admin / 7. Februar 2007 / Keine Kommentare


Der Fall Dr. Gerhard Cromme

„Die Krupp-Stiftung erhöht ihre Beteiligung an der ThyssenKrupp AG auf über 25 Prozent.“ Die Meldung ging vor der Hauptversammlung der ThyssenKrupp AG durch die Presse. Sie markiert den vorläufigen Höhepunkt eines der größten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Foto: Clipdealer.de

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„Die Krupp-Stiftung erhöht ihre Beteiligung an der ThyssenKrupp AG auf über 25 Prozent.“ Die Meldung ging vor der Hauptversammlung der ThyssenKrupp AG durch die Presse. Sie markiert den vorläufigen Höhepunkt eines der größten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte (siehe Schwarzbuch VW *Seite 68 ff). Dr. Gerhard Cromme wendet sich im Brustton der Überzeugung gegen Stimmen, welche sich gegen die Dominanz der Krupp-Stiftung im Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG wenden. Wer weiß schließlich im Jahre 2007 noch, wie jene Krupp-Stiftung überhaupt gerettet wurde, die noch Ende der 90-er Jahre mehr als pleite war?

In einer Verzweiflungstat griff damals Krupp-Chef Cromme Thyssen an. Krupp wollte mit Hilfe befreundeter Banken den Branchenführer Thyssen einfach übernehmen. Anfangs sah es sogar so aus, als könnte der Deal gelingen. Doch dann formierte sich massiver Widerstand. Der Thyssen-Vorstand stellte sich quer. Und die Banken stellten fest: Krupp war pleite! Der Angriff wurde abrupt gestoppt. Cromme stand angeschlagen und mit blutiger Nase im Ring. Der Thyssen-Vorstand war nach Crommes Attacke verständlicherweise stinksauer. Denkbar war allenfalls die Übernahme des maroden Konkurrenten. Mit entsprechender Zuzahlung – versteht sich. „Wie ein Mann“ stand der Thyssen-Vorstand hinter dieser Forderung. „Welcher Topathlet heiratet schon gern eine Leiche – noch dazu im fortgeschrittenen Stadium der Verwesung?“ So ein unmittelbar beteiligtes Organmitglied. Die Politik indes wollte eine Lösung. Selbstverständlich mit einer re-animierten Krupp AG. MP Rau griff Krupp-Verweser Beitz hilfreich unter die Arme. Man kennt sich – man hilft sich. Der Vorsitzende der Krupp-Stiftung ist halt immer noch der König des Re-viers. Trotz High-Tech und anderer Modetrends. Die Lösung war daher enorm eilbedürftig. Auf die Einhaltung der Gesetze kam es in dieser kritischen Situation nicht wirklich an. Da ist man an den Gestaden des Rheins extrem flexibel. Und zwar sowohl in der Politik als auch in der Justiz.

Man „bearbeitete“ den renitente Thyssen-Vorstand. Der führte anfangs Interessen der Aktionäre ins Feld. Denen – und nur denen – sei man verpflichtet. So fordere es das Aktiengesetz. Welch blinde Narretei! In Einzelgesprächen ließen die Herren von ihren wirren Vorstellungen ab. Schließlich waren sie bereit, die „Werthaltigkeit“ der Krupp AG überprüfen zu lassen. Natürlich nicht den aktuellen Wert. Der lag ja bekanntlich im Minus. Also ließ man schätzen. Frage: Wie könnte der Wert in eine paar Jahren sein? Eventuell! Und, oh Wunder: Krupp hätte zukünftig tatsächlich etwas wert sein können. Fiktiv sozusagen. Der so ermittelte „Wert“ wurde Basis für die Aufteilung der Aktionärsanteile. Das Simple kann so einfach sein. Man muss nur wollen. Die Hochzeit des Topathleten (Thyssen) mit der Leiche im fortgeschrittenen Stadium der Verwesung (Krupp) fand statt. Und, oh weiteres Wunder: Die Krupp-Stiftung wurde dank der kreativen „Be-wertung“ größter Einzelgesellschafter des neuen Unternehmenspaares. Ein Milliarden-Geschenk des Landes an Krupp. „Gestaltende Industriepolitik“ in NRW – von allen gesetzlichen Zwängen befreit. Der Deutsche Richterbund definiert derartiges Tun schlicht als „Regierungskriminalität“.

Einige der über den Tisch gezogenen Thyssen-Aktionäre versuchten, dagegen zu klagen. Ange-sichts der Ziele der Landesregierung und des Ruhradels sowie des Justizumfeldes in NRW half ihnen das wenig. Die Justiz wusste genau, was zu tun war. Sie legte die Hände in den Schoß. Und da liegen sie noch heute. Der Regisseur des krummen Deals, Dr. Gerhard Cromme, ist heute noch Vorsitzender des Aufsichtsrates des fusionierten Unternehmenspaares. Und nicht nur das. Er wurde sogar Vorsitzender der deutschen Corporate-Governance-Kommission. Das ist die In-stitution, welche die Regeln für gute Unternehmensführung in Deutschland ausarbeitet. Mit der-selben Logik hätte man Al Capone einstmals bitten können, ein Handbuch für gute Polizeifüh-rung in Chicago auszuarbeiten. Muss man sich da noch über kriminelle Zustände in Firmen wie VW und Siemens wundern, bei denen Cromme im Aufsichtsrat saß oder immer noch sitzt? Und dass die ehemalige Leiche (Krupp) nun den Topathleten (Thyssen) schluckt? Eigentlich logisch.



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