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Medien & Datenschutz

Stefan Raab kann Kanzlerduell

Stefan Raab und ein TV-Kanzlerduell - passt das zusammen? So mancher Medienexperte sieht darin bereits den Untergang des Qualitätsjournalismus.

Marlen Albertini

Von der besonders prickelnden Seite zeigt sich der Bundestagswahlkampf 2013 bisher eher nicht. Das könnte sich spätestens mit dem TV-Kanzlerduell ändern. Dann nämlich, wenn frischer Wind den ewig gleichen, öffentlich-rechtlich autorisierten Fragelisten in den verstaubten deutschen Polit-Talkstuben entgegen bläst. Dafür sorgen könnte TV-Moderator Stefan Raab.

Fixe Idee und Blödsinn?

Statt strenger Pädagogen-Miene der öffentlich-rechtlichen Moderatoren-Eliten lieber bissige Fragen aus dem Mund eines charmant und nichts wirklich Böses im Schilde führenden Entertainers. Das könnte auch jüngeres Publikum in den Bann ziehen und für Politik interessieren. Die Journalisten-Zunft bremst ab. Allen voran Jakob Augstein, seines Zeichen quasi Sprecher der vermeintlich seriösen und ernsthaften Seite im Mediengeschäft. Barsch prangerte zu bereits zu Jahresbeginn Barsch prangerte er bereits zu Jahresbeginn ein mögliches Kanzlerduell mit dem Pro7-Moderator als fixe Idee und Blödsinn an und weist Raab an seinen angestammten Platz in der U-Schiene.

Politik und Unterhaltung - das geht nicht?

Politik und Unterhaltung? Ein Unding für einen, der sich in die Riege jener Journalisten einreiht, die uns mit ihren überdimensioniert meinungslastigen Beiträgen tagein- und tagaus durch die Journaillen quälen. Das ist es, was dem deutschen Qualitätsjournalismus das Leben aushaucht. Meinung statt aufwändiger Recherche und investigativer Journalismus. Augstein macht es nur vor, Meinung pur und im Übermaß sprudelt nur so aus allen medialen Kanälen. In Hinblick auf das geplante Kanzlerduell mit Stefan Raab kommt Augstein schließlich nach langatmiger Belehrung zum Kern und rafft sich zum persönlichen Fazit-Statement auf.

Das Publikum vom Hocker reißen

"Es gibt eine Definition, die sagt, Demokratie existiert immer nur dort, wo die Leute über Politik reden und sich über die engeren Lebenskreise hinweg zu politischer Öffentlichkeit formieren".

Wie wahr. Will er mit den ewig Gestrigen im Polit-Talk-Geschäft die Leserschaft und vor allem junges Publikum vom Hocker reißen? Augstein zitiert Habermas, der den Begriff "Deliberative Demokratie" prägte und damit die Talkshow als eine Art neues Parlament deklarierte. Ein dort stattfindender Schlagabtausch sollte nicht von einem wie Stefan Raab geleitet werden, glaubt Augstein. Weil Raab der wenig berauschenden Langeweile zähflüssiger und minimal invasiver Bisswut stocksteifer Frage- und Antwortspiele eine Absage erteilt?

Wer, wenn nicht Raab

Wer, wenn nicht Raab kann aus einem Gespräch zwischen dem an perfekter Selbstinszenierung kaum zu übertreffenden Peer Steinbrück und einer stets ausweichenden und mit stets gleichen Floskeln argumentierenden Kanzlerin aus der Reserve locken? Mit dem richtigen Konzept und schlagkräftigen Fragen schafft es Raab hinsichtlich der Quoten glatt zum Status "Absolute Mehrheit". Damit erlebt auch der deutsche Qualitätsjournalismus jenseits aller Unkenrufe wieder einmal eine der eher selten gewordenen Sternstunden. Wetten dass...?

Foto: Screenshot YouTube

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