Redaktion Spreezeitung / 1. Januar 2012 / Keine Kommentare


Rock the Ballet – Interview mit Rasta Thomas & Adrienne Canterna

Rock the Ballet – die Show die die Welt erobert: Rasta Thomas und Adrienne Caterna mischen gemeinsam mit den Bad Boys of Dance die Ballett-Szene auf und treffen mit ihrer spektakulären Tanz-Show genau den Zeitgeist. Wir haben die beiden Tänzer und Initiatoren in Berlin getroffen.

Die spektakuläre Show Rock the Ballet“, die  mittlerweile fast 500.000 Zuschauer in Europa, Australien und Asien begeisterte und ausverkaufte Tourneen bescherte, bricht mit Traditionen. Atemberaubend choreografiert und vor spektakulären Videoanimationen visuell brillant in Szene gesetzt, verbindet ROCK THE BALLET Elemente, die eigentlich als gegensätzlich galten: Ballett und Hip Hop, Klassik und Kampfsport, Kunst und Spaß. Das ruft auch Kritiker auf den Plan. Wir haben nachgefragt.

Rock the Ballet bricht mit den sehr strengen Regeln des klassischen Balletts und versucht, neue Wege zu gehen – und das gelingt ziemlich gut, wie wir finden. Was unterscheidet die Show vom gewöhnlichen Ballett, wie man es kennt?

Rock the Ballet

Rasta Thomas und Adrienne Canterna
(Foto: SPREEZEITUNG)

Rasta Thomas: Klassisches Ballett ist eine sehr alte, traditionelle Kunstform, hunderte Jahre alt und mit sehr reglementierten Schritten, die sich nicht ändern. Wir haben sie komplett geändert. Wir mischen es mit zeitgenössischem Tanz, Jazz, Hip Hop und ganz anderer Musik.

Adrienne Canterna: Ballett hat Regeln und wir haben keine Regeln.

Rasta  Thomas: Darum sind wir die bösen Jungs. Wir brechen die Regeln.

Ihr versucht aber gleichzeitig, das „Feeling“ des klassischen Balletts zu bewahren?

Rasta Thomas: Wir sind sehr respektvoll im Umgang mit dem ursprünglichen Ballett, denn das hat eben dieses Feuer – aber wir haben eine Menge hinzugefügt.

Wie viel Zeit und Arbeit steckt in der Entwicklung der Show?

Adrienne Canterna: Wir entwickeln sie ständig.

Rasta Thomas: Wir hatten vier Monate für die Proben aber Adrienne hat über die Show und die Choreographie mindestens drei Jahre nachgedacht.

Adrienne Canterna: Nun, die Entstehung von Rock the Ballett liegt jetzt über fünf Jahre zurück und immer während die Show lief, dachte ich ständig darüber nach, was ich schon für die nächste Tour machen möchte. Es braucht schon eine lange Zeit, um es richtig hinzubekommen.

Wie findet ihr neue Ideen für die Show? Könnt ihr den Prozess beschreiben, wie ein Choreographie für einen bestimmten Track entsteht?

Rasta Thomas:  Zwei Wege. Der Erste ist, du hörst Musik, die du magst und bei der du sagst: Die muss in die Show. Und dann entwickelst du Bewegungen dazu. Und der zweite Weg ist, du entwickelst erst Bewegungen und findest dann die Musik, die dazu passt.

Und ihr habt diese Bewegungen dann sofort in eurem Kopf?

Rasta Thomas: Sie ist das Gehirn von uns beiden, das alles kommt zu ihr, wenn sie schläft. 😉

Adrienne Canterna: Manchmal.

Du sitzt also zum Beispiel in der S-Bahn …?

Adrienne Canterna: Ja, genau.

Und dann schreibst du das irgendwie auf, um es nicht zu vergessen oder .. ?

Rasta Thomas: Nein, sie steht auf, gibt mir ihre Kamera und tanzt es. Wir nehmen das auf und tanzen es dann.

