Dr. Gérard Bökenkamp / 26. Juni 2013 /


Der Meinungsstreit zwischen Hayek und Keyne

Der Meinungsstreit zwischen Keynes und Hayek im Jahr 1932 ist in die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften eingegangen. Dabei galt die Auseinandersetzung gar nicht Keynes Hauptwerk, der "Allgemeinen Theorie", sondern einem relativ unbekannten Werk, von dem sich Keynes später selbst distanzierte. Betrachtungen von Dr. Gérard Bökenkamp.

Der Ökonom David Sanz Bas argumentierte, dass es diese Entgegnung durchaus gegeben habe, aber sie von der Öffentlichkeit nicht zur Kenntnis genommen worden sei. Sanz Bas verweist nun auf zahlreiche Äußerungen in verschiedenen Schriften Hayeks, in denen er explizit und implizit Kritik an dieser Sichtweise geäußert hatte. Obwohl diese Äußerungen sich über den Zeitraum von 1937 bis 1988 erstrecken, sei ihre innere Konsistenz bemerkenswert. Bis heute wird darüber diskutiert, warum Hayek auf die Allgemeine Theorie keine kritische Entgegnung verfasst habe.

Nach Keynes soll der Staat für Nachfrage sorgen

Keynes erarbeitete seine Theorie zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, als viele Millionen Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Seine Grundthese lautete, dass Arbeitslosigkeit die Folge fehlender Nachfrage ist. Die Ursache fehlender Nachfrage sah er in der Neigung, mit steigendem Einkommen einen wachsenden Anteil seines Einkommens zu sparen. So komme es im Kapitalismus zu einem permanenten Mangel an Nachfrage und somit zu einer chronischen Arbeitslosigkeit. Diese strukturellen Defizite des Marktes könnten jedoch dadurch behoben werden, dass der Staat die fehlende Nachfrage kompensiert. Zu den Maßnahmen, die der Staat ergreifen soll, gehören die Absenkung des Zinssatzes, die Umverteilung von den hohen zu den unteren Einkommen und die Tätigung öffentlicher Investitionen.

Hayek warf Keynes Vereinfachung vor

Eine zentrale Schwäche sah Hayek in Keynes Theoriegebäude darin, dass es nicht auf einer Kapitaltheorie beruhte. Die Produktionsstruktur beruht auf einem Netzwerk von Millionen von Unternehmen, die mit- und nebeneinander interagieren. Ohne eine Vorstellung davon zu haben, wie dieser Produktionsprozess abläuft, sei es nicht möglich, sinnvolle Aussagen über die Wirkung wirtschaftspolitischer Entscheidungen zu treffen. Keynes habe alles als Aggregat zusammengefasst und damit in extremer Form simplifiziert.

Keynes übersah den Faktor Zeit im Produktionsprozess

Keynes habe wegen seiner fehlenden Vorstellung vom Produktionsprozess den Faktor Zeit außer Acht gelassen. Bei Keynes verlaufen die Prozesse synchron und ohne Zeitverzögerung. Wenn die Nachfrage erhöht wird, erhöht sich in Keynes Theorie quasi automatisch und parallel dazu das Angebot. Um die zusätzlichen Waren für den Konsumenten zur Verfügung zu stellen, werde bei Keynes kaum Zeit benötigt. Nach Hayek sei Zeit aber das zentrale Element um jeden Produktionsprozess zu verstehen. Gerade die Zeit, die von der Investition zur Produktion vergeht, erfordere, dass der Konsument sich bis dahin mit seinem Konsum zurückhält, da sonst die Preise steigen.

Keynes betrachtete nur die Geldströme, nicht die Produktionsstruktur

Hayek sieht eine weitere Schwäche in Keynes Modell darin, dass dieser die Entwicklung nur über die Schwankung der Geldausgaben erklärt habe. Seine Betrachtung beruhe allein auf der Betrachtung von Geldflüssen und auf der Vernachlässigung der realen Prozesse, die den Geldströmen zugrundliegen. Des Weiteren kritisierte Hayek den makroökonomischen Ansatz, den Keynes verfolgte. Ökonomie müsse beim einzelnen Akteur ansetzen. Zur Erklärung wirtschaftlicher Prozesse seien relative Preise, das heißt das Verhältnis der Preise zueinander, und die Struktur der Investitionen entscheidend und nicht Aggregate und allgemeine Lohnniveaus.

Es gibt keinen einfachen Zusammenhang zwischen Nachfrage und Beschäftigung

Hayek insistierte darauf, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen staatlich gefördertem Konsum und Beschäftigung so nicht gibt. Da Arbeitslosigkeit in der Regel bestimmte Sektoren besonders betreffe, sei das nur möglich, wenn die Menschen Güter genau aus diesen Sektoren auch konsumieren. Das sei aber unwahrscheinlich, da diese Sektoren in der Regel deshalb in der Krise stecken, weil ihr Angebot für den Konsumenten nicht attraktiv genug ist. Und die tatsächlich durch Staatseingriffe geschaffenen Arbeitsplätze bestehen nach Hayek nur solange, solange der Staat die Nachfrage in diesem Sektor künstlich aufrecht erhält und immer neues Geld nachschießt.

Informationen
David Sanz Bas: Hayek’s Critique of The General Theory, in: Quarterly Journal of Austrian Economics, Vol 14, No 3.

Alle Fotos: Mit frdl. Erlaubnis Friedrich August von Hayek-Stiftung