Dr. Alexander Krüger / 26. Oktober 2017 / Keine Kommentare


EZB verringert ihren Krisenmodus

Die EZB hat aktuell erklärt, ihre monatlichen Wertpapierkäufe ab Januar 2018 um 30 Mrd. € zu senken und diese bis September 2018 fortzuführen. Darüber hinaus wurde der geldpolitische Ausblick nicht verändert. Wir erwarten, das Wertpapiere noch bis Ende 2018 gekauft werden. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger

Das Volumen der Wertpapierkäufe durch die EZB wird sinken. (Foto: ECB European Central Bank)

Die Nullzinspolitik wird wohl mindestens bis Herbst 2019 anhalten. Aufgrund der wachsenden Zuversicht hinsichtlich der Erreichung seines Preisziels hat der EZB-Rat heute beschlossen, das Volumen der monatlichen Wertpapierkäufe ab Januar 2018 um 30 auf 30 Mrd. € zu senken. Er beabsichtigt, die Käufe bis September 2018 durchzuführen. Somit steht fest, dass der bisher erworbene Wertpapierbestand von fast 2,2 Bio. € um 270 Mrd. € zunehmen wird. Die Einleitenden Bemerkungen des Rats enthalten auch die Möglichkeit länger anhaltender Käufe.

Aktueller Leitzins bliebt noch lange bestehen

Seinen geldpolitischen Ausblick hat der EZB-Rat ansonsten nicht verändert. Fällige Wertpapiere sollen reinvestiert werden, auch nach dem Ende der Wertpapierkäufe. Der Rat behält sich zudem weiter vor, das monatliche Kaufvolumen (im Bedarfsfall) auszuweiten. Hinsichtlich der Leitzinsen beabsichtigt er, dass diese „für längere Zeit“ und „weit“ nach dem Ende der Wertpapierkäufe auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden. Die Nullzinspolitik dürfte daher mindestens bis Herbst 2019 anhalten.

Wie sind die heutigen Beschlüsse einzuordnen? Mit dem verringerten Kaufvolumen ist die ultra-expansive Ausrichtung der EZB-Geldpolitik reduziert, nicht aber aufgehoben worden. ‎Dabei bleibt der Rat flexibel. Mit der Laufzeit bis September 2018 agiert er vorsichtig, wozu aus unserer Sicht auch guter Grund besteht: Erstens liegt die Inflationsrate hartnäckig unter dem Preisziel von knapp 2 %. Zweitens zielt der Rat aus unserer Sicht auch darauf ab, dass die Ruhe an den Rentenmärkten‎ anhält ­ und mit ihr die günstigen Refinanzierungsbedingungen für EWU-Mitgliedstaaten. Denn die Staatsschuldenkrise ist nicht gelöst, mit Nullzinsen und Liquidität ist sie lediglich verdeckt. Die Geldpolitik verbleibt daher im Krisenmodus.

Kaufende Dezember 2018

Wie geht es weiter? EZB-Präsident Mario Draghi hat auf der Pressekonferenz erklärt, dass das Kaufprogramm nicht abrupt enden wird. Für uns bedeutet dies, dass die Käufe auch nach September 2018 noch anhalten werden. Da die EZB die rechtlich bindende 33-%-Grenze für maximal erwerbbare Staatstitel eines Landes aber Mitte 2018 wohl erreichen wird, erwarten wir das Kaufende – trotz des voraussichtlich auch dann noch verfehlten Preisziels – aber weiterhin für Dezember 2018. Das Kaufvolumen dürfte im vierten Quartal 2018 auf 10-15 Mrd. € sinken. Eine Bilanzschrumpfung und Leitzinsanhebungen dürften noch lange kein Thema sein.

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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