Roland Hermanns / 20. Juni 2013 / Keine Kommentare


Euer Wille geschehe? Jede Menge Ärger für „Dunk den Herrn“

Glaubt man der Pius-Bruderschaft, gibt es nichts Abstoßenderes, als das kürzlich auf YouTube aufgetauchte Video "Dunk den Herrn" der Komikerin Carolin Kebekus. Dabei liegt das Abstoßende, Unfassbare und Unerträgliche doch so nahe jener Institution, die sich und ihre Symbole nunmehr so verunglimpft sieht. Ein Kommentar von Roland Hermanns.

Gerade erst haben wir resigniert zur Kenntnis genommen, dass die unfassbaren Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sanft und seicht unter den Teppich des Vergessens gekehrt werden, da schießt die Komikerin Carolin Kebekus aus der gnadenlos satirischen Ecke. Im Gepäck ein Video. Adressiert an die Würdenträger besagter Glaubensgemeinde wirbelt es – „Dunk den Herrn“ – die unerträglichen Vorkommnisse noch einmal so richtig an die Oberfläche. Dass es so hart kommt, ist weniger dem schlechten Geschmack geschuldet. Es ist vielmehr Ergebnis einer völlig unzulänglichen Aufarbeitung der furchtbaren Geschehnisse in der katholischen Kirche. Ein Kommentar von Roland Hermanns.

Es wird Klartext gesprochen. Endlich, mag der eine oder andere seufzen – wenngleich auch verpackt in hammerharte Komik. Allerdings richtet sich die Persiflage an die Adresse einer Institution, die – ummantelt von einer nach außen kommunizierten Geisteshaltung der Mildtätigkeit, Wohltätigkeit und Nächstenliebe – Würdenträger offenbarte, die in einer Vielzahl an Fällen Kinder missbrauchte. So viel harte, offene, versteckte, anspielende, hammerharte und satirische Kritik kann es nicht geben, um die Unerträglichkeit der zurückliegenden Vorfälle in Worte (bzw. bildhafte Metaphern) zu fassen. So krass kann kein Video sein, um nur annähernd Schrecken und Leid zu dokumentieren, das die Protagonisten ihren Opfern boten.

Offen, tolerant und demokratisch

Von der offenen, toleranten und zutiefst demokratischen Seite wollte sich der Westdeutsche Rundfunk zeigen, als er verkündete, das Video der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die heiligen Hürden im Sender hatte es bereits genommen, doch Kruzifix nochmal – nur 24 Stunden vor der geplanten Ausstrahlung war es vorbei mit der Toleranz. Das Video wurde zensiert und sollte unter Kürzung wesentlicher Teile – wenn überhaupt – nur abgespeckt zur Ausstrahlung kommen. „Der WDR steht für Liberalität und Toleranz. Das bedeutet auch, die religiösen Überzeugungen der Bevölkerung zu achten und die Verunglimpfung religiöser Symbole in seinen Sendungen nicht zuzulassen,“ rechtfertigte der Sender die Rolle rückwärts.

Deutliche Haltung wäre erwünscht

In seiner Andacht gab der Sender weiter zu bedenken: „Es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen Kritik an der Institution Kirche und der Verunglimpfung religiöser Symbole“. Und er beeilte sich zu vermitteln, dass es keine Rolle spiele, ob sich ein Beitrag an jüngere oder ältere Zuschauer wende. Das ist doch mal ein eindeutiges Statement. Wen wundert`s: Auch im Rundfunkrat des WDR hat die katholische Kirche ihren angestammten Platz.

Deutliche Haltungen hätte man sich auch in Hinblick auf die Aufarbeitung der unglaublichen Missbrauchsfälle gewünscht. Statt dessen Wispern im Beichtstuhl unter vorgehaltener Hand, Zaudern und Zögern in Hinblick auf Entschädigungen der Opfer, ein sinnloser runder Tisch ohne wesentliche Ergebnisse. Konsequenzen? Fehlanzeige. Gott hab` sie selig, die Verjährung, wird so mancher Täter erleichtert geseufzt haben, bevor er in seiner Kutte des Weges eilte.

In Ewigkeit, Amen!

Bei so viel wohlwollender Hinwendung zu einer Institution, die derartige Täter beherbergt(e), kommt gleich auch noch die erzkonservative Pius-Bruderschaft aus der Klausur. Der Grund: das Video steht nun auf YouTube und lässt sich von jedermann problemlos anschauen. Unzensiert und in volle Länge. Zu viel für die keusche Bruderschaft. Sie kämpft mit harten Bandagen und ermuntert Glaubensgenossen auf ihrer Webseite dazu, Strafanzeige wegen Blasphemie zu erstatten. Einige sollen es schon getan haben. Sie hängen halt an den Lippen „euer Herrlichkeit“. Vermutlich in Ewigkeit, Amen!

Foto: gregorydean / clipdealer.de
Video: YouTube.com



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