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Politik

Krisenpause - bitte nicht stören!

Angela Merkel hat sich in den wohlverdienten Urlaub zurückgezogen. Die Nation atmet tief durch. Wie von Zauberhand sind mit der Kanzlerin Probleme jeglicher Art gleich mitverschwunden. Eben noch ging beinahe ganz Europa vor die Hunde, nun zeigt sich allerorten und im wahren Wortsinn nichts als eitel Sonnenschein.

Marlen Albertini

Nicht einmal Griechenland segnet ohne Merkels Fuchtel das Zeitliche. Auch der gerade noch tränenreich beklagte Verlust der Bürgerrechte durch Daten-Späh-Aktionen weicht sommerlicher Tiefenentspannung bis hinein in die Redaktionsstuben. Zum Ausgleich ein bißchen Wahlkampf gefällig? Fehlanzeige! Das könnte die Oase der Stille nur unnötig stören. Siegessicher ist Merkel allemal – wofür also noch kämpfen? Die Uhr der Kanzlerin steht auf Krisenpause. Statt Euro-, Daten- und Drohnengipfel bietet der Terminkalender Wagner, italienische Berge und Erholung in der heimischen Datsche.

Trügerische Idylle verpackt in eine Krisenpause

Jedermann weiß: Die Idylle trügt. Nicht lange und all die kurzfristig und so machtvoll unterdrückten Konflikte fliegen uns mehr oder weniger um die Ohren. Dennoch fragt sich der eine oder andere, wieso derart bedrohliche Krisen praktisch auf Kommando pausieren können. Welches Schauspiel wird hier geboten? Wie viel vom Desaster ist Schaulaufen, um sich als unentbehrlich zu markieren und um Aufhänger für immer mehr Steuerlasten für die Bürger zu konstruieren? Erstaunlich, wie unangreifbar eine derart miserable Arbeit macht.

Naive Politiker und gierige Finanz- und Wirtschaftswelt

Wer soll die seit vielen Jahren andauernde und bisher nicht im Ansatz gelöste Eurokrise weiterhin hinnehmen? Längst steht fest, dass niemand der Akteure irgendetwas aus dem erschreckend ähnlichen Desaster Anfang der 1930er Jahre gelernt haben kann. Naiv die verantwortlichen Politiker - an vorderster Front Angela Merkel - ganz so, wie die Kollegen anno dazumal. Auch die Gier der Finanz- und Wirtschaftswelt auf Kosten der Bürger bleibt weiterhin kaum eingedämmt.

Durchgehen lassen sollte man es ihnen nicht

Die Untätigkeit schließlich in Sachen Bürgerrechte und Datenschutz zeichnet derart bizarre und erschreckende Züge, dass es vielen Bürgern zu Recht Angst und Bange wird. Teile der Verfassung werden mit Füßen getreten – ausgerechnet von jenen, die darauf einen Amtseid geleistet haben. Es ist Krisenpause – bitte nicht stören!, suggerieren die Verantwortlichen, allen voran die Kanzlerin. Außer am Macht- und Positionserhalt besteht nicht viel Interesse. Durchgehen lassen sollte man es Angela Merkel und den anderen Protagonisten diesmal nicht. Es steht nicht weniger als die Demokratie auf dem Spiel.

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