Dr. Alexander Krüger / 14. Dezember 2017 / Keine Kommentare


Fed erhöht Leitzins, Rückzug setzt sich fort

Die US-Notenbank hat ihr Leitzinszielband gestern zum dritten Mal in diesem Jahr um 25 Basispunkte erhöht. Angesichts des voraussichtlich moderat bleibenden Inflationsdrucks dürfte es 2018 beim behutsamen Zinserhöhungstempo bleiben. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger. Chefvolkswirt Bankhaus Lampe.

FED-Chefin Yellen auf ihrer letzten Pressekonferenz vor dem Ausscheiden.
. (Foto: Federal Research)

Wir erwarten zwei weitere Zinsschritte.Die US-Notenbank hat das Zielband für die Federal Funds gestern zum dritten Mal in diesem Jahr um 25 Basispunkte erhöht, auf nun 1,25–1,50 %. Die im Oktober begonnene Bilanzschrumpfung soll planmäßig fortgesetzt werden, sodass sich das monatliche Schrumpfungstempo ab Januar 2018 auf 20 Mrd. US-$ erhöht. Der im Vorfeld der Sitzung hinreichend angekündigte Zinsbeschluss fiel allerdings nicht einstimmig aus, Charles Evans und Neel Kashkari votierten dagegen. Dies deutet unseres Erachtens darauf hin, dass im FOMC ein größerer Dissens wohl vor allem bei der Bewertung der niedrigen Inflationsraten besteht.

Deutlich höheres Wachstum

Die Projektionen der FOMC-Mitglieder zeigen, dass für 2018 ein deutlich höheres BIP-Wachstum (Median-Wert 2,5 %, nach 2,1 % im September) und eine tiefere Arbeitslosenquote (3,9 %, nach 4,1 %) erwartet werden. Dennoch blieben die Inflationsprojektionen bis 2020 unverändert, ebenso die Leitzinsprojektionen bis 2019. Die Mehrheit der FOMC-Mitglieder hält für 2018 drei weitere Zinserhöhungen und für 2019/20 jeweils zwei Zinsschritte für angemessen. Nichts Überraschendes boten die Erläuterungen von Janet Yellen auf ihrer letzten Pressekonferenz als Fed-Chefin. Ein grundlegender Kurswechsel in der Geldpolitik zeichnet sich auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Direktorium im Februar 2018 nicht ab. Jerome Powell, ihr designierter Nachfolger, hat bei seiner Nominierungsanhörung vor dem US-Kongress bereits angedeutet, dass die Politik vorsichtiger Leitzinserhöhungen und der schrittweisen Bilanzschrumpfung unter seiner Führung fortgesetzt wird.

Gedämpfte Inflationsentwicklung

Die Fed hat die Inflationsentwicklung in den vergangenen Jahren überschätzt. Das wird unserer Ansicht nach 2018 nicht anders sein. Seit 2012 liegt die Kerninflationsrate (PCE) unter 2 %. Diese gedämpfte Inflationsentwicklung ist nicht nur durch Sonderfaktoren zu erklären. Auch strukturelle Veränderungen an Güter- und Arbeitsmärkten, die unserer Einschätzung nach anhalten werden, lassen einen moderaten Inflationsdruck erwarten. Unserer Prognose zufolge wird der Kern-Deflator zwar leicht steigen, den Zielwert der US-Notenbank von 2 % aber auch 2018 nicht erreichen. Da inflationsseitig somit kein Handlungsdruck für die Geldpolitik besteht und das Bilanzschrumpfungstempo ab Januar einen Gang höher geschaltet wird, dürfte die Fed im ersten Quartal zinspolitisch stillhalten. Das erlaubt es ihr, die weitere Preisentwicklung und die Wirkung des vorsichtigen Liquiditätsentzugs auf die Wirtschaft in Ruhe zu analysieren. Den nächsten Zinsschritt erwarten wir für Juni und einen weiteren für das vierte Quartal.

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