Ursula Pidun / 19. April 2013 / 1 Kommentar


„Die Ursache unserer Probleme liegt weder an Europa noch am Euro“

Der österreichische Finanzexperte Prof. Dr. Franz Hörmann, der im vergangenen Jahr nach Denunzierungen vorläufig vom Dienst suspendiert wurde, lehrt wieder an der Wirtschaftsuniversität Wien. Seine Kritik am bestehenden Geldsystem ist geblieben - die Eurokrise allerdings auch.

Vor zwei Jahren haben wir mit dem Finanz-Experten Prof. Dr. Franz Hörmann, der damals und inzwischen wieder an der Wirtschafts-Universität in Wien lehrt, ein Interview zum Thema: „Absurdes Geldsystem“ geführt. Zwischenzeitlich setzen sich die Turbulenzen rund um den Euro weiter fort. Stringent verordnete Sparprogramme für taumelnde EU-Länder führen zu besorgniserregenden sozialen Unruhen und die stetig weiter ansteigende Arbeitslosigkeit zerstört in Europa nachhaltig Hoffnungen auf bessere Zeiten. Wir haben nachgefragt.

Prof. Hörmann, Sie sind und waren kein Freund des bestehenden Geldsystems. Dennoch muss sich jeder damit arrangieren. Augenblicklich läuft allerdings alles aus dem Ruder?

Prof. Dr. Franz Hörmann

Prof. Dr. Franz Hörmann (Foto: F. Hörmann)

Es wird nun auch für die einfache Bevölkerung sichtbar, dass offensichtlich etwas ganz grundlegendes in unserem System schief läuft und es sich nicht einfach um „Konjunkturzyklen“ oder „falsche Wirtschaftspolitik in einzelnen Ländern“ handelt. Die üblichen Erklärungsmuster reichen nicht mehr aus, wenn eine flächendeckende Überschuldung (von Unternehmen, Staaten, Banken und Privatleuten) beobachtet wird, wo doch durch die Logik der doppelten Buchhaltung jeder Verbindlichkeit auch eine gleich hohe Forderung entgegenstehen müsste.

Sparprogramme sind sinnlos, weil Zahlen im Bankcomputer nicht “gespart” werden müssen. Soziale Unruhen sind sofort vermeidbar, wenn die Bevölkerung mit Kaufkraft anstatt mit Arbeitsplätzen versorgt wird, wobei sich nur dann die Frage nach der Wertbeständigkeit des Geldes stellt, wenn wir es als verknappbares Tauschmittel denken und nicht als individuellen Gutschein. Wenn wir dann auch noch in den einzelnen Branchen kooperieren anstatt gegeneinander zu konkurrieren, so entledigen wir uns durch steigende Effizienz aus Synergien auch der ungeliebten Arbeiten unter Beibehaltung der Kaufkraft und des Wohlstands der Bevölkerung.

Viele Zeitgenossen (auch Politiker) sprechen von einer Krise in Europa. Wir haben allerdings eine Eurokrise, bzw. eine Bankenschuldenkrise?

Das ist korrekt. Die wahre Ursache unserer Probleme liegt weder an Europa noch am Euro (als Währung), sondern schlicht an der Buchung, mit der die Banken Kredite vergeben: Forderung (der Bank an den Kreditnehmer) an Verbindlichkeit (der Bank an denselben Kreditnehmer). So entsteht eine doppelte Schuld, wobei die Schuld der Bank eben dem Guthaben des Kreditnehmers auf seinem Girokonto entspricht. Wir „bezahlen“ bei Giralgeld laufend mit Bankschulden, die, wenn wir das Geld nicht in bar beheben, auch niemals „zurückgezahlt“, sondern ewig als Zahlungsmittel weitergereicht werden. Dass dies auf Dauer die Bankbilanzen nicht überstehen, ist einfach logisch zwingend.

Werden die Banken adäquat zur Rechenschaft gezogen? Falls nicht, auf welche Weise könnte das geschehen?

