Bundestagswahlkampf: "Och guck mal, hier liegt ja ein Ei!"
Nicht immer machen Wahlkämpfe Spaß. Davon können Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) durchaus ein Lied singen. Geht es um Buh-Rufe und fröhliches Eierwerfen, könnten die Reaktionen der beiden Bewerber auf das Kanzleramt unterschiedlicher nicht sein.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) setzen aktuell zu den letzten Wahlkampf-Veranstaltungen an und geben alles. Augenscheinlich ging es eher langweilig zu, doch der Schein trügt. Nicht immer lief vor Ort alles reibungslos ab. Wenn Buh-Rufe und fröhliches Eierwerfen die aalglatten Vorträge der Kandidaten tangieren, kann es ganz schön ungemütlich werden. Doch wer nimmt es gelassen?
Gelassenheit ist Steinbrücks Stärke
Peer Steinbrück bekam es beispielsweise in schönen Emden mit einer unschönen Eier-Attacke zu tun. Doch dem Kanzlerkandidaten lässt sich durchaus Entspanntheit attestieren. "Och guck mal, hier liegt ja ein Ei", kommentierte er den rüpelhaften Angriff eines Unbekannten aus den hinteren Reihen. Der Eierwerfer wurde unverzüglich aus dem Verkehr gezogen. Gut behütet durch den Personenschutz, der sich fortan mit Schirmen bewaffnet direkt vor den Kanzlerkandidaten positionierte, setzte Steinbrück seine Wahlkampf-Rede fort und erklärte in Hinblick auf seine Chancen in völliger Gelassenheit:
"Ich hab gar keine Angst, sondern wir werden bei 8.500 Umdrehungen weiterlaufen. Nehmen Sie es mir nicht übel, ich habe in den letzten sechs Monaten ein solches Auf und Ab, eine solche Achterbahn erlebt in der Betrachtungen der Parteien, dass mich das - gelinde gesagt - nicht mehr interessiert."
Die Kanzlerin mag keinen Wahlkampf
Die Kanzlerin hingegen offenbart wenig Humor, wenn es um den Machterhalt geht. Ohnedies ist Merkel nicht unbedingt ein Wahlkampf-Enthusiast. Dennoch kämpft sie sich tapfer durch die eigene Floskel-Parade. Spätestens dann, wenn es Kritik gibt, ist der Spaß allerdings vorbei. In Aschaffenburg beispielsweise bekam sie es kräftig mit Buh-Rufen und Trillergepfeife zu tun. Da half auch nicht, dass Hunderte bestellte Merkel-Fans auf den Tribünen saßen und mit kräftigem Beifall dagegen anzukämpfen versuchten.
Merkels Krisen-Strategie in diesem Fall: Ignorieren und lauthals dagegenfloskeln. Ihr Tipp an alle Störer, den sie per Mikrofon aller Welt zur Kenntnis gab:
"Auch für die, die heute so schön rufen können: Seien Sie einfach froh, dass Sie frei Ihre Meinung sagen können."
Ups! War das jetzt Wahlkampf? Na, denn! Die Kanzlerin ist sicher heilfroh, wenn sie ab Sonntag nach der Wahlhochrechnung wieder das gewohnte Terrain im Kanzleramt vereinnahmen darf. Laut Umfrage-Ergebnisse scheint dies gesichert zu sein. Die Frage, wer im Wahlkampf gelassener bleibt, wenn der Wind mal etwas kräftiger bläst, allerdings auch!
