Leitzinssenkung sorgt für Paukenschlag
Die EZB hat den Hauptrefinanzierungssatz heute auf 0,25% gesenkt und den Einlagesatz bei 0,0% belassen. Sie begründete ihren Schritt mit einem günstigeren Inflationsausblick. Die Notenbank wird die Leitzinsen weiter senken, sollte die Inflationsrate weiter abrutschen. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.
Die EZB hat den Hauptrefinanzierungssatz und den Spitzenrefinanzierungssatz heute überraschend um jeweils 25 Basispunkte auf 0,25% bzw. 0,75% gesenkt. EZB-Präsident Draghi begründete den Schritt der Notenbank auf der Pressekonferenz nach dem Ratstreffen mit einem auf mittlere Sicht gesunkenen Preisdruck. Die EZB beabsichtigt zudem, Langfristtender mit bis zu 3-monatiger Laufzeit bis Mitte 2015 voll zuzuteilen, nunmehr ein Jahr länger als bislang vorgesehen.
Inflationsrate bleibt für längere Zeit auf niedrigem Niveau
Ihre Inflationsrhetorik hat die EZB dahingehend angepasst, dass die Inflationsrate nicht nur in den nächsten Monaten, sondern für einen längeren Zeitraum auf niedrigem Niveau verbleiben wird. Ihren Erwartungen zufolge steigt sie danach an und verbleibt unter, aber nahe 2,0%. Die Risikoeinschätzung für den Inflationsausblick ist mit "weitgehend ausgeglichen" nahezu beibehalten worden, Deflationsrisiken sieht die EZB nicht. Die Rhetorik deutet darauf hin, dass die EZB ihre Inflationsprojektionen von 1,5%/1,3% für 2013/14 im Dezember senken wird.
Langsame Konjunkturerholung mit Abwärtsrisiken
Die im Juli eingeführte Forward Guidance (Leitzinsen "für einen längeren Zeitraum" auf "dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau") hat die EZB beibehalten. Verglichen mit der Ratssitzung im Oktober erwartet die EZB überdies unverändert eine langsame Konjunkturerholung, für die sie Abwärtsrisiken sieht. Draghi erklärte zudem, dass die Leitzinssenkung wirken wird und gesunde Banken in den Peripherie-Ländern einen besseren Liquiditätszugang erhalten. Wir teilen dies insofern, als die Kosten für Langfristtender sinken.
Kaum positive Konjunktureffekte erwartbar
Gleichzeitig ermäßigt sich aber auch der Strafzins auf Einlagen von Geschäftsbanken bei der EZB, der eine Beeinträchtigung der Geldleihe unter den Banken nach sich ziehen kann. Positive Konjunktureffekte durch das Anspringen der Kreditvergabe erwarten wir nicht, da Investitionen derzeit nicht vom Zinsniveau, sondern von der politischen Unsicherheit gebremst werden. An der unzureichenden Kapitalausstattung der Banken ändert sich zudem nichts.
EZB im Krisenmodus
Alles in allem erweckt die Leitzinssenkung den Eindruck, als nehme die EZB das Inflationsthema zum Vorwand, um entweder die (größer als zugegebene) Not im Bankensektor zu lindern oder einem stärker als erwartet ausfallenden Dis-Inflationstrend vorzubeugen. Die EZB hat ihren Leitzinssenkungs-Bias heute beibehalten. Draghi erklärte, dass die Notenbank für einen negativen Einlagesatz technisch bereit ist und den Boden bei den Leitzinsen nicht erreicht haben müsse. Im Bedarfsfall wird die EZB das Leitzinsniveau also weiter senken, sie steckt tief im Krisenmodus.
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