Dr. Alexander Krüger / 15. Mai 2018 / Keine Kommentare


EWU-Wirtschaft: Solides Wachstum ist doch auch gut

Das Wachstumstempo der EWU-Wirtschaft hat Anfang 2018 spürbar nachgelassen. Dies liegt unseres Erachtens in erster Linie am hohen Aufschwungsalter, das das Leistungspotenzial begrenzt. Unserer Erwartung zufolge wird das Wachstumstempo demnächst nicht weiter abnehmen. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Mit Ihrer liberalen Geldpolitik hat die EZB zu dem intakten Konjunkturaufschwung beigetragen. (Foto: Photodune.com)

Eurostat hat in seiner zweiten Schnellschätzung heute bestätigt, dass der EWU-BIP-Zuwachs im Jahresanfangsquartal 0,4 % gegenüber dem Vorquartal betragen hat. Damit ist der Zuwachs niedriger ausgefallen als ursprünglich erwartet. Wachstumsseitig nachgelassen haben vor allem die Schwergewichte Deutschland und Frankreich, die spanische Wirtschaft hat ihr hohes Wachstumstempo erneut halten können. Wir rechnen zwar damit, dass der BIP-Anstieg im Euroraum im laufenden Quartal etwas höher sein wird. Unsere BIP-Prognose für 2018 senken wir aber auf 2,0 %.

Kein Grund zur Besorgnis

Wir sehen die BIP-Entwicklung nicht als besorgniserregend an. Im Vergleich zu den drei Quartalen zuvor hat sich der Zuwachs zwar fast halbiert. Dies relativiert sich jedoch dadurch, dass die Wachstumsrate noch immer höher ist als die Potenzialrate von rund ¼ %. Unter dem Strich ist das Wachstumstempo also noch immer ansprechend, ein Wachstumsdämpfer im klassischen Sinne liegt nicht vor. Es gilt: Dort, wo die Höhenluft dünner wird, sind Höchstleistungen schlicht weniger möglich.

Alles in allem sehen wir den Konjunkturaufschwung als intakt an. Hierfür sorgen aus unserer Sicht besonders die gute Weltkonjunktur und die ultra-expansive Geldpolitik der EZB. Eine neue Schubkraft dürfte von beiden jedoch nicht ausgehen. Dies stützt unsere seit Langem vertretene Sicht einer 2018 im Vergleich zu 2017 durchschnittlich abnehmenden Konjunkturdynamik. Hierfür sprechen auch der gestiegene Rohölpreis, der feste Euro-Wechselkurs und die Verunsicherung durch den globalen Handelsstreit. Dies heißt aber nicht, dass der Aufschwung an Altersschwäche stirbt.

Aufschwung ist nicht Normalität

Auch wenn er anhalten dürfte: Normalität bedeutet der Aufschwung nicht. Weder geht er im Vergleich zu seinem Beginn und trotz seines hohen Alters mit höheren Leitzinsen noch in der Breite mit niedrigeren Staatsschuldenständen einher. Eindeutig das Gegenteil ist der Fall! Damit aber ist der Handlungsspielraum für Geld- und Fiskalpolitik bei einem plötzlichen Abschwung eng. Wir behalten dies im Hinterkopf.

Das im Vergleich zu den Vorquartalen niedrigere BIP-Wachstum gibt der EZB aus unserer Sicht keinen Grund, den Ausstieg aus ihren Wertpapierkäufen zeitlich offen zu halten. Immerhin handelt es sich nicht um ein schwaches BIP-Ergebnis. Aufgrund der für ihre Käufe rechtlich bestehenden Volumenbeschränkungen erwarten wir somit unverändert, dass die EZB ihre Rhetorik im Juni weiter in Richtung Ausstieg trimmen und deren Enddatum im Juli für Ende Dezember benennen wird.

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