3% ggü. dem Vorquartal hat das BIP-Wachstum im zweiten Quartal 2015 etwas unter dem im ersten gelegen. Dies zeigt, dass es Grenzen beim Wachstumstempo gibt. Der überwiegend konsumgetriebene Aufschwung wird sich aus unserer Sicht zwar fortsetzen. Die verhalten wachsende Weltwirtschaft dürfte Exporte und Investitionen aber dämpfen. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Dr. Alexander Krüger

Die EWU-Konjunkturerholung hat im neunten Quartal in Folge angehalten: Eurostat gab heute einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,3% zum Vorquartal bekannt. Damit lag das Wachstumstempo etwas unter dem des Winterhalbjahres. Das Wachstum der Jahre 2012-14 ist zum Teil deutlich nach unten revidiert worden. Der Aufschwung hat in fast allen Mitgliedstaaten angehalten.

BIP-Wachstum in Spanien sehr dynamisch

Von den fünf größten Ländern fiel das BIP-Wachstum vor allem in Spanien abermals sehr dynamisch aus (+1,0%). Einen robusten Zuwachs wies zudem Deutschland (+0,4%) aus. Verhalten nahm die Wirtschaftsleistung in Italien (+0,2%) und den Niederlanden (+0,1%) zu. In Frankreich stagnierte die Wirtschaftsleistung; nach dem kräftigen Anstieg im ersten Quartal (+0,7%) dürfte dies aber ein normaler Reflex gewesen sein. Erneut gestiegen ist das BIP in Portugal (+0,4%), die Rezession in Finnland hielt an (-0,4%).

Das BIP-Wachstum ist in Spanien höher ausgefallen als erwartet. Unsere 2015er Wachstumsprognose für das Land heben wir daher von 2,4% auf 2,9% an. Unsere BIP-Prognose von 1,2% für 2015 ändert sich dadurch nicht. Verglichen mit dem Jahr 2008 ist das BIP-Niveau noch immer niedrig und die Wachstumskluft zwischen den Ländern groß. Hinzu kommt, dass das BIP-Wachstum durch die Geldpolitik und Sondereffekte (Rohölpreisrückgang, Euro-Abschwächung) nach oben verzerrt ist.

Konjunkturerholung teilweise eine Scheinblüte

Eine nennenswerte, über den Wechselkurs hinausgehende Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit hat jedenfalls nicht stattgefunden. Daher entspricht die Konjunkturerholung teilweise einer Scheinblüte. Sinnbild hierfür ist der Wachstumsstar Spanien: Dort treiben der private Verbrauch und die Exporte das BIP-Wachstum an, investiert wird aber kaum. Mit rund 30% (!) liegen die spanischen Anlageinvestitionen noch deutlich unter dem Niveau von 2008. In anderen Ländern sieht es besser, aber meist eben auch nicht gut aus.

Ein Ende der Investitionszurückhaltung ist nicht in Sicht. Die zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten für China stützen unser Szenario einer nur verhalten wachsenden Weltwirtschaft. Zudem wird die Grexit-Gefahr u. E. anhalten und für Verunsicherung sorgen. Die geopolitischen Risiken und die steigende Verschuldung belasten die Wirtschaftstätigkeit überdies. Der jüngste Rückgang des Rohölpreises kommt daher gerade rechtzeitig, um das Wachstum konsumseitig nach unten abzusichern.

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