Ich finde, dass der Ausdruck „zur Rechenschaft ziehen“ hier nicht wirklich angebracht ist. Das wäre ja nur erforderlich, wenn jemand bewusst gegen bestimmte (Rechen-)Regeln verstoßen hat, das ist hier aber nicht der Fall. Es handelt sich um eine branchenübliche Falschbuchung, deren Auswirkungen nur die wenigsten Bankmitarbeiter überhaupt verstanden haben. Diejenigen, die es durchschauen trennen sich dann zumeist auch von ihrem Job. Ich denke nicht, dass wir in dieser Angelegenheit mit Strafrecht oder „Rechenschaft“ weiterkommen, sondern schlicht mit einer grundlegenden Systemänderung, wie z.B. das „positive money“, also eine Schöpfung rein elektronischen Geldes als Eigen- und nicht als Fremdkapital (z.B. nach dem Buchungssatz „Kassa an Eigenkapital“) unter transparenter, demokratischer Kontrolle, d.h. nicht in den Händen privater, gewinnorientierter Unternehmen (siehe etwa http://www.positivemoney.org/). Bei Geld handelt es sich um eine (zurzeit mental noch für die meisten Menschen) unverzichtbare Infrastruktur der Realwirtschaft. Seine Verknappung zur Wertsteigerung oder Zinserhöhung (z.B. durch ein „steigendes Risiko“) sollte daher als Erpressung betrachtet werden.

Anleger wurden (zunächst in Zypern) für die missglückten Spekulationsgeschäfte ihrer Finanzinstitute zur Kasse gebeten. Das geschah im Prinzip in einer Nacht- und Nebelaktion. Halten Sie das für legitim?

An dieser Aussage, die der öffentlichen Wahrnehmung entspricht, stimmen gleich mehrere Dinge nicht: Erstens handelt es sich, wie gesagt, nicht um „missglückte Spekulationsgeschäfte“, welche die wahre Ursache der Bankenkrise darstellen. Wäre es tatsächlich so, dann müsste ja, nach der Logik der doppelten Buchhaltung, jedem Spekulationsverlust ein gleich hoher Spekulationsgewinn eines anderen Spielers entgegenstehen. Dies ist aber ganz offensichtlich nicht der Fall, es sind ja alle Banken in gleicher Weise hoffnungslos verschuldet, was auf die Giralgeldschöpfung in Form einer Bankverbindlichkeitsbuchung zurückzuführen ist und nicht auf „Spekulationsgeschäfte“. Diese dienen in Wahrheit nur der Ablenkung und Irreführung von Politik und Öffentlichkeit. Zweitens werden nicht die Anleger zur Kasse gebeten, sondern deren „Guthaben“ ausgebucht. Damit werden entsprechend einfach die Bankschulden (Anlegerguthaben auf Girokonten sind ja nur Bankschulden, siehe oben) buchtechnisch reduziert. Doch dieses „Geld“ steht ja in Wahrheit im Eigentum der Banken.

Geld, das Menschen „zur Bank tragen“ geht schließlich ins Eigentum der Bank über, die „Anleger“ besitzen nur noch eine Forderung gegenüber der Bank. Das ist weder Politik noch Öffentlichkeit ausreichend bewusst. Solange diese Unwissenheit vorherrscht, werden aber auch die erforderlichen Reformschritte noch ausbleiben. Ich halte diese Vorgangsweise somit zwar für systemkonform, aber natürlich zugleich eine Zumutung für die Bankkunden. Genau dieser Umstand (Systemkonformität bei extremer Benachteiligung einer einzelnen Partei) beweist überzeugend, dass das heutige Bankensystem (= System der Giralgeldschöpfung) an sich nicht (zur Zufriedenheit aller Beteiligten) funktionieren kann!

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein derartiges Szenario trotz heftiger Dementi der Akteure auch in anderen europäischen Staaten Schule macht?

Es handelt sich dabei nicht um eine Frage der Wahrscheinlichkeit, denn diese Entwicklung wird mit absoluter Sicherheit in absehbarer Zeit auch in allen anderen Staaten einsetzen, da ja die Giralgeldschöpfung zurzeit überall in gleicher Weise praktiziert wird. Die hoffnungslose Überschuldung der giralgeldschöpfenden Banken ist daher nur eine Frage der Zeit und der Kreativität der Buchführer und Bilanzregulierer.

Banken sind für alle Bürger systemrelevant, da wir es praktisch ausschließlich mit einem bargeldlosen Geldsystem zu tun haben. Ist es legitim, wenn Finanzinstitute dann (wie in Zypern geschehen) aus Angst vor einem Banken-Run über Wochen die Dienste einstellen?

