Dr. Alexander Krüger / 25. Januar 2018 / Keine Kommentare


EZB lässt Forward Guidance unverändert

Die unveränderte Forward Guidance der EZB signalisiert, dass sich die Notenbank beim Ausstieg aus ihrer ultra-lockeren Geldpolitik nicht antreiben lässt. Trotz des festen Euro dürfte sie den Wortlaut dennoch im März und April schrittweise in diese Richtung anpassen. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die EZB hält an ultra-expansiven Geldpolitik fest. (Foto: Photodune.com)


 

Auf seiner heutigen Sitzung hat der EZB-Rat an seiner ultra-expansiven Geldpolitik festgehalten. Diesbezüglich Neues zu beschließen gab es auch nicht: Die monatlichen Wertpapierkäufe sind erst kürzlich wie angekündigt um 30 auf 30 Mrd. € gesenkt worden. Ihre Marktverträglichkeit dürfte nun erst einmal abgewartet werden.

Ende der Wertpapierkäufe bleibt offen

Auch seine Forward Guidance behielt der EZB-Rat unverändert bei. Insbesondere das Ende der Wertpapierkäufe blieb erneut offen. Der Rat zielt weiter darauf ab, Käufe bis Ende September 2018 oder länger zu tätigen, in jedem Fall aber so lange, bis eine „nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung“ im Einklang mit seinem Inflationsziel erkennbar ist. Beabsichtigt ist zudem, die Käufe bei Eintrübung des Ausblicks auszuweiten und fällige Wertpapiere lange nach Kaufende wieder anzulegen. Die Leitzinsen sieht der Rat „weit“ nach dem Kaufende „auf ihrem aktuellen Niveau“.

Die rasante Euro-Festigung dürfte die EZB bestärkt haben, den Wortlaut ihrer Forward Guidance unverändert beizubehalten. Die Währung, die laut EZB-Präsident Mario Draghi keine Zielgröße für die Geldpolitik ist, hatte jüngst von Spekulationen profitiert, die auf ein Kaufende bereits im Herbst 2018 und eine Leitzinserhöhung klar vor Mitte 2019 abzielten. Die EZB werde die Lage im März neu bewerten, und eine Leitzinserhöhung 2018 besitze sehr wenig Chancen, so Draghi. Damit gibt er das klare Signal, dass sich die EZB beim Ausstieg nicht antreiben lassen wird.

Ausblick auf ein frühes Ende

Wie geht es weiter? Für uns steht fest, dass die EZB ihre Wertpapierkäufe beenden wird, da sie nahe an die rechtlich bindende Grenze von 33 % maximal erwerbbarer Staatstitel eines Landes gerückt ist. Wir erwarten daher weiter, dass Ende Dezember letztmals Wertpapiere gekauft werden. Die aus unserer Sicht anhaltend kräftig bleibende EWU-Konjunkturerholung oberhalb der Potenzialrate und die sich festigende Korrektur der Inflationsentwicklung lassen die Wahrscheinlichkeit für ein früheres Ende (bereits im September) aber steigen. Einem abrupten Abschluss, der laut Draghi vom Rat nicht angestrebt wird, entspräche dies unseres Erachtens nicht: Wenn ein Rückgang von 60 auf 30 Mrd. €, wie in diesem Monat geschehen, unproblematisch ist, dann ist er es aus unserer Sicht auch von 30 auf 0 Mrd. €. Ihren weiteren Ausstieg dürfte die EZB im März und April durch eine Änderung der Forward Guidance vorbereiten und das Ende der Wertpapierkäufe im Juni benennen.

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