Marlen Albertini / 1. Dezember 2013 / Keine Kommentare


Angela Merkel: pragmatisch, taktisch, klug?

Kanzlerkandidaten spielen in Hinblick auf die Wahlentscheidung der Bürger eine große Rolle. Peer Steinbrück (SPD) gegen die nimmermüde Amtsträgerin Angela Merkel (CDU) - viel Platz für Innovationen in Richtung Zukunft bleibt bei der kommenden Bundestagswahl kaum.

Wen soll er also wählen, der geplagte Bürger? Eine bekannte Volksweisheit warnt, dass man erst weiß, was man hat, wenn es verloren ist. Immerhin, die bienenfleißige Kanzlerin zeigt sich nicht amtsmüde und vermittelt kaum den Eindruck, sich im September der Kanzlerschaft zu entledigen. Eher lautet die Devise: Regieren bis zur Abwahl!

Ob Angela Merkel  im September womöglich eine Wahlschlappe zu verdauen hat, entscheiden allerdings die wahlberechtigten Bürger. Umfragen zufolge reicht es weder für Schwarz-Gelb, noch für Rot-Grün. Entgegen aller Dementi mehren sich die Anzeichen für eine „Große Koalition“. Schließlich stehen die Parteien in der Pflicht, nach der Bundestagswahl rasch eine regierungsfähige Koalition auf die Beine zu stellen. Schnuppern Oppositionsparteien erst den Duft der unwiderstehlichen Macht, so werden sie diese gute Gelegenheit auch fraglos am Schopfe packen.

Pragmatisch regieren

Für Merkel bleibt damit alles wie gehabt. Sie regiert nach guter alter Manie: pragmatisch, taktisch und klug. Diese drei Eigenschaften kennzeichnen die Kanzlerin seit Jahren in unzähligen Medienberichten. Treffen sie tatsächlich zu?

Im Gabler Wirtschaftslexikon wird „Pragmatismus“ wie folgt definiert:

[…] „Im erkenntnistheoretischen Bereich läuft der Pragmatismus auf eine Reduzierung von Wahrheit auf (momentane) Nützlichkeit hinaus.“ […]

Eine pragmatische Handlungsweise wird der Kanzlerin interessanterweise verstärkt seit den Enthüllungen pikanter diplomatischer Depeschen der Amerikaner im Jahr 2010 durch das Internetportal Wikileaks zugeordnet. Die Freunde jenseits des Teichs beurteilten die Kanzlerin in ihren geheimen Hinterstuben als „methodisch, rational und pragmatisch“. Seither klebt der Begriff „pragmatisch“ an der Kanzlerin, wie Pech an Schwefel. Objektiv betrachtet trifft er aber wohl tatsächlich auch den Kern.

Taktisch handeln

Und wie steht es mit dem taktischen Handeln der Kanzlerin? Per Duden- Definition handelt es sich um:

„die Taktik betreffend, auf [einer] Taktik beruhend; klug, berechnend, planvoll“

Niemand wird ernsthaft bestreiten wollen, dass Merkel berechnend (nicht zu verwechseln mit „berechenbar“) agiert. Auch hat niemals zuvor ein Kanzler seine Position so planvoll verteidigt, wie sie. Merz, Koch, Wulff, Röttgen – die „Liste der gefallenen Männer“ und damit möglicher Amtsnachfolger ist lang. Eine Taktik kann auch sein, Entscheidungen stets auszusitzen und sich in letzter Minute zu drehen wie eine Fahne im Wind.

Klug abwägen

Doch ist das auch klug?  Zumindest der eindeutig erkennbare, verlässliche Schwenk Richtung Bürgerwille wirkt klug und ehrt die Kanzlerin als wahre Volksvertreterin. Nicht alle Politiker beherrschen diese Kunst. Zum Thema „klug“ hat sich Merkel  in der Zeitschrift Brigitte ohnedies auch selbst einmal geäußert und erklärte:

Man braucht das Schweigen, um klug reden zu können„.

Da muss wohl noch viel geschwiegen werden, bevor die Klugheit so mancher Entscheidungen auch schlüssig zu Tage tritt. Kurt Tucholsky glaubte in Hinblick auf kluge Offenbarungen ohnedies eher an eine Taktik (womit wir wieder bei Eigenschaft. No. 2 sind) und äußerte:

„Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger“.

Wer sich immer noch nicht sicher ist, ob es klug ist, Merkel noch einmal zu unterstützen, damit sie das Kanzleramt zum dritten Mal erobert, der kann den großen Denker, Schriftsteller und Philosoph Voltaire (1694-1778) zu Rate ziehen. Er war sich sicher:

„ Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher.“

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