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Politik

EINSPRUCH: Eine Flüchtlingspolitik zum Weinen

Die Deutschen sind relativ kollektiv gegen die Aufnahme von Flüchtlingen – ganz gleich, woher sie kommen und welche politischen oder humanitären Gründe dahinterstecken. Politiker schüren diese Mentalität mit einer Flüchtlingspolitik, die nicht nur ablehnend und technokratisch sondern gleichsam auch menschen-unwürdig praktiziert wird. Ein Kommentar von Marlen Albertini.

Marlen Albertini

 Dem Tod gerade entkommen, doch es wartet bereits die Abschiebung (Foto: Screenshot YouTube.com)
Dem Tod gerade entkommen, doch es wartet bereits die Abschiebung
(Foto: Screenshot YouTube.com)

Eine Flüchtlingspolitik zum Weinen hat sich ihren Weg gebahnt und erschreckend wenige praktizieren Einspruch. Befehlsempfänger in deutschen Amtsstuben haben das Mitdenken ebenso eingestellt, wie unverzichtbar erforderliches Mitgefühl. Eingehüllt in den Mantel der Privilegien im Öffentlichen Dienst sind sie zu Durchsetzungskraft, Stellung- und Anteilnahme sowie Eigenverantwortlichkeit wohl nicht (mehr) befähigt. Sie werkeln lieber akribisch an unmenschlichen Abschiebungsplänen herum und reservieren Plätze in `Never Come Back Airlines`, um pflichtgetreu den Anweisungen von ganz oben gerecht zu werden und den eigenen Status zu schützen.

"Ganz oben" praktiziert eine Abschottungspolitik

"Ganz oben" sitzt in der Weihnachtszeit gerne in den ersten Reihen der Kirchenbänke. Mit Tränen der Rührung in den Augenwinkeln wird Mitmenschlichkeit, christliche Gesinnung und Anteilnahme medienwirksam präsentiert. "Macht hoch die Tür, die Tor' macht weit", erklingt es hoffnungsfroh aus den Politiker-Mündern. Nächstenliebe in reinster Theorie. Praktisch und im wahren Leben machen die gleichen Personen die Schotten dicht. Das Volk applaudiert und die Exekutive steht Gewehr bei Fuß, fleißig beschäftigt mit dem reibungslosen Ablauf von Machenschaften, wie etwa der skandalösen Abschiebehaft.

Unfähig, eine falsche Flüchtlingspolitik zu korrigieren

Politiker zeigen sich unfähig, den katastrophalen aber legitimierten Umgang mit Flüchtlingen und Asylbewerbern auf der Stelle zu korrigieren. Deutschland ist stolz darauf, zu den reichsten und modernsten Demokratien der Welt zu zählen und nimmt doch billigend in Kauf, dass Menschenrechte massenhaft ausgehebelt und mit Füßen getreten werden. Kein Wort im Koalitionsvertrag zu diesem so brisanten und akuten Thema, obwohl es ganz oben auf der Agenda stehen sollte. Außer Floskeln kein Wort der Kanzlerin zu Plänen einer dringend erforderlichen Wende. Kein Herzerweichen, kaum echte Anteilnahme aus den Politikerreihen.

Sind die Deutschen kaltherzig und unmenschlich?

Sind die Deutschen tatsächlich so unmenschlich, kaltherzig und zu keiner diesbezüglich persönlichen Zivilcourage fähig? Auch jene trifft Mitschuld an dieser menschlichen Tragödie, die zu einem Veto gegen die derzeit praktizierten Abschiebe- und Abschottungsmethoden nicht in der Lage sind. Darüber sollten sich auch alle im Klaren sein, die es für einen persönlichen Verdienst halten, zufällig in Deutschland geboren zu sein.

Dass wir nicht alle Flüchtlinge der Welt bei uns aufnehmen können, weiß jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch. Doch es gibt keinerlei Gründe dazu, sich nicht nur medienwirksam als Exportweltmeister feiern zu lassen, sondern auch als Weltmeister in Sachen vorbildhafte Flüchtlingspolitik und praktizierte Mitmenschlichkeit.

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