Ursula Pidun / 5. Juli 2012 / 5 Kommentare


Interview mit Redakteuren der Unizeitung „Standpunkte“ WU Wien zur vorläufigen Suspendierung von Prof. Dr. Franz Hörmann

Am 2. Februar 2012 wurde Prof. Dr. Franz Hörmann seitens der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) nach Ermittlungen mit sofortiger Wirkung vorläufig vom Dienst suspendiert. Im Vorlauf hatte Hörmann RedakteurInnen der Unizeitung „Standpunkte“ WU Wien zwei Interviews gegeben. Wir haben nachgefragt.

Fotoquelle: F. Hörmann, WU Wien

Fotoquelle: F. Hörmann, WU Wien

Am 2. Februar 2012 wurde Prof. Dr. Franz Hörmann seitens der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) nach umfassenden Ermittlungen mit sofortiger Wirkung vorläufig vom Dienst suspendiert. Dieser Schritt sei die Folge öffentlich getätigter und zweifelhafte Aussagen Hörmanns über den Holocaust, heißt es in der damals herausgegebenen Pressemitteilung der WU.

Im Vorlauf hatte Hörmann RedakteurInnen der Unizeitung „Standpunkte“ zwei Interviews gegeben. Innerhalb des zweiten Interviews habe Hörmann geäußert, dass „die Frage des Genozids zur Zeit des Nationalsozialismus nicht endgültig geklärt“ sei, da es „keine objektive und ideologiefreie Diskussion über diese Frage gab“. Auch habe er geäußert, er „habe keine Meinung zu Gaskammern.“ (Hier Ausführungen der „Standpunkte“-Redakteure) Wir haben nachgefragt. Im Gespräch mit Stefanie Gerold, Susanne Reither und Matthias Nocker, RedakteurInnen der Unizeitung „Standpunkte“ und Studierende der Volkswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien. „Standpunkte“ ist ein Projekt von Volkswirtschaftstudierenden an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU).

Das Interview mit Prof. Franz Hörmann Anfang des Jahres hat zu heftigen Konsequenzen geführt. Hörmann wurde vom Dienst suspendiert. Er soll in einem (bisher nicht veröffentlichen) Interview mit Ihnen für die Unizeitung „Standpunkte“ zweifelhafte Aussagen getätigt hat. Was waren das für Aussagen?

Hörmann hat sich sehr zweifelhaft über den Holocaust geäußert. Der Genozid zur Zeit des Nationalsozialismus sei für Hörmann nicht endgültig geklärt, da es keine objektive und ideologiefreie Diskussion über diese Frage gegeben habe. Zu Gaskammern äußerte er sich folgendermaßen: Er habe keine Meinung zu Gaskammern, da er nicht dabei gewesen sei.

In Bezug auf die HumanWeg Bewegung, die er gegründet hat, äußerte er sich folgendermaßen: Jede Person, die das gleiche Ziel wie die Bewegung anstrebt, nämlich eine bessere Gesellschaft, kann mit ihm zusammenarbeiten. Nach Hörmann sind etwa Maoisten, Kommunisten, Anarchisten, Nazis und Personen aller anderen Einstellungen in der Bewegung herzlich willkommen. Hörmann sieht deshalb auch keinen Bedarf sich von den Schriften, welche auf der HumanWEG-Homepage veröffentlicht wurden, zu distanzieren. Darin wird etwa von einer „Kriegserklärung des Weltjudentums“ an Deutschland gesprochen oder „die slawisch-germanischen Gruppe“ als berufene Völkergemeinschaften dargestellt.

War der Holocaust das Thema des Interviews oder wie kam es zu speziell dieser Thematik?

Es ist zu erwähnen, dass es zwei Interviews gegeben hat. Bei dem ersten war das Thema Hörmanns zu diesem Zeitpunkt, neu erschienenes Buch „Das Ende des Geldes“. Durch Recherchen über die Person Hörmann sind wir auf die HumanWeg Bewegung (HWB) aufmerksam geworden, bei der Hörmann Gründungsmitglied ist. Während der Bearbeitung des Interviews wurden wir auf eindeutig antisemitische Äußerungen im „HWB-Kurzprospekt 2011“ aufmerksam, welches vom Schweizer Hans-Jürgen Klaussner, ebenfalls Gründungsmitglied und Freund von Hörmann, verfasst wurde.

Daraufhin beschlossen wir ein zweites Interview mit Hörmann zu führen, um ihn zu dieser Bewegung zu befragen. Während des Gesprächs sind wir auch auf andere Mitglieder der Bewegung zu sprechen gekommen, wie z.B. Hans-Jürgen Klaussner, der offenkundig Antisemit ist. Das führte zu Themen wie Ideologien und Werte. Hörmann meinte, dass lediglich die Ziele einer Person von Bedeutung sind, nicht jedoch deren Motive und persönliche Meinungen und dass er mit jeder Person zusammenarbeiten kann, die das gleiche Ziel wie die Bewegung anstrebt, nämlich eine bessere Gesellschaft. Es entwickelte sich eine Diskussion und auch das Verbotsgesetz wurde angesprochen. Im weiteren Verlauf fragten wir ihn nach dem Nationalsozialismus und die Existenz des Holocausts.

Haben Sie Prof. Hörmann direkt auf seine fragwürdigen Äußerungen durch weitere Nachfragen angesprochen?

Wie oben erwähnt entwickelte sich das Interview zu einer Diskussion. Das Thema Holocaust war nur ein Punkt davon.

Da zweite Interview diente Ihrerseits gezielt dazu, Hörmanns fragwürdige Positionen zum Holocaust weiter zu hinterfragen?

Vor dem zweiten Interview sind diese fragwürdigen Aussagen noch nicht ans Tageslicht getreten, das hat sich erst beim zweiten Interview im Laufe des Gesprächs ergeben. Auch für uns völlig überraschend.

Welcher Abstand lag denn zwischen den beiden Interviews und mit welchem neuen Interview-Thema sind Sie an Franz Hörmann beim zweiten Mal herangegangen, das Sie beim ersten Interview noch nicht abklären konnten? 

Das zweite Interview wurde ca. drei Wochen nach dem ersten Interview getätigt. Beim ersten Interview sprach Hörmann von einer Partei die er gründen möchte „HumanWeg-Bewegung“. Daraufhin haben wir recherchiert und sind auf das Programm (das Kurzprospekt, dass ich Ihnen mitgeschickt habe) dieser Partei gestoßen, und darauf, dass Klaussner Mitbegründer dieser Partei war. Es hat sich herausgestellt, dass Klaussner sehr dubiose Artikel veröffentlichte. Beim zweiten Interview wollten wir diesen Sachverhalt klären, was es mit dieser Partei/Bewegung auf sich hat, und was die Intention dahinter ist. Und haben Hörmann um einen zweiten Interview-Termin gebeten.

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5 Kommentare zu "Interview mit Redakteuren der Unizeitung „Standpunkte“ WU Wien zur vorläufigen Suspendierung von Prof. Dr. Franz Hörmann"

  1. Helmut Josef Weber 20. Juni 2012 at 17:32

    Da der Hollocaust, bzw. das unfassbare Verbrechen an den Juden nicht im Einzelnen hinterfragt werden darf, können die Deutschen froh sein, dass in Katyn nicht ausschließlich, bzw. gezielt „nur“ Juden ermordet wurden, denn dann wäre das Verbrechen heute immer noch durch die Deutschen begangen worden, weil es nie hätte angezweifelt und hinterfragt werden dürfen.
    Ich denke, kein halbwegs intelligenter Mensch wird den Hollocaust an sich in Frage stellen.
    Aber es gibt eben Menschen, die glauben an einen Hauptgewinn in einer Verlosung, an der sie nie teilgenommen haben, nur weil sie die Benachrichtigung über den Hauptgewinn, in ihrem Postkasten finden.