Adrienne Canterna: Ernsthaft, mein iPad ist voll damit, es sind hunderte Videos.

Rasta Thomas: In irgendeiner Ecke, im Badezimmer, im Restaurant, überall – es kommt und sie nimmt es auf.

Adrienne Canterna: Aber ich benutze auch die ganzen Tänze, um mich für verschiedenste Bewegungen inspirieren zu lassen. Es ist wichtig, nie zu denken, dass du immer und sofort die besten Schritte oder genau den richtigen Weg hast, sie umzusetzen. Es ist immer ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren. An manchen Tagen ist es sehr leicht, neue Schritte und Bewegungen zu entwickeln und ich bin in der Lage, viel Material zu machen. Und an manch anderen Tagen ist es sehr hart, ich fühle mich total uninspiriert und es ist sehr schwer aber dieses Mal lief das sehr gut, es war sehr einfach und die Bewegungen kamen direkt aus mir heraus.

Die Show bleibt also nie dieselbe sondern wird ständig weiter entwickelt?

Adrienne Canterna: Also die erste Aufführung haben wir über die letzten fünf Jahre weiter entwickelt. Wir haben bestimmte Parts geändert, einige Songs und Kostüme wurden ausgetauscht und ähnliches aber das Fundament bleibt dasselbe.

Rasta Thomas: Zwei oder drei Weiterentwicklungen …

Adrienne Canterna: Es gab kleinere Veränderungen in den letzten fünf Jahren, nichts wirklich Großes, was man sofort bemerkt hätte. Diese Aufführung aber ist komplett anders, alles ist neu, jeder Song, jeder Schritt, jedes Kostüm – auch die Videoprojektionen.

Das klassische Ballett wurde über Jahrhunderte entwickelt, es war in der Vergangenheit die dominierende Tanzform und wurde von vielen Menschen gerne gesehen. Heutzutage wird es eher als elitär angesehen, ähnlich wie in der klassischen Musik, wirklich zugänglich nur für eine kleine Gruppe von Personen und vor allem völlig uninteressant für junge Leute. Was könnten die Gründe dafür sein?

Adrienne Canterna: Es hat sich nicht mit der Zeit gewandelt und weiterentwickelt.

Rasta Thomas: Die Macher sind lange tot, sie konnten es gar nicht weiter entwickeln und es liegt an Leuten wie uns, zur Tradition auch Neues hinzuzufügen und es für ein frisches Publikum zu machen. Hip Hop zum Beispiel ist nicht in den Theatern, das findet auf der Straße statt. Ballett ist im Theater bereits akzeptiert, wir haben also einen Ausgangspunkt, ein Fahrzeug – jetzt können wir es verändern. Hip Hop liegt immer noch eine ganze Zeit zurück, weil es nur eine Kultur ist, es findet im Untergrund statt – es muss noch in den Theatern akzeptiert werden.

Adrienne Canterna: Aber Ballett blieb immer daselbe, auch wenn es absolut wundervoll ist und nie sterben wird. Die Leute werden es immer lieben, tanzen und sehen wollen. Aber es bleibt eben immer dasselbe. Wir tragen aber auch nicht die selbe Kleidung, die wir vor zehn, nicht mal einem Jahr, trugen. Filme haben sich entwickelt, Musik hat sich entwickelt, Kunst, Technik – alles entwickelt sich. Das bedeutet nicht, dass es eine schlechte Sache ist, etwas zu erneuern, damit es sich auch einfach frischer und anders anfühlt. Und ich denke, die Leute im Ballett schrecken davor zurück und meinen, es wäre respektlos, das zu tun. Ich denke nicht, dass das so ist.

Rasta Thomas: Manche Leute sind verwirrt, sie denken, wir zeigen dem Ballett keinen Respekt aber nein, wir lieben Ballett. Ohne Ballett wären wir gar nicht in der Lage, zu tun, was wir tun. Wenn du unsere Show siehst, gehst du vielleicht in den Schwanensee oder in Dornröschen und liebst es noch mehr oder lernst es, zu lieben.

Wie sieht es mit den Reaktionen des Publikums aus?

Adrienne Canterna: Es ist laut!

Rasta Thomas: Erfolgreich!

Und sind jetzt mehr junge Leute dabei?

Adrienne Canterna: Sehr viel mehr junge Leute.

Rasta Thomas: Es ist ein guter Mix aus den traditionellen Elitären und der jüngeren Generation und das ist genau, was wir wollen. Wir wollen den Elitären etwas ganz Neues zeigen und den Jüngeren die Gelegenheit geben, das Ballett zum ersten Mal zu erleben.

Gab es auch sehr negative Reaktionen?

Adrienne Canterna: Sehr oft, ja.

Rasta Thomas: „Das ist Müll..“, wir zerstören Traditionelles….Aber das ist ein gutes Zeichen, denn du veränderst etwas.

Adrienne Canterna: Die Leute reden darüber. Die meisten Leute mögen keine Veränderung aber wir lieben das. Kritiker, die Wandel nicht mögen, hassen uns also demzufolge.

Natürlich darf diese Frage auf keinen Fall fehlen: Seit ihr nervös vor dem Auftritt?

Adrienne Canterna: Absolut!

Rasta Thomas: Sehr nervös, das ändert sich nie. Besonders wenn eine neue Show bevorsteht, denn die alte haben wir ja schon in 20, 25 Ländern gemacht.

Adrienne Canterna: Die einzige Sache, die uns bei einer alten Show nervös macht ist, dass wir hoffen, uns nicht zu verletzen und dass das Publikum es noch mag.

Rasta Thomas: Aber wir wissen, es funktioniert. Eine neue Show jedoch haben wir noch nicht ausprobiert.

Wie viel Zeit verschlingt das Tanzen?

Rasta Thomas: Für mich hört das nie auf, Regie führen und Tanzen. Die Tänzer in unserer Kompanie proben sechs bis acht Stunden am Tag. Das ist unser Leben, wir leben, essen und schlafen damit.

Adrienne Canterna: Aber es ist wundervoll.

Rasta Thomas: Das ist es, was wir tun wollen.

Plant ihr schon eine ganz neue Show?

Adrienne Canterna: Ja, wir machen ein brandneues Romeo & Julia im Herbst 2013 mit klassischer und Rockmusik

Rasta Thomas: Jeder hat die Geschichte schon erzählt und jetzt wollen wir das auf unsere Weise machen.

Könnt ihr euch auch vorstellen, etwas ausschließlich in einem ganz anderen Tanzstil zu machen?

Rasta Thomas: Ja, das würde ich nur zu gerne. Ich habe schon eine Tap-Dance-Show gemacht. Ich würde aber auch sehr gerne eine Show nur mit Hip Hop machen.

Adrienne Canterna: Wir können aber keine zeitgenössische oder Jazz-Show ohne Ballett machen, denn ohne Ballett gäbe es das alles nicht, das kommt alles vom Ballett. Aber Hip Hop könntest du natürlich machen.

Rasta Thomas: Eines Tages …

Es wäre auch sehr interessant mal einen Hip Hop Tänzer zu sehen, der jetzt Ballett tanzt.

Adrienne Canterna: Den kannst du in Rock the Ballet auch sehen. Wir haben einige sehr talentierte Tänzer, die bereits in beiden Richtungen tanzen, seit sie sehr klein sind. Das ist beeindruckend zu sehen!

Rasta Thomas: Generell gibt es da zwei verschiedene Arten der Bewegung und des Styles und es ist sehr hart, beide zu unterrichten. Aber wenn du einen Tänzer findest, der beide kann, das ist magisch!

Danke für das Gespräch und viel Erfolg bei den Auftritten!

Alle Fotos: SPREEZEITUNG



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