HuffPo: Kein "Spirit" und der "Hybridmotor" stottert auch
Es sollte ein Paukenschlag werden und die Medienwelt verändern. Mit Schaumschlag und Getöse startete die Huffington Post DE und enttäuscht schon jetzt auf voller Linie. Während die Macher das Blatt als "schon in wenigen Jahren unverzichtbares Informationsmedium, das die Medienwelt verändert" einstufen, quält sich der Leser an der mit eitlen, aber langweiligen Vortragsbeiträgen gefüllten Navigationsleiste entlang und schleicht schließlich resigniert davon.

Ein Weilchen Lesezeit auf der gerade gestarteten deutschen Ausgabe verrät: Viel übrig geblieben ist nicht von Mutter HuffPo aus den Vereinigte Staaten. Die amerikanische Originalausgabe wurde im Frühjahr 2005 von Arianna Huffington, Kenneth Lerer und Jonah Peretti gegründet. 2005 erschien die Onlinezeitung erstmals und bot fortan eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Inhaltlich ganz auf intellektuellen Krawall gebürstet, wird ein Teil des Contents durch eine Vielzahl an externen Autoren verfasst. Die werden zwar nicht bezahlt, erhoffen sich aber als Gegenleistung einen höheren Bekanntheitsgrad.
Handzahme Beiträge im Vortrag-Stil
Den Rest erledigen fest angestellte Redakteure. Sie ergänzen die stark meinungslastigen Beiträge mit ihren reißerischen Titeln durch aktuelle Nachrichtenbeiträge, Kolumnen, Kommentare und mehr. Ein solches Modell sollte doch auch weltweit funktionieren, dachten sich die Macher. Nach Aufstockung der Redaktion durch namhafte und dann feste Journalisten wechselte die überaus erfolgreiche Huffington Post den Besitzer und firmiert nunmehr als AOL Huffington Post Media Group unter der Leitung von Arianna Huffington. Die weltweite Weitervermarktung auch für den deutschsprachigen Raum wurde schließlich im Frühjahr 2013 mit der Burda-Tochter Tomorrow Focus konkretisiert und schließlich besiegelt.
Innig umarmt: Politik & Medien
Chefredakteur Sebastian Matthes ist schon im Vorfeld voll des Lobes und hält die neue Plattform für einen "Hybridmotor". Während er "den Spirit" spürt, mühen sich die HuffPo-Redakteure und Autoren darum, den Ansprüchen und Erwartungen gerecht zu werden. Genau das geht gründlich daneben. Die Anstrengungen wirken gequält, Abhängigkeiten blitzen durch, die Inhalte langweilen und die (bisherige) Auswahl der Gast-Autoren regt zum Nachdenken an. Schließlich wird Nähe zur Wirtschaft, Politik und Kirche demonstriert. Das irritiert nicht nur, es hinterfragt natürlich auch redaktionelle Standards und stellt die Frage nach der journalistischen Unabhängigkeit. Da helfen auch nicht die zaghaften Versuche der Legitimation durch Beiträge "arbeitsloser Mütter", die dazwischengesiebt werden.
Quälen mit sperrigen Inhalten
Wer es mag und viel Zeit erübrigen kann, quält sich durch sperrige Ausführungen von "Star"-Autoren wie etwa Ursula von der Leyen, Telekom-Chef Obermann, Kirchenvertreter Zollitisch, Schauspielerin Uschi Glas oder gar vom "Bobbelsche". In "ordentlich redigierten Schulaufsätzen teilen uns Personen des öffentlichen Lebens mit, was sonst nur schwer Gehör finden kann. Umrahmt werden die "weltbewegenden" Beiträge durch all das, was sich auch in anderen Medien nachlesen lässt. Das veramerikanisierte Outfit de Seite, das an die 1980er Jahre erinnert, ist dann noch das kleinere Übel.
Gratis-Kultur - das war gestern
Eine bahnbrechende Erfolgsgeschichte ist angesichts der Aufmachung und solcher Inhalte nicht zu erwarten. Auch lassen sich gute Autoren, die alles noch retten könnten und die bisherige Autoren-Riege in Sachen Eigenwerbung kompetent aufhübschen, kaum zum Nulltarif rekrutieren. Gratis-Kultur, das war gestern und der Lebensunterhalt wird nicht allein durch einen höheren Bekanntheitsgrad gewuppt. Hinzu kommt, dass der schwarze Peter einer Haftung im Fall der Fälle wohl nahezu allein dem Schreiberling zugeschoben wird.
Dann gehen die Lampen wieder aus
Als Nischenprodukt mag die HuffPo DE durchaus das Potenzial haben, eine Weile vor sich hinzudümpeln. Der Kreis der Personen des öffentlichen Lebens liest sich schließlich selbst sehr gern. Das Dauer-Stottern des Hybridmotors werden sie allerdings nicht verhindern können. Bleibt die inhaltliche Ausrichtung wie sie ist, kommt es zum irreparablen Motorschaden. Auch der ersehnte Spirit lässt sich durch Langeweile und Mittelmäßigkeit nicht herbeizaubern und die Lampen der HuffPo DE gehen (je nach finanzieller Belastbarkeit) früher oder später wieder aus.
- HuffPo-Chefredakteur Sebastian Matthes glaubt an:
"eine Plattform mit Hybridmotor"
Header Foto: Screenshot HuffPo DE
