Dr. Alexander Krüger / 15. Februar 2018 / Keine Kommentare


Deutscher Wachstumsturbo läuft

Das deutsche BIP ist auch im Schlussquartal 2017 ansehnlich gewachsen. Derzeit deutet vieles darauf hin, dass sich der Aufschwung fortsetzt. Allerdings dämpfen bestehende gesamtwirtschaftliche Engpässe die Wachstumseuphorie ebenso wie das Koalitionspapier von CDU/CSU und SPD. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die hervorragende BIP-Prognose für 2018 bleibt vorerst bestehen. (Foto: Themeforest)

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland hat auch im Schlussquartal 2017 kräftig zugenommen: Der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zufolge betrug der Zuwachs 0,6 % gegenüber dem Vorquartal. Dabei hat, so das Bundesamt im Weiteren, der Außenbeitrag einen positiven Wachstumsbeitrag geliefert. Höheren Ausgaben des Staates standen unveränderte Ausgaben der Konsumenten gegenüber. Die Ausrüstungsinvestitionen nahmen leicht zu, Bauinvestitionen hingegen etwas ab.

Verglichen mit dem dritten Quartal 2017 (rev. 0,7, zuvor 0,8 %) ist der BIP-Zuwachs zwar niedriger ausgefallen. Die Schönheit des Konjunkturaufschwungs leidet darunter aber nicht. Da dieser nun schon 19 Quartale andauert, ist eine Wachstumsrate klar über der Potenzialrate (ca. 0,35 %) nach so langer Zeit kein Schwächezeichen.

Der Konjunkturaufschwung wird sich fortsetzen, unsere BIP-Prognose für 2018 erhöht sich aufgrund zuletzt guter Produktionsdaten von 2,2 auf 2,3 %. Trotz beständiger Spitzenwerte bei wichtigen Stimmungsindikatoren, voller Auftragsbücher in der Industrie und des wohl anhaltenden Zinsdopings der EZB erwarten wir ein im Durchschnitt nachlassendes Wachstumstempo. Immerhin hat das BIP seinen Potenzialpfad fast erreicht, die 2008 durch die Finanzkrise entstandene Lücke fast geschlossen. Dies bedeutet aber, dass eine beständige Konjunkturfahrt im sechsten Gang bei gut ausgelasteten Kapazitäten fortan weniger möglich wird. Engpässe liegen bereits vor (u. a. Arbeitsmarkt, Bauwirtschaft). Sie werden künftig aus unserer Sicht gewichtiger werden, auch deshalb, weil wir einen Investitionsboom nicht er-warten. Dies spricht nicht gegen weiteres BIP-Wachstum über der Potenzialrate. Bei geschlossener Produktionslücke halten wir eine durchschnittliche Wachstumsrate von 0,5 % aber für wahrscheinlicher als von 0,7 %, wie dies 2017 der Fall war.

Dies ist auch der wesentliche Grund für unsere BIP-Prognose von „nur“ 1,8 % für 2019. Bei Billigung durch die SPD-Mitglieder dürfte die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und SPD neue Wachstumsimpulse nicht geben. Bei den Sozialabgaben liegt das Rechte-Tasche-linke-Tasche-Prinzip vor, der Solidaritätszuschlag wird erst 2020/21 gesenkt. Eine Zukunftsvision, etwa eine Agenda 2025, enthält das Koalitionspapier nicht. Dies betrifft u. a. eine demografiefeste Sozialversicherungsreform, bessere Standortbedingungen, eine höhere preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sowie eine gezielte Bildungsoffensive. Durch Umverteilung und Geldausgeben nach der Rasenmäher-Methode wird all dies aus unserer Sicht nicht erreicht.

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