Dr. Alexander Krüger / 8. April 2018 / Keine Kommentare


BIP-Prognose: Auftragsvergabe hat zugenommen

Die Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe haben im Februar mehr Aufträge erhalten als im Januar (+0,3 %). Gemessen an der Konsensuserwartung (+1,5 %) enttäuscht dieses Ergebnis aber nur auf den ersten Blick. Denn der Höhenflug des Auftragseingangs hat angehalten. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Grenzen beim Wachstum bestehen. (Foto: Themeforest)


 
Der Auftragseingang im deutschen Verarbeitenden Gewerbe ist im Februar nur wenig gestiegen. Sein Höhenflug hält gleichwohl an. Da Kapazitäten bereits gut ausgelastet sind, ist ein weiterer Schub für das BIP-Wachstum nicht zu erwarten. Der Wachstumszenit ist unseres Erachtens erreicht, unsere BIP-Prognose von 2,3 % für 2018 bestätigen wir.

Auftragsvergabe hat zugenommen

Die Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe haben im Februar mehr Aufträge erhalten als im Januar (+0,3 %). Gemessen an der Konsensuserwartung (+1,5 %) enttäuscht dieses Ergebnis aber nur auf den ersten Blick. Denn der Höhenflug des Auftragseingangs hat angehalten. Dabei hat die Auftragsvergabe aus dem Inland ab- und aus dem Ausland zugenommen (-1,4 bzw. +1,4 %). Der von den USA ausgelöste globale Handelskonflikt lässt sich hinsichtlich ihrer Wirkung auf die realen Daten noch nicht abschätzen, da sie im März erst „richtig“ begonnen hat.

Alles in allem ist der Mini-Zuwachs kein konjunktureller Beinbruch. Selbst ein deutlich höherer Anstieg hätte zu Jubelsprüngen keinen Anlass gegeben, da Kapazitäten bereits gut ausgelastet sind und deshalb momentan ohnehin mehr Zeit benötigt wird, um Aufträge abzuarbeiten. Die aktuelle Entwicklung zeigt vielmehr, dass Grenzen beim Wachstum bestehen. Dies hat wenig damit zu tun, dass der Auftragseingang im abgelaufenen Quartal wohl erstmals seit dem dritten Quartal 2015 deutlich im Minus sein wird. Vielmehr sind es Kapazitätsengpässe bei der Produktion, die sich zuletzt weiter verfestigt haben und vor allem die Bauwirtschaft betreffen. Verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt vor der Finanzkrise, der die Hochphase der Globalisierung enthält, war die Auslastung im Februar um 2,7 Prozentpunkte höher. Da wir eine sich beschleunigende und auf Erweiterungen ausgerichtete Investitionstätigkeit nicht erwarten, wird der hohe Auftragsbestand daher wohl nur allmählich abgearbeitet werden. Einer fortgesetzt guten Konjunktur steht dies nicht im Weg, wohl aber einer anhaltend kräftigen oder noch höheren Wachstumsdynamik.

Nachgehende BIP-Zuwächse auf hohem Niveau

An unserem Konjunkturbild, das fortan gegenüber dem Vorjahresquartal auf hohem Niveau nachgebende BIP-Zuwächse enthält, halten wir daher fest. Trotz des massiven Dopings durch die EZB schreiben wir die konjunkturelle Ausnahmesituation also nicht fort. Wichtige Stimmungsindikatoren, die 2018 auf hohem Niveau teilweise deutlich nachgegeben haben, bestärken unsere Sicht. Mit Blick auf drohende US-Handelsbarrieren, den festeren Euro und den engen Arbeitsmarkt schließen wir, dass der Stimmungszenit überschritten ist. All dies erklärt den im Vergleich zu 2018 niedrigeren Wert unserer BIP-Prognose für 2019 (1,8 vs. 2,3 %). Dieser ist durch die von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag vorgesehenen Maßnahmen sogar prozyklisch gestützt. Applaus verdient dies unseres Erachtens nicht: Statt Fehlallokationen zu fördern, wären wachstumssteigernde Strukturreformen gefragt.

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