EZB verharrt im Sommerloch
Die EZB hat die Ausrichtung ihrer Geldpolitik heute nicht geändert. Den in ihrer "Forward Guidance" enthaltenen "längeren Zeitraum" konkretisierte sie erneut nur schemenhaft; wir erwarten, dass dies 12-18 Monate sind. Die Tür für eine Leitzinssenkung steht weiter offen, ohne dass die EZB heute diesbezüglich einen Schritt unternommen hat. Auf 12M-Sicht erwarten wir unveränderte Leitzinsen.
Der EZB-Rat hat den Stand bei Leitzinsen und unkonventionellen Maßnahmen heute beibehalten. Das Statement der Notenbank enthielt gegenüber Juli zudem nicht viel Neues. Die EZB konstatierte eine Verbesserung der Klimaindikatoren von niedrigem Niveau aus und hielt an ihrer Erwartung einer langsamen Konjunkturerholung fest. Die Konjunkturrisiken sieht sie weiter als abwärts gerichtet an. Aufgrund energiepreisbedingter Basiseffekte wird die Inflationsrate aus ihrer Sicht demnächst fallen. Der zugrunde liegende Preisdruck ist ihres Erachtens unverändert dezent, und die Inflationsrisiken sind weitgehend ausgeglichen.
Auf ihrer Ratssitzung im Juli hatte die EZB ihre Kommunikationspolitik in Richtung einer "Forward Guidance" geändert. Dazu wiederholte die Notenbank heute ihre Erwartung, dass die Leitzinsen für "einen längeren Zeitraum" auf dem "aktuellen oder einem niedrigeren Niveau" liegen werden. Was ein "längerer Zeitraum" ist, konkretisierte sie erneut nur andeutungsweise. Voraussetzung hierfür ist aus ihrer Sicht, dass der mittelfristige Inflationsausblick unverändert gedämpft ausfalle und das BIP-Wachstum sowie die Kreditnachfrage schwach bleiben. Zudem müsse das BIP-Wachstum signifikant besser als im EZB-Hauptszenario ausfallen, damit die "Forward Guidance" geändert werde. Ein klares Ende für den "längeren Zeitraum" sei nicht definiert, so EZB-Präsident Draghi.
Die vagen EZB-Aussagen zum "längeren Zeitraum" geben dennoch Orientierung. Mit Blick auf unsere Prognosen für das BIP-Wachstum und den Verbraucherpreisanstieg ist davon auszugehen, dass dieser 12-18 Monate umfassen wird.
Die Tür für eine Leitzinssenkung hat sich die EZB heute zwar erneut offen gelassen, Schritte in diese Richtung aber nicht unternommen. Zusammen mit der sich abzeichnenden BIP-Stabilisierung stützt dies unsere Erwartung unveränderter Leitzinsen auf 12M-Sicht. Mit Blick auf die demnächst wieder sinkende Inflationsrate und aufgrund der wohl anhaltenden Probleme im Bankensektor kann die EZB eine Leitzinssenkung aber jederzeit noch für notwendig halten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es hierzu bis zum Jahresende kommen wird, beträgt u. E. 30%. Daneben wird wohl ein Dauerthema bleiben, mit welchen unkonventionellen Maßnahmen die Notenbank an den Krisensymptomen ansetzen wird.
"Die Einteignung findet bereits statt"
