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Wirtschaft

Aufschwung in Deutschland weiter intakt

Das deutsche BIP ist im zweiten Quartal 2015 mit 0,4% ggü. dem Vorquartal wie erwartet etwas stärker gewachsen als zu Jahresbeginn. Statistische Revisionen erhöhen unsere BIP-Prognose für 2015 auf 1,7%. Die verhalten wachsende Weltwirtschaft spricht gegen eine höhere Dynamik. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Dr. Alexander Krüger

Privatenund öffentlicher Verbrauch sowie der Außenhandel führen  zu mehr Wachstum (Foto: ohotodune.net)
Privatenund öffentlicher Verbrauch sowie der Außenhandel führen zu mehr Wachstum
(Foto: ohotodune.net)

Wachstum zuletzt, Wachstum auch jetzt: Wie das Statistische Bundesamt bekannt gab, hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland im zweiten Quartal 2015 um 0,4% gegenüber dem Vorquartal zugenommen (Q1: 0,3%). Mit Blick auf die Presseerklärung des Bundesamtes ist hierfür maßgeblich gewesen, dass, neben positiven Impulsen vom privaten und öffentlichen Verbrauch, der Außenhandel merklich zum Wachstum beigetragen hat. Dämpfende Effekte gingen von den Investitionen aus (vor allem Bauten). Die BIP-Details liegen am 25. August vor.

Erhöhung der BIP-Prognose für 2015

Der BIP-Anstieg im zweiten Quartal 2015 entspricht zwar unserer Prognose. Die Statistiker haben die BIP-Ergebnisse der letzten vier Jahre aber (spürbar) revidiert. Bei unveränderten Erwartungen an den BIP-Verlauf im zweiten Halbjahr erhöht sich dadurch unsere nicht-kalenderbereinigte BIP-Prognose für 2015 von 1,6% auf 1,7%.
Alles in allem hält unsere eher defensive Prognosehaltung dennoch an. Wesentlicher Grund hierfür ist unsere Sicht auf die Weltwirtschaft. Wir waren und sind seit langem davon überzeugt, dass diese aufgrund unzureichender Strukturreformen und der auf hohem Niveau weiter steigenden Gesamtverschuldung (private Haushalte, Unternehmen, Staat) nur verhalten wachsen wird.

Konsumboom wird sich abnutzen

Belege hierfür hat es in diesem Jahr vor allem seitens der wirtschaftlichen Schwergewichte gegeben: Die USA sind von einem Wachstum über 3,0% weit entfernt (BHL: 2,2%, vormals 2,5%), und die zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten für China stützen unsere seit langem bestehende BIP-Prognose von 6,8%. Auch angesichts der schwelenden geopolitischen Krisen wird sich der Export daher unseres Erachtens künftig eher schwer tun – Euro-Abschwächung hin oder her. Dies wiederum dürfte die Investitionstätigkeit dämpfen: Dass die Ausrüstungsinvestitionen mit rund 8% derzeit noch weit unter ihrem Niveau von 2008 liegen, senkt die Strahlkraft des Aufschwungs.

Zwei Bemerkungen zum Schluss: 1. Die Yuan-Abwertung zeigt, dass die chinesische Regierung schwache Konjunkturdaten auf Dauer nicht hinnimmt. Sie kann künftig auch fiskalpolitisch gegensteuern. Wir rechnen daher weiter mit einer weichen Landung der Wirtschaft. Die Furcht von Unternehmern vor einer harten Landung dürfte vorerst aber anhalten; dies spricht für demnächst fallende ifo-Geschäftserwartungen. 2. Die Abhängigkeit des BIP-Wachstums vom durch Glücksfälle getriebenen Konsum (Rohölpreisrückgang, Niedrigzins) ist hoch. Da der Grenznutzen der Zusatzmittel aber abnehmen dürfte, wird sich der Konsumboom wohl abnutzen.

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