Dabei handelt es sich, meiner Meinung nach, entweder um eine schlecht geplante (Panikre-)Aktion der zuständigen Banker und Politiker oder aber einen gezielten Test, wie die Bevölkerung mit solchen Situationen umgeht. Beide Möglichkeiten untergraben jedoch das Vertrauen in das bestehende System. Ein zentrales Motiv dahinter kann natürlich auch eine Form von Werbung für rein elektronisches Geld sein, bei dem ein Banken-Run ja unmöglich ist, das aber aus demokratiepolitischen Überlegungen keinesfalls im Rahmen einer von privaten Unternehmen monopolisierten Geldschöpfung eingeführt werden darf.

Hinsichtlich der Eurokrise kommen Experten mit unzähligen Rezepten und Ratschlägen aus den Ecken. Von Schuldenschnitt bis Eurobonds geht es Querbeet um Hoffnungen, die selbstgemachte Krise damit zu bewältigen. Ist in Ihrer Sicht irgendein Mittel dabei, das unter den gegebenen Umständen tatsächlich wirken könnte?

Alle diese vorgeschlagenen Methoden sind bestenfalls dazu geeignet, wieder einige Monate Aufschub zu gewinnen, bevor das Schuldgeldsystem implodiert. Da hier nirgends die wahre Problemursache thematisiert und einer nachhaltigen Lösung zugeführt wird und Giralgeld dabei laufend weiter als Bankschuld „geschöpft“ wird bringt uns jeder weitere Tag näher an den Rand des Abgrunds. Eine wirklich probate Methode wäre jene, die bei jeder normalen Unternehmenssanierung praktiziert wird: die Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital. Da die Besitzer der Bankguthaben ja zurzeit nur Forderungen innehaben (d.h. ihre Guthaben sind zugleich die Verbindlichkeiten der Bank) wäre es relativ naheliegend, anstatt ihnen die Guthaben einfach auszubuchen (und damit zu vernichten) sie zu Miteigentümern der Bank zu machen, d.h. aus Sicht der Bank Fremdkapital in Eigenkapital zu verwandeln. Als Miteigentümer hätten sie dann automatisch auch ein Mitspracherecht bei der Geschäftstätigkeit ihrer Bank.

Was bedeutet es für den sozialen Frieden in der Europäischen Union, wenn nicht bald probate Mittel zum Zug kommen, um die Dauerkrise zu beenden?

Die Gesellschaft wird sich in absehbarer Zeit in zwei Gruppen spalten: Jene, die das Prinzip der Giralgeldschöpfung als Bankschuld verstanden haben und sich demgemäß auch weigern werden, diese Buchungszeilen als gesetzliches Zahlungsmittel bzw. als legale „Schuld“ zu akzeptieren und jene, denen diese Vorgangsweise bislang noch unbekannt ist und die daher an der alten Idee eines werthaltigen Geldes, welches aus diesem Grund auch zur Übertragung von Eigentum geeignet ist, festhalten. Ab einem bestimmten Zeitpunkt werden dann die aufgeklärten MitbürgerInnen im großen Umfang auch den Rest der Bevölkerung darüber informieren – und dann kommt die Reform.

Welcher Weg wäre denn aus Ihrer Sicht machbar und erfolgversprechend, um nachhaltig aus dem Chaos heraus zu kommen?

Ich denke, die erforderlichen Schritte ließen sich, bei einem Mindestmaß an gegenseitigem Verständnis und Kooperationsfähigkeit aller Beteiligter (also Banker, Politiker und VertreterInnen der restlichen Bevölkerung) ganz leicht in drei Stufen bewältigen:

    • Positive Banking: Finanzierung von Unternehmen durch hinterlegungspflichtige Wertpapiere, deren Zinsen für den Investor „aus Luft geschöpft“ aber in der Höhe durch die realwirtschaftliche Rendite gedeckelt sind. Sinkt die realwirtschaftliche Rendite im Zeitablauf ab, so kann der Investor z.B. jederzeit (durch frisch geschöpftes Geld) mit 125% abgeschichtet werden, womit sich das Investitionsrisiko auf Null reduziert. Da die Papiere hinterlegungspflichtig sind gibt es auch keine Spekulation und die damit verbundene Kursmanipulation. Die Banken können an diesem System mehr und sicherer verdienen als heute an Aktien und Anleihen.

