Roland Hermanns / 17. Februar 2019


Kursverlust – Szenen einer Krise

Begleiten Sie Autorin Marlen Albertini auf ihrem szenisch aufbereiteten Exkurs in das Land der Zocker, Blender und politischen Akteure. Momentaufnahmen der Finanzkrise des 21. Jahrhunderts und jener Klientel, die allzu häufig der Versuchung des schnöden Mammons und des daraus resultierenden Machtgebarens erliegt. Unsere Buchempfehlung.

Kursverlust – Szenen einer Krise (Cover: S. Pidun)

Georg von Lakin – Romanfigur und Haupt­darsteller dieser sze­nisch aufberei­teten Per­siflage – lässt nichts anbrennen. Inmitten der wohl größ­ten Fi­nanz- und Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg kämpft er mit al­len Mitteln und unlauteren Praktiken um den ersten Platz auf der Karriereleiter.

Halsbre­cherische Fi­nanztransaktionen begleiten sei­nen Weg in ein politisch herausra­gendes Amt ebenso wie Betrügereien, Veruntreuungen, undurchsicht­ige Be­ziehungsgeflechte und il­legale Ma­chenschaften.

Lakin setzt aufs Gan­ze und verliert doch alles: Macht, Ansehen, Geld und Ruhm. Der steini­ge Weg zu­rück in ein Leben, das ein wenig Anerkennung, An­sehen und Sta­tus zurück­bringen soll, ge­staltet sich abenteuerlich und äußerst schwierig. Kann ihm der Kraftakt ge­lingen?

„Der Blick fällt auf seine Schuhspitzen, die wie immer frisch poliert glänzen
und mit dem scheinbar neu verlegten Linoleumbelag der riesi­gen Wartehalle
um die Wette spiegeln. Ein seltsamer Geruch von Boh­nerwachs, Schweiß
und Misserfolg schwebt über den Wartenden, die wie angewurzelt auf den
an der Wand befestigten Klappstühlen verhar­ren. Eine über­wältigende
Stimmung der Resignation schnürt ihm fast die Kehle zu, als sein Blick
die LED-Anzeige der Nummernanlage streift. »763 bitte in Raum 16!«,
fordert eine ble­chern klingende Stim­me eindringlich und bestimmend auf …“

Marlen Albertini kratzt mit ihrem neuen Roman an den gesell­schaftlichen Fassaden und bietet vor dem Hintergrund der welt­weiten Wirt­schaftskrise seit 2008 szenische Einblicke in die Welt der Zocker, Blen­der, Verlierer und Gescheiterten. Ein sehr unterhaltsamer Roman, der harte Fakten und nüchterne Details geschickt und romanesque in eine literarische Verpackung hüllt und an keiner Stelle Langeweile aufkommen lässt. Im Gegenteil: Die Autorin versteht es, die Spannung bis zum überraschenden Ende zu halten. Am Ende stellt sich er Leser zu Recht die Frage, ob die beschriebenen grotesken Manöver und waghalsigen Praktiken der Fantasie oder nicht doch etwa der Wahrheit entspringen?
Der Spannungsbogen

Weiter Infos zu dieser Publikation auf der Webseite: www.kursverlust.de

Die Autorin
Marlen Albertini ist gelernte Journalistin, Publizistin und Buchautorin und befasst sich schwerpunktmäßig mit den Themen Politik, Wirtschaft und Sozia­les sowie Bürger- und Men­schenrechte. Seit 1994 arbei­tet sie als freie Journalistin und Redak­teurin für verschiedene Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz.