EWU verharrt auf hohem Niveau
Die EWU-Arbeitslosenquote hat im Juni bei 12,1% stagniert. Ihr Niveau bleibt damit historisch hoch. Positive und negative Entwicklungen hielten sich im Kern und in der Peripherie die Waage. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.
Das von uns für das zweite Halbjahr 2013 erwartete Mini-Wachstum spricht dafür, dass die Arbeitslosenquote noch weiter steigen wird. Die EWU-Arbeitslosenquote verharrte im Juni bei 12,1%, nachdem der Maiwert von 12,2% auf 12,1% revidiert worden ist. Damit bleibt die Quote historisch hoch. Seit Ausbruch der Finanzmarktkrise ist sie um 4,4 Prozentpunkte gestiegen.
Unter den größeren Ländern weisen Deutschland (5,4%, unverändert) und Österreich (-0,1 Prozentpunkte auf 4,6%) nach wie vor die niedrigsten Arbeitslosenquoten auf. Um je 0,1 Prozentpunkte sank die Quote in Irland (auf 13,5%), Italien (12,1%) und Spanien (26,3%), für Portugal um 0,2 Prozentpunkte auf 17,4%. Anstiege meldeten dagegen Belgien und Frankreich (je +0,1 auf 8,7%/11%) und die Niederlande (+0,2 auf 6,8%). Erneut deutlich gestiegen ist die Arbeitslosenquote in Zypern (+0,8 auf 17,3%), für Griechenland liegt bisher kein Ergebnis vor.
Die EWU-Arbeitslosenquote besitzt unseres Erachtens noch Aufwärtspotenzial. Wir erwarten zwar, dass das BIP im Euroraum im zweiten Quartal 2013 erstmals seit sechs Quartalen nicht mehr geschrumpft ist (1. Schätzung am 14. August) und sich im zweiten Halbjahr ein Mini-Wachstum einstellen wird. Diese BIP-Stabilisierung wird aber nicht ausreichen, um nachhaltig positive Beschäftigungsimpulse auszulösen. Vielmehr dürfte der Arbeitsmarkt aufgrund seiner Nachlaufeigenschaft zur Konjunktur vorerst weiter zur Schwäche neigen. Bei der Arbeitslosenquote behalten wir daher die 12,5%-Marke im Visier.
Für 2014 erwarten wir ein BIP-Wachstum von 0,7%. Ein klassischer Aufschwung steht damit nicht bevor. Ursache ist, dass wachstums-stärkende Strukturreformen in vielen Mitgliedstaaten bisher nur sporadisch erfolgt sind und weiterhin auch nur verhalten erfolgen dürften. Zwar haben einige Krisenländer ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit seit Krisenausbruch kräftig gesteigert; dies ist überwiegend aber durch gesunkene Nominallöhne und eine stark gestiegene Arbeitslosigkeit erreicht worden. Produktionsverlagerungen in größerem Stil in diese Länder sind derzeit nicht erkennbar. Da die Weltwirtschaft zudem wohl nur verhalten wachsen und die Haushaltkonsolidierung in den meisten Ländern ein konjunktureller Belastungsfaktor bleiben wird, deutet vieles auf eine auf hohem Niveau zementierte Arbeitslosenquote hin. Für den sozialen Frieden im Euroraum ist dies keine gute Perspektive.
"Die Einteignung findet bereits statt"
