Andenpakt - Geheimes bei Spätzle, Braten und dunkler Sauce
Kaum etwas wirkt auf Menschen faszinierender, als ein geheimer Pakt. Von diesem Begriff geht etwas Spektakuläres aus, das mehr als nur beunruhigend wirkt. Gerade war es wieder soweit: Der sogenannte Andenpakt tagte bei Spätzle, Braten und dunkler Sauce. Trotz strenger Geheimhaltung ist eines sicher: Außer Spesen ist nichts gewesen.
Schließlich ist ein Pakt nicht mehr als ein schlichtes Bündnis Gleichgesinnter auf der Grundlage irgendeiner Thematik bzw. Ansicht. Ein Bündnis zu irgendwas kann jedermann selbst begründen. Trommeln Sie Ihre Nachbarn zusammen, seien Sie sich über irgendetwas einig und planen sie dazu regelmäßige Geheimtreffen. Fertig ist Ihr Pakt.
In Berlin an einem geheimen Ort
Er wird Ihnen amüsante Stunden einbringen. Die Welt bewegen wird er nicht. Gleiches gilt für den "Andenpakt". Das CDU-Geheim-Knäuel Christian Wulff, Günther Oettinger, Volker Bouffier, Roland Koch, Elmar Brok, Kurt Lauk, Philipp Mißfelder, Peter Müller und Friedrich Merz soll sich aktuell in Berlin an einem geheimen Ort zu den laufenden Koalitionsverhandlungen ausgetauscht haben, berichtet Deutschlands Sprachrohr No. 1 in verschwörerischer Tonlage.
Ein Pakt ohne Folgen
Seit vielen Jahren wird gemunkelt, der sogenannte "Andenpakt" wolle das Ruder Deutschlands in die Hand nehmen und in die aus ihrer Sicht richtige Richtung lenken. Von einer mächtigen CDU-Seilschaft ist gar die Rede. Dass so etwas nicht funktioniert, beweist schon unser Grundgesetz. Wer Deutschland für einen bestimmen Zeitraum lenken darf, entscheiden Wahlen. Schließlich werden Volksvertreter gewählt und nicht irgendein Pakt. Und - Politik ist allen Interessenvertretern verpflichtet, nicht etwa einem besonderem Geheimbund. Das weiß auch der Andenpakt und konzentrierte sich lieber auf Spätzle und Braten mit dunkler Sauce.
Funktionsloses Lobbyisten-Treffen
Nebenher geht es natürlich auch um die Wirtschaft, der man als aktiver oder einstiger politischer Lobbyist gerne Schützenhilfe im Kampf um Privilegien erteilt. Letztlich entscheiden können auch Mitglieder des Andenpakts nichts. Allein das ist entscheidend. Selbst wer sich zur Wahl stellt oder bereits in Amt und Würden agiert, entscheidet nie allein. Aus Sicht der Mitglieder des Andenpakts mag das tragisch sein. Doch politische Entscheidungsprozesse sind nun mal keine Selbstläufer einzelner Pakt-Genossen, sondern im Kollektiv gefundene Kompromisse gewählter Abgeordneter auf der Basis einer parlamentarischen Abstimmungsmehrheit.
Pennäler-Treffen ohne Mutproben
Bündnisse und Geheim-Pakte erinnern ohnedies eher an Pennäler-Treffen ohne Mutproben. Man sollte sie also nicht so ernst nehmen und eher darüber schmunzeln. Dann haben alle etwas davon: Die Protagonisten ihren Auftritt in wichtigtuerischer Pose, Spekulationen inklusive. Das Volk hingehen kann – je nach Temperament – schmunzeln, lachen oder den eigenen Pakt gründen. Dann gibt es irgendwo in dieser Nation wieder Spätzle mit Braten und dunkler Sauce. Immerhin!