    Mit freundlichen Grüßen
    H. J. Weber

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  2. Micha 20. Juni 2012 at 22:10

    Also für mich ist Hörmanns darstellung teilweise vernünftig, ich bin weder Nazi noch halte ich das was ich glaube zu wissen (zumindest was mir in der Schule beigebracht und durch Recherchen angeeignet habe) für zwangsweise wahr. Wenn ich nun Hörmanns Argumentation folge, dann ist für ihn nur das wahr, was er selbst erlebt hat, alles andere ist je von Standpunkt des Zeitzeugen aus zu sehen, denn je nach Blickwinkel erlebt man eine andere Wahrheit. Insofern hat Hörmann nur gesagt, er wisse nicht genau was passiert ist, da Geschichte immer von den Siegermächten geschrieben wird, er glaube aber, das es Massenvernichtung usw. im 3. Reich gab. D.H. von seinem Standpunkt aus und nach seiner Überzeugung, kann er sich kein Urteil anmaßen über die Vergangenheit, da er es nicht selbst erlebt hat, aufgrund von Lehrmaterial, Selbstangeeigneten etc. neigt er aber dazu es zu glauben. Da dieser Mann ehrlich zu sein scheint und es wichtig für ihn ist für seine Überzeugungen einzutreten, wäre die Frage angebracht, ob er solche Mittel für geeignet hält seine Gesellschaftsreformen durchzusetzen, falls er da jedoch mit zweideutigkeiten antwortet, wäre für mich die Sache klar! Wenn er dann aber ein deutliches nein ohne wenn und aber suggeriert, ist es doch Wurst, das er sich in der Vergangenheit unsicher ist, sofern er es nicht als option für seine oder andere als Taten zuläßt. Für mich persönlich ist es doch nur interresant wozu ein Mensch fähig wäre … nicht was er von Dingen hält, wozu er nach seiner Überzeugung keine Antwort geben kann. Eine Andere Variante wäre gewesen ihn folgendes zu Fragen: „Wenn die Nazi für Sie erwiesen Massenvernichtung von Menschen im 3. Reich vollzogen hätten, wie stehen sie dazu?“ In diesem Fall könnte man seine Überzeugung dadurch umgehen und eine adequate Antwort erwarten. Doch jetzt weiss ich nichts über seine Einstellung zu 3. Reich und HC , nur zu seiner Überzeugung, das nur wahr ist was er erlebt. LG MIcha

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  3. Micha 20. Juni 2012 at 22:22

    Nachtrag, am fragwürdigsten finde ich die Aussage: „Die Ziele sind entscheident“ … da wäre noch meine Frage ob der Zweck die ALLE Mittel heiligt, falls er da mit ja antworten würde … dann wäre die Sachlage ebenso klar … Weiterhin könnte man ihn Fragen falls Mitstreiter von ihm gennte gesellschaftliche Ziel mit MItteln aus dem 3. Reich erreichen wollten, wie er dann daraufhin reagieren würde. …

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  4. JNK 6. September 2013 at 12:54

    Wissen ist ein Begriff wie jeder Andere, einfach ein Wort wie ein Container in den man bestimmte Dinge tut.

    (Bsp: Wenn man den Begriff Familie nie auf einen zeitlichen Rahmen begrenzt, kann man mit ewigem zurückführen auf Stammbäume genauso sagen, dass wir alle verwandt sind und du mein Cousin 7000ten Grades bist. Hallo Cousin)

    Wenn Studenten nie darüber nachgedacht haben, dass man das Wort Wissen als Container anders verwenden kann als es 99% machen (und dies nicht mal versuchen zu verstehen) und dadurch unrechtliche Suspendierungen eines Professors einleiten, empfehle ich jeden der ebenso dagegen inneren intensivsten und aufrichtigsten Widerstand empfindet und Gefährdung von Sichtweisen die dem Allgemeinwohl zugute kommen wahrnimmt das Bildungssystem so wie er kann zu ergänzen.

    In Schule (öff/privat),Uni, Vereinen, Medien(ö/P) etc.!!

    Mach was dafür, dass man einander versteht und offen sein kann!

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