Uni-Loser: "Zieh es durch oder scheiß drauf"
Gestern meldete sich Felix Dachsel (26) alias Uni-Loser "Flxdax" im Nachrichtenmagazin "Spiegel" zu Wort. Er starte gerade den dritten Versuch eines Studiums, lautet seine Botschaft. Tatort: Uni Leipzig. Sicher, das diesmal durchzustehen, sei er aber immer noch nicht. Wer sich derart outet, muss hierzulande mit heller Empörung rechnen.

Haben Sie vor, irgendwann einmal die gesellschaftlich genormte Leistung zu verweigern? Sie wollen gar den exakt vorgezeichneten Pfad der turbo-schnellen Ausbildung verzögern, sodass der unausweichliche Eingliederungsprozess in die produktive Arbeitswelt hinausgeschoben wird? Tun Sie es lieber nicht.
Verweigerer wie "Flxdax"
Verweigerer wie "Flxdax", haben hierzulande nicht viel zu lachen. Wer in Ruhe reifen möchte (früher galt das als wichtiger Teil des Studiums), zögert, ausprobiert, Studienfächer wechselt oder semesterweise herumtrödelt, ist gesellschaftlich schnell mal unten durch. Hierzulande zählt nur Schnelligkeit und Leistung. Mit drei Jahren lesen, rechnen und schreiben, mit sechs in die Schule, Turbo-Abi mit 1.0, Studium summa cum laude, mit 30 das erste waschechte Turbo-Plagiat…
Unmut, Empörung und Ablehnung
Das tagesfüllende Arbeitsmodell bezweifelt praktisch niemand und findet nicht nur auf der akademischen Ebene statt. Schließlich will man ein nützliches Mitglied der Gesellschaft sein. Wer nicht mithält, fällt aus dem bundesdeutschen Raster. Was das bedeutet, spiegelt sich in den Kommentaren unter dem Flxdax Beitrag im "Spiegel" der Gesellschaft wider. Anhand einiger Beispiele lässt sich der gesellschaftliche Ärger - je nach Unmut, Empörung bis hin zu blanker Abscheu - stufenweise einordnen.
"optional" rät: "Dann werd doch Matrose"
Entweder man will ein Studium so richtig und zieht es durch oder man scheißt drauf und tut das worauf man wirklich Lust hat. Wenn du Leistungsverweigerer bist dann werd doch Zigeuner, Matrose, Bauer oder leg dich einfach ohne Studium ins Gras und tu nix. Aber irgendwas muss man halt für sein Überleben tun. Setz dich nicht 10 Jahre sinnlos in die Uni, wo du Geld, Zeit und Studienplätze von Anderen in den Sand setzt und diese mit deinem motivationslosen Gelaber runterziehst. Das ist ziemlich egoistisch. Oder taugt dir das wirklich? “
"polarapel" droht mit der Hartz IV-Keule
Ich habe auch lange gebraucht, um zu einem Abschluss zu kommen, bei mir zog sich das auch über drei angefangene Studiengänge, bis ich den dritten dann mit Diplomnote 1.0 abgeschlossen hatte. Der Ehrgeiz und die Disziplin, es dann endlich doch zu schaffen resultierte hauptsächlich aus der permamenten Existenzangst, die sich aus dem zweiten Scheitern ergeben hat. Vielleicht sollte Herr Dachsel einfach mal darüber reflektieren, wie er sich zukünftigen Wohlstand leisten will, ob man von Hartz IV angenehm leben kann und was es für die Rente bedeutet, wenn man bis Anfang 30 noch keinen müden Euro in die Rente eingezahlt hat. Das kann unglaublich motivierend sein. Dazu kommt ja noch, dass Herr Dachsel nicht unbedingt in den Fachbereichen studiert, in denen man mit hohen Gehältern rechnen kann, wenn man dann irgendwann mal Arbeit findet. Ausserdem ist Herr Dachsel jetzt in einem Alter, in dem er nicht mehr über die Krankenkasse seiner Eltern abgedeckt ist, sondern eine eigene Versicherung braucht. Wer bezahlt das? Seine Eltern? Ist ihm das nicht unangenehm, seinen Eltern als Erwachsener derart auf der Tasche zu liegen? Einfach mal ein paar Anregungen für Herrn Dachsel. Mich hat die Existenzangst dann irgendwann richtig beflügelt.
"Stimmviech" glaubt, Flxdax habe ADS
"Ich empfehle dringend, einmal diesen ADS-Test zu machen: http://ads-bei-erwachsenen.de/index.php/selbsttest.html ADS-Menschen sind weder faul noch nutzlos, sie sind nur nicht an die Leistungsgesellschaft angepasst, in der alles messbar, schnell und effektiv zu passieren hat. Die Schule ist für ADSler Gift. Es müssen neue Formen der Schule her, um die großen Potential der ADSler freizusetzen: http://ads-bei-erwachsenen.de/index.php/staerken.html"
"Zündkerze" hat eine zündende Idee
"Als Leistungsverweigerer sollte sich Herr Dachsel mal fragen warum er dann die Leistung anderer für Lau in Anspruch nimmt. Ich bin zwar auch gegen Studien-Gebühren, aber wäre durchaus dafür diese ab einer gewissen Anzahl an Gesamtsemstern diese zu erheben und das Bafög zu streichen"
"TangoGolf" haut die "nimm mal ne Schüppe in die Hand"-Idee raus:
Wenn die Steuerzahler so dumm sind, solche Existenzen zu finanzieren, müssen sie schon die Schuld bei sich selbst suchen. Jede soziale Wohltat wird ausgenutzt, soweit es irgendwie geht. auch wenn Sozialromantiker ständig das Gegenteil predigen. Davon abgesehen haben einige Wochen Arbeit in der Produktion oder niedrigen Dienstleistungen schon so manchem bei der Entscheidungsfindung und Lebensplanung geholfen.
"graf.koks" warnt vor Dumfug als Philosphie
Es ist schier unerträglich, diesen Artikel zu lesen. Wie ist es möglich, daß ein biologisch erwachsener Mann so vom Selbstmitleid zerfressen ist und dafür auch noch Gründe oder Rückhalte sucht und erwartet? Ist er immer noch in der Frühpubertät? Nun gut - Loser bleibt Loser. Dann sollte er doch aber wenigstens vermeiden, anderen Menschen, die wirklich einen Studienplatz wollen, diesen zu besetzen. Dummfug als Philosophie zu verkaufen kann man auch im Stadtpark auf dem Rasen.
Das "Flxdax"-Schicksal lässt sich auf Twitter weiterverfolgen: https://twitter.com/Flxdax.