 

    • Positive Money: Schöpfung rein elektronischen Giralgeldes („Vollgeld“) durch den Buchungssatz „Kassa an Eigenkapital“ durch den gesamten Bankenverbund im staatlichen Auftrag und demokratisch überwacht. Die elektronischen Zahlungseinheiten stellen das gesetzliche Zahlungsmittel im Eigentum des Bankkunden dar, die Giralgeldschöpfung umfasst sowohl ein von der Demokratie gesetzlich beschlossenes bedingungsloses Grundeinkommen als auch eine gesetzlich fundierte und transparent gestaltete demokratische Preiskontrolle, um den „Wert“ dieses Geldes zu bewahren, solange wir es noch als Tauschmittel verwenden.

 

  • Ende des Tauschsystems und Übergang zur Kooperationsgesellschaft durch „Informationsgeld“: Wenn wir noch einen kleinen Schritt weiter denken, werden wir erkennen, dass es nicht notwendig ist, dass Menschen untereinander Verträge schließen und daraus Forderungen und Verbindlichkeiten entstehen, um wirtschaftlich zu kooperieren. In unserem heutigen System (Geld als Tauschmittel) handelt es sich um die Abstraktion des Tauschmediums: wir agieren so, als würden wir werthaltige (Gold-)Stücke im Kreis weiterreichen, obwohl es sich aber nur um wertlose Zahlen in Bankcomputern handelt, die rein technisch noch dazu nicht wirklich weitergeleitet sondern stets neu geschöpft und wieder gelöscht werden. Wenn alle BürgerInnen ihre (Lebens-)Verträge mit der ganzen Gemeinschaft (der Community, dem Netzwerk oder der Institution „demokratische Zentralbank“, die für die gesetzliche Geldschöpfung zuständig ist) abschließen (also eine Abstraktion des Vertragspartners erfolgt), so können wir Preise auch asymmetrisch realisieren, d.h. ein Verkäufer erhält z.B. je Stück, das er verkauft 10,- Euro, die für ihn speziell (z.B. unter seiner Sozialversicherungsnummer) nach dem Buchungssatz „Kassa an Eigenkapital (an der demokratischen Zentralbank)“ geschöpft werden. Seine Kunden hingegen bezahlen ganz individuelle Preise, einer vielleicht 5,- Euro, ein anderer 20,- Euro, weil diese ihren persönlichen Lebensverträgen entstammen (gebucht als „Aufwand an Kassa“, wodurch das „Geld“ im Rechnungskreis des Individuums verbleibt und dort auch wieder vernichtet wird).

Das hört sich noch sehr theoretisch an, doch was passiert praktisch, beispielsweise in Hinblick auf die so wichtige Kaufkraft?

Wir ersparen uns so die leidigen Fragen einer Geldmenge, eines Geldumlaufs, positiver oder negativer Zinsen, der Inflation etc. Preise, Tarife (also Lohn und Gehalt) sowie Warenkörbe werden dann für jede BürgerIn individualisiert, „Informationsgeld“ ist somit kein Tauschmedium mehr sondern eine rein persönliche Leistungskennzahl, die auch nur innerhalb der Biografie eines Menschen sinnvoll interpretiert werden kann. Sie dient nur zum Vergleich der eigenen Leistung am Zeitstrahl und nicht mehr als Tauschmittel und ähnelt damit eher den persönlichen Blutdruckwerten, mit denen auch nicht getauscht wird, die auch nicht zwischen Menschen verglichen, sehr wohl aber im Zeitablauf eines einzelnen Individuums verglichen werden können. Dadurch wäre der politische Übergang vom Kollektivismus (Warenkörbe, Preise, Inflation, Tarife werden kollektiv für alle bzw. größere Massen „geregelt“) zum Individualismus (jeder Mensch entwickelt sich nach seinen persönlichen Fähigkeiten und Leidenschaften) als Grundlage für nachhaltige, tauschlose Kooperation ermöglicht.

Dies führt dann in Ihrer Sicht zwangsläufig auch zu mehr Gerechtigkeit?

Besonders reizvoll ist bei diesem System der Umstand, dass wir dann in eine umverteilungslose Gesellschaft gelangen würden, weil ja das Informationsgeld für jedes Individuum nach seinem tatsächlichen Bedarf geschöpft und bei Bezahlung wieder vernichtet wird. Die beiden großen sozialen Konfliktquellen bzw. Bedrohungen “Ausbeutung” und “Enteignung” wären in diesem System undenkbar. Den Eigentümern von Grundvermögen und Produktionsmitteln könnten (durch für sie frisch geschöpftes Geld) diese Ressourcen zu einfach und transparent ermittelten Preisen von der “demokratischen Zentralbank” abgekauft werden und diese bringt sie danach in die kooperative, geldlose Produktion ein. Nur die Güter und Dienstleistungen für Konsumenten würden, und nur falls sie noch “knapp” sind, nach den Regeln des Informationsgeldes verteilt, also “verkauft” werden.

Güter und Dienstleistungen, die bereits im Überfluss vorhanden sind, könnten einfach bestellt und verteilt werden, ohne symbolische “Gegenleistung” (Bezahlung). Prämien (in Form von Gutscheinen, aber auch Personality-Shows, also immateriellen Werten) könnten einen Anreiz für Innovatoren darstellen, durch verbesserte Methoden Güter und Dienstleistungen, die heute noch knapp sind, in Zukunft ebenfalls in ausreichender Menge für den Gesamtbedarf produzieren zu können. Während also die heutigen Eigentümer der Ressourcen und Produktionsmittel durch frisch geschöpftes Geld für die Aufgabe ihres Eigentums entschädigt würden, könnte für den unteren Bereich der Einkommenspyramide sofort (durch ebenfalls frisch geschöpftes Geld) Kaufkraft in Form eines bedingungslosen Grundeinkommens geschaffen werden, ohne, dass diese Beträge anderen “weggenommen” werden müssen, da wir durch die individuelle Geldschöpfung das Nullsummenspiel des heutigen Geldsystems verlassen und in ein Plussummenspiel (in dem alle gleichzeitig gewinnen können, weil ein Gewinn niemals zu Lasten eines anderen Spielers erzielt werden kann) eintreten.

Welche weiteren Faktoren tragen zu einem solchen „Plussummenspiel“ bei?

Da auch die Preise individuell reguliert werden, bleibt auch die “Kaufkraft” des Informationsgeldes erhalten, weil Geld nicht mehr als Tauschmittel nur durch Verknappung seinen “Wert” behält. Informationsgeld stellt daher eine persönliche Leistungskennzahl dar und ist kein Tauschmittel mehr. Es wird individuell (aus “Nichts”) erzeugt und bei Bezahlung wieder vernichtet und ähnelt damit dem Quantenrauschen im Vakuum, wo ja auch pausenlos virtuelle Teilchen entstehen und wieder verschwinden. Da dieses Geld darüber hinaus an einen persönlichen Warenkorb und ein persönliches Preis- und Tarifsystem gekoppelt ist, ist es auch nicht mehr zwischen den einzelnen Menschen vergleichbar, ähnlich dem Blutdruckwert. Es ist also ein “relativistisches”, nur innerhalb der Biografie eines einzelnen Menschen sinnvoll interpretierbares “Geld”. Damit haben wir Quantentheorie und Relativitätstheorie in die Ökonomie übernommen und dieser Fortschritt erschafft die individuelle Freiheit zur selbstbestimmten Kooperation.

Für Sie hat ein radikales Umdenken bzw. ein völlig neues Finanz- und Gesellschaftssystem Priorität. Geht es Querdenkern, die das bestehende Geldsystem kritisieren, an den Kragen und wie weit gehen Akteure im Zweifel?

Rufschädigung, Denunzierung und Intrigen gehören leider noch zu diesen veralteten Spielregeln, zumindest aus der Perspektive einiger Akteure. Wenn man sich aber in der Sache unbeeindruckt und im Wesen nach wie vor freundlich und kooperativ verhält, denke ich, kann man jene, die ein nicht mehr taugliches Gesellschaftssystem durch eine Form von (geistigem oder mentalem) Kampf aufrecht erhalten wollen, am besten überzeugen, dass wir jederzeit in eine Win-Win-Situation gelangen können, wenn wir ehrlich über unsere wahren Anliegen und Gefühle (Wohlstand, Machtgefühle, Sozialisierung, Angst etc.) reden anstatt auf widerlegten Prämissen basierende Theorien oder persönliche Anfeindungen als Basis der Kommunikation zu benutzen.

Sie sind nach Denunzierungen und einer Suspendierung von der WU inzwischen wieder in „Amt und Würden“. Das Rechtssystem funktioniert?

Da man mir keinen Gesetzesverstoß nachweisen konnte und mir auch Aussagen unterstellt bzw. Formulierungen unterschoben wurden, die ich in Wahrheit aber der Literatur entnommen und als Beispiele für abweichende Meinungen zitiert habe, mit denen man sich ernsthaft auseinandersetzen sollte, falls man an bestimmten historischen Details tatsächlich ein brennendes Interesse verspürte, war die Reaktion des Justizapparats vorhersehbar. Die Beschädigung des Rufs ist natürlich verblieben und es gibt immer noch Menschen, die aus Angst vor einer möglicherweise „rechtsextremen Gesinnung“ den Kontakt mit mir oder meinen Mitveränderern scheuen. Ich glaube daher, dass genau das auch das wahre Ziel der ganzen Aktion war, meine rein sachlichen Ideen nach Möglichkeit aus der tagespolitischen Landschaft herauszuhalten.

Sie bleiben mit Ihren Perspektiven wohl weiterhin umstritten. Doch sind Sie inzwischen völlig rehabilitiert oder bleibt etwas hängen?

Jeder Reformer oder Innovator blieb so lange „umstritten“, bis durch praktische Umsetzung der Beweis des Funktionierens seiner/ihrer Idee gelang. Ich erinnere in dem Kontext sehr gerne an die Gebrüder Wright, die sogar als einfache Fahrradmechaniker fernab akademischer Weihen, an der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert erstmals mit einem mechanischen Flugapparat Erfolge verzeichnen konnten, während noch fünf Jahre davor eine anerkannte, wissenschaftliche Koriphäe (Lord Kelvin, nach dem immerhin auch unsere gesetzliche Temperatureinheit benannt ist) darüber folgendes verlauten ließ: „Es ist unmöglich, dass Maschinen fliegen können, die schwerer als Luft sind!“. Soziale Methoden bzw. Teile der Informationsinfrastruktur der Realwirtschaft (und um nichts anderes handelt es sich bei „Geld“ aus rein technischer Sicht) dürfen keinesfalls als monopolisiertes Geschäftsmodell von Privatleuten verwaltet werden. Stellen Sie sich doch einmal vor, einer kleinen Gruppe von Leuten würde es gelingen, ihr Privateigentum an der gesamten Atmosphäre durchzusetzen. Sie könnten damit auch willkürlich entscheiden, wer saubere, wer verschmutzte Luft und wer überhaupt atmen kann – und auch zu welchem Preis. Die Macht des privaten Schuldgeldsystems reicht heute schon sehr nahe an dieses imaginäre Beispiel heran!

Wie schon erwähnt, für die uninformierten Teile der Bevölkerung gibt es nun einige Berührungsängste, wenn sie sich aber einmal selbst sachlich informieren erkennen sie sehr schnell, dass die Frage der Gestaltung eines Geldsystems nicht mit rechter oder linker Politik sondern einfach mit der Grundfrage „Demokratie oder Diktatur?“ zusammenhängt.

Das Interview führte Ursula Pidun

Verweise:



Ein Kommentar zu "„Die Ursache unserer Probleme liegt weder an Europa noch am Euro“"

  1. Jürgen Hünefeld 25. Mai 2013 at 21:17

    In Berlin können sich Bürger über mögliche Lösungswege informieren. Kommen Sie zur
    ##### Veranstaltung: Der Währungscountdown
    ##### Am 23.6.2013 in der Urania Berlin
    ##### Google: anthrovz.de
    Es lohnt sich, denn dieses Wissen ist ein Schild gegen Überraschungen. Unsere Zukunft hängt an der richtigen Einschätzung der heutigen Wirtschaft und an guten Lösungsvorschlägen für kommende Zeiten. Kommt zur Veranstaltung. Besucht http://anthrovz.de/